Tag der offenen Tür im Containerdorf in Bochum-Weitmar

Gernot Noelle
Zahlreiche Anwohner aus Weitmar schauten sich das Containerdorf am Kuhlenkamp an und informierten sich im Gespräch mit städtischen Mitarbeitern.
Zahlreiche Anwohner aus Weitmar schauten sich das Containerdorf am Kuhlenkamp an und informierten sich im Gespräch mit städtischen Mitarbeitern.
Foto: FUNKE Foto Services
Anwohner können sich ein Bild von der umstrittenen Flüchtlingsunterkunft am Kuhlenkamp in Weitmar machen. Erste Bewohner sind bereits eingezogen.

Bochum-Weitmar. Wuseliges Treiben in der neuen Flüchtlingsunterkunft am Kuhlenkamp in Weitmar: Die Stadt hatte am Freitagnachmittag zu einem Tag der offenen Tür eingeladen. Viele Anwohner und Mitglieder des Flüchtlingshilfe-Netzwerkes Südwest nahmen das Angebot an, um sich ein Bild von dem neuen Containerdorf zu machen, wo Platz für bis zu 224 Flüchtlinge ist. Hier bekommen sie Einblicke, unter welchen Bedingungen ihre neuen Nachbarn künftig wohnen werden.

„Schön ist anders“, beschreibt Bezirksbürgermeister Marc Gräf (SPD) seinen ersten Eindruck, als er einen Container besichtigt. „Aber immer noch besser als in einer Turnhalle.“ In der Tat, im Vergleich dazu sind die Container Luxus: Vier Personen werden hier auf 30 Quadratmetern leben. Sie haben eine kleine Küche mit zwei Kochplatten und Kühlschrank, ein Bad mit Dusche, WC und Waschbecken und ein Schlafzimmer mit einem Etagenbett und zwei Einzelschlafplätzen. Auf dem Dach eines jeden Containers gibt es einen Anschluss für eine Satellitenschüssel, die sich die Bewohner allerdings selbst besorgen müssen.

Drei Gesellschaftsräume

Susanne Lange, die zusammen mit Marc Gräf den geschäftsführenden Vorstand des Flüchtlingshilfe-Netzwerkes Südwest bildet, findet die neue Unterkunft super. „Für die, die aus einer Turnhalle hierhin kommen, wird es wie im Paradies sein.“ Auch Dank der Unterstützung der Netzwerker, die schon Kontakt zur Heimverwaltung aufgenommen haben, um die ehrenamtliche Hilfe und Betreuung zu organisieren.

Zur Heimverwaltung, um die sich Caritas und Diakonie kümmern, zählt Muzhda Ahadi (Diakonie). „Die ersten 36 Flüchtlinge sind bereits am Mittwoch eingezogen“, erzählt sie. Alles allein reisende Männer, die meisten von ihnen Syrer. Sie lebten zuvor in der Turnhalle an der Karl-Friedrich-Straße. Muzhda Ahadi und ihren Kollegen – ein weiterer Heimverwalter, zwei Sozialarbeiter und zwei soziale Betreuer – haben sie in der hintersten Reihe untergebracht. Leicht abgetrennt von einander sollen künftig mögliche allein reisende Frauen und Familien mit Kindern wohnen. In der Mitte des Terrains mit insgesamt 56 Containern gibt es drei Gesellschaftsräume, wo Ehrenamtliche einen Platz für ihre Angebote wie Deutschkurse oder Spielenachmittage finden und sich die Flüchtlinge zudem gemeinsam die Zeit vertreiben können.

Weg ins Weitmarer Holz frei

Wochentags ist eine Betreuung von 8 bis 18 Uhr gewährleistet. In der übrigen Zeit sind die Flüchtlinge auf sich allein gestellt. „Sie sollen hier ja auch selbstständig leben“, sagt Muzhda Ahadi. Allerdings sei ein Bereitschaftsdienst über Handy jederzeit erreichbar. Und es gibt einen 24-Stunden-Wachdienst.

Natürlich sind auch einige Kritiker des Containerdorfes zugegen. Im Vorfeld – unter anderem am WAZ-Mobil – hatte es heftige Proteste gegeben, ausgerechnet in diesem Grüngürtel am Kuhlenkamp eine Unterkunft zu errichten (wir berichteten). Doch viele kritische Stimmen werden an diesem Tag nicht laut. Zumal viele Probleme auch gelöst scheinen. Das Überschwemmungsproblem hat die Stadt mittels gezogener Gräben im Griff. Vor dem Camp wird ein letzter Schacht derzeit verfüllt. Ist diese Arbeit erledigt, kommen dort auch die Tischtennisplatten und der Basketballkorb wieder hin. Und der Weg ins Weitmarer Holz ist weiterhin frei; er führt nun halt durchs Containerdorf.