Thealozzi-Theater lässt Socken sprechen und Kinder tanzen

Die Tanzgruppe „Let’s Dance“ probt auch ohne Musik und stampft mit ihren eigenen Füßen den Rhythmus.
Die Tanzgruppe „Let’s Dance“ probt auch ohne Musik und stampft mit ihren eigenen Füßen den Rhythmus.
Foto: Dietmar Wäsche / WAZ Fotopool
Im 4. Kulturcamp des Thealozzi-Theaters können Kinder, viele davon mit Migrationshintergrund, in acht Workshops kreativ und frei sein. Die Künstler des Hauses öffnen dabei viele Türen zur Bühnenwelt und der eigenen Fantasie.

Bochum. Auf dem ehemaligen Schulhof am Kulturhaus Thealozzi steht ein Puppentheater. Es ist eine über zwei Meter hohe Bretterbude und sie sieht historisch aus. Dabei haben die Kinder des 4. Kulturcamps diese Bühne erst in den letzen Tagen mit Hammern und Nägeln zusammengebaut. Seit Montag scharen sich an der Pestalozzistraße rund 50 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren um die Künstler des Thealozzi, zehn Tage entwickeln sie gemeinsame Kreativprojekte. Das reicht von der „SingStar“-Gruppe mit Milli Häuser über ein Sockentheater von Axel Walter und die „Let’s Dance“-Gruppe von Mayra Capovilla und Bina Noss bis hin zu einer Medienwerkstatt, geleitet von Andreas Möller und André Dinter.

Möller und Dinter fantasieren mit fünf Kindern eine Geschichte, aus der später ein Animationsfilm gedreht werden soll. Weil die beiden schelmischen Künstler offensichtlich selbst viel Freude an den Gedankenspielen haben, gibt es hier für alle viel zu kichern. Nicht nur die Story, sondern auch gebastelte oder gezeichnete Requisiten und Figuren werden dem Ideenreichtum des Teams entspringen.

Integration ist die Grundidee

Als Hauptfigur für den Film erfinden die Kinder eine Biene namens Melia. Adrian (11) bringt schnell eine Rakete ins Spiel, was für die Geschichte wichtig bleibt. „Besser ist, wir zeigen die Biene erst einmal in einer Alltagssituation“, sagt Theaterpädagoge Dinter. Das sei gut für die Dramaturgie – auch wenn er es nicht explizit so nennt – weil die Rakete, wenn sie später auftaucht, die Biene aus ihrem Alltag reißt. Ein Mädchen schreibt die ersten, gemeinsam geformten Sätze der Geschichte auf ein Blatt Papier.

„Das Grundkonzept des Kulturcamps ist der Integrationsgedanke. Es gibt Kinder dabei, die Schwierigkeiten mit der Sprache haben, weil ihre Eltern kaum Deutsch sprechen“, erläutert Axel Walter, Vorstand des Thealozzi Kulturhauses. Der Sprachaustausch und das Erlernen von Sozialkompetenz seien die wichtigsten Inhalte des Kulturcamps, führt er weiter aus.

Mittagessen ist gratis

In diesem Jahr haben etwa die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund, in den Vorjahren waren es noch mehr, viele waren schon öfter dabei. Die Teilnahme mit Mittagessen ist kostenfrei, auch weil das Land NRW das Projekt mit 40 000 Euro unterstützt. Und wer weiß – vielleicht investiert die Politik damit zum Beispiel in einen künftigen Bühnenbauer. „Als Axel am ersten Tag mit einer Socke gesprochen hat, das war so lustig“, sagt Deniz (8), senkt den Blick und schlägt mit sichtbarer Kraft einen großen Nagel ins Brett.

Ob Deniz später im Puppentheater selbst mit Socken sprechen wird? Da druckst er etwas herum, als ob er sich bei dieser Frage nicht auf ein „Ja“ oder „Nein“ festlegen möchte und grinst.

 
 

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