Terror-Festnahme in der Bochumer Hustadt

Bochum.. Seit über zehn Jahren lebte Amid C. in der Bochumer Hustadt - war stets friedlich und freundlich. An der Willy-Brandt-Schule wollte der 19-Jährige sein Abitur machen. Am Freitag dann der Schock: Polizisten nehmen den mutmaßlichen Terroristen fest.

„Wissen Sie, wir reden hier von einem Kind.“ Olaf Schatta ist Vorsitzender des Wattenscheider Boxvereins BSC 21. Seine Frau Katja und er selbst haben Amid C., der als 14-Jähriger in den Verein gekommen ist, trainiert, ihn betreut. Das Ehepaar könne nicht fassen, dass ihr ehemaliger Schützling einen blutigen Terroranschlag im Auftrag des Al-Kaida-Netzwerkes vorbereitet haben soll. Im Namen von Osama Bin Laden, dem bis Montag weltweit meistgesuchtesten Terroristen, den amerikanische Spezialeinheiten in der Nacht zum Montag in Pakistan erschossen haben.

Das ist alles weit weg und doch so schmerzhaft nah. Etwa für Karl-Heinz Böttcher, Hausmeister in dem typischen Hustadt-Hochhaus. Mit geräumigen, einst so beliebten Wohnungen, für 24 Familien. Ganz friedlich, so erzählt Böttcher offen, leben Libanesen, Israelis, Deutsche, Polen, Russen, Afghanen und eben auch Iraner unter einem Dach.

So seit mehr als zehn Jahren Amid C. mit seiner Schwester, die Medizin studiert, dem Bruder und den Eltern: „Das sind sehr hilfsbereite und freundliche Leute. An Amid kann ich mich noch als Kind erinnern, wie er mit seinen Geschwistern hier im Garagenhof spielte“, sagt Böttcher.

„Keine Sorge, nichts Gefährliches“

Als er am vergangenen Freitag, 29. April, gegen sieben Uhr von einem Geräusch aufgeschreckt war und seine Wohnungstür öffnete, sah er sich schwarz maskierten und schwer bewaffneten SEK-Polizisten gegenüber. Auf seine Frage, was denn los sei, habe ein Beamter beruhigend geantwortet: „Keine Sorge, nichts Gefährliches.“

Offenbar immerhin so gefährlich, dass der Hustadtring an diesem Morgen zugestellt war von Einsatzfahrzeugen. Anwohner zählten mehr als 40 Beamte. Mit einer Ramme schmetterten die Polizisten die Wohnungstür der Familie auf. Ein Handwerker musste das zersplitterte Türblatt später notdürftig mit einem Metallschild flicken.

Die Spezialeinheit überraschte den 19-Jährigen in der rund 120 qm großen Fünfeinhalb-Raum-Wohnung. Am Montag hätte er in der Willy-Brandt-Schule zur Abiturprüfung gemusst. Doch das ist für Amid, der geboxt hat, der nach einigen verlorenen Kämpfen bei den Junioren damit wieder aufhörte, der offenbar ein Studium im IT-Bereich aufnehmen wollte, unerreichbar, von einer anderen Welt. Seit Samstag sitzt er zusammen mit den beiden Düsseldorfer Mitbeschuldigten, dem 29-jährigen ehemaligen Bochumer Studenten Abdeladim El-K. aus Marokko und dem 31-jährigen Deutsch-Marokkaner Jamil S. in Untersuchungshaft.

Khalid-Moschee erneut in den Schlagzeilen

Ausgerechnet die Hustadt. Dort, wo die Polizei vor sieben Jahren auf der Suche nach islamischen Extremisten die Khalid-Moschee durchsuchte, wo manche Menschen einen großen Bogen um bestimmte Wohnblocks machen. No-Go-Areas im Schatten der Ruhr-Universität: Wo immer noch viele Hochschulangehörige wohnen, oft Tür an Tür mit den Mitgliedern multinationaler Jugendgangs.

Die Khaled-Moschee. Vor drei Jahren zog die Gemeinde um aus ihrem düsteren Quartier direkt am Uni-Center. Ein Neuanfang sollte hier in einem freundlich gestrichenen Haus an der Querenburger Straße gewagt werden. Jetzt kommt sie wieder in die Schlagzeilen. Amid C. soll den Gebetsraum genutzt haben. Ahmed Aweimer von der Gemeinde kennt die Familie nicht, will aber nicht ausschließen, dass Amid zum Gebet gekommen ist. „Solche Nachrichten stören unsere Arbeit, die auf einen Dialog ausgerichtet ist, natürlich heftig.“ Er persönlich bemühe sich schon seit 1998 um eine Verständigung zwischen Christen und Moslems.

 
 

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