Tanzprojekt: Müll in schönster Form

Müll wurde in der Albertus-Magnus Kirche gezeigt – und zwar in seiner schönsten Form. „Trash“ heißt die dritte Tanzperformance, die in Kooperation von Theater Total, der Ruhr-Universität und der Willy-Brandt Gesamtschule entstanden ist. Seit Oktober haben sich Schüler, Studenten und die zwei Tanzcoaches Michael Hess (Leitung) und Fátima Gomes (Assistenz) ästhetisch mit dem Thema Sperrmüll beschäftigt und die Ergebnisse nun in Form einer Performance dem vollen Publikumssaal präsentiert.

Rhythmischer Takt

Kaum wahrnehmbar, wie ein zufälliges Hintergrundgeräusch, klang der rhythmische Takt zu Beginn des Performance. Doch bald schon steigerte er sich zum maßgebenden Sound für die erste Szene, erinnerte an die Töne einer Fabrik. Und so, wie die Geräuschkulisse immer einnehmender wurde, so wurde auch der Müllhaufen auf der Bühne immer größer. Standen anfangs nur ein Besen und ein Eimer im leeren Raum, wuchs der Berg in den nächsten Minuten immer weiter. Doch das Spiel der jungen Menschen wurde bald schon abstrakter, die eigentlichen Sperrmüll-Gegenstände rückten erst gegen Ende der Performance wieder in den Vordergrund. Immer wieder fanden die Tänzerinnen und Tänzer neue Bewegungs-Assoziationen.

Die Bezüge zum Grundthema waren dabei mitunter sehr frei: So entführten die jungen Künstler die Zuschauer tänzerisch auch in eine Art Boxkampf und ins Internet. Dass manche Bewegungsabläufe nicht immer hundertprozentig synchron waren, auch mal der eine oder andere kleine Fehler passierte, war angesichts des beeindruckenden Gesamtwerks nicht weiter schlimm. Vielmehr ist es faszinierend, wie leicht sich die Schüler und Studierenden der eher unnahbaren Kunstform Tanz genähert haben – in ihrer Freizeit. Denn der Kurs fand für die Schüler als eine AG statt. Zusammen mit den Studenten haben sie in zwei Gruppen geprobt, in zwei Wochen dann das gesamte Stück zusammengesetzt. „Die meisten der Ideen stammen von den Schülern selbst“, erklärte Lehrerin Petra Winkler. „Ich würde so gerne die Zeit zurückdrehen und alles noch mal erleben“, erzählte der 12-jährige Ruj. „Die Bühne ist mittlerweile ein Freund von mir, habe ich gemerkt“, ergänzte der 13-jährige Manuel. Auch die Studenten hatten ihre Freude: „Wir waren für die Schüler wie größere Schwestern“, sagte Henrike Stöhr.

Am Ende der Performance war die Bühne wieder kahl. Jeder Tänzer hatte einen Gegenstand gefunden, ihn zweckentfremdet und neu verwendet. In der Theaterwelt ist die Utopie von der müllfreien Welt also schon einmal wahr geworden.

 
 

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