Sven Regener spinnt Seemannsgarn mit Hamburg-Heiner in der Zeche Bochum

Frank Beilenhoff
Der Autor und Musiker Sven Regener liest am 5. Mai in Bochum aus seinem Buch: Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Foto: ddp
Der Autor und Musiker Sven Regener liest am 5. Mai in Bochum aus seinem Buch: Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Foto: ddp
Foto: ddp/Torsten Silz

Bochum. Sven Regener, Musiker und Literat, Sänger von Element of Crime und Verfasser der Herr-Lehmann-Trilogie, hat über einen Zeitraum von fünf Jahren Blogs für die verschiedensten Internet-Plattformen verfasst. Unter dem Titel „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ hat der 50-Jährige diese Logbücher in einem Band zusammengefasst. Daraus liest Regener am Donnerstag, 5. Mai, ab 20 Uhr in der Bochumer Zeche. Vorab hat Frank Beilenhoff mit dem Autor über sein Werk und die bevorstehende Lesung gesprochen.

Frage: Sie sind am 5. Mai in der Zeche Bochum und lesen aus ihren Logbüchern „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“. Was erwartet die Zuhörer?

Sven Regener: Vor allem Spaß. Die Logbücher haben Spaßcharakter. Sie bestehen ja aus verschiedenen Blogs, bei denen ich viel ausprobiert habe. Im Verlauf werden die Texte immer wahnhafter. Das ist richtiges Seemannsgarn. Im zweiten Teil der Lesung, die etwa zwei Stunden dauern wird, zeige ich auch Bilder.

Ist es ratsam, das Buch vorher zu lesen oder können sich die Zuhörer einfach überraschen lassen?

Die Zuhörer müssen sich nicht vorbereiten. Vor allem weil es sich bei den Texten um Blogs handelt. Es gibt zwar einen roten Faden und wiederkehrende Motive. Aber letztendlich kann man überall einsteigen. Ich nehme allerdings schon größere Passagen, damit die Running Gags auch funktionieren.

Die Blogs sind unabhängig voneinander für verschiedene Online-Plattformen entstanden. Wie kamen Sie auf die Idee, die Texte in einem Buch zusammenzufassen?

Ich habe die Blogs im Nachhinein noch mal gelesen, viel Spaß dabei gehabt und gemerkt: Sie bauen aufeinander auf und zeigen einen gewissen Verlauf. Denn es ist ja keine Lose-Blatt-Sammlung, sondern hat durch die Figur Hamburg Heiner, die in jedem Blog vorkommt, einen größeren Zusammenhang. Damit erfüllten sie die Voraussetzungen für ein Buch.

Die meisten Blogs im Internet sind wie Tagebücher oder Erfahrungsberichte geschrieben. In Fachblogs findet man auch wissenschaftliche Texte. Dialoge sind aber eher selten. Bei Ihren Blogs ist das anders – warum?

Ich fand die reine Insider-Sicht auf beispielsweise unsere Tour alleine einfach nicht interessant genug. Deshalb habe ich die Blogs als eine freie Form der Literatur interpretiert. Je weniger ich mich an die Berichtsform gehalten habe, desto freier wurde ich und desto besser lief es. Letztlich ist das Verhältnis zwischen Erfahrungsbericht und Fiktion in meinen Blogs so Fifty-Fifty. Was stimmt und was ausgedacht ist, weiß wohl am Ende nur noch ich.

Die Dialoge in Ihren Blogs führen Sie mit Hamburg-Heiner. Wie ist die Figur entstanden? Gibt es eine Vorlage, eine reale Person?

Im Grunde ist Hamburg-Heiner komplett ausgedacht. Aber für mich ist er mittlerweile ziemlich real. Er ist einerseits mein Über-Ich. Der strenge, böse, mahnende, unversöhnliche Teil, der schon einmal mit einem spricht. Andererseits ist er auch eine ganz eigene Figur, wie Herr Lehmann, die mit der Zeit ein immer schärferes Profil bekommt. Interessant ist: Bei einem Roman kann man im Nachhinein das Profil, das ein Charakter zu Beginn hat, noch einmal verändern oder nachzeichnen. Bei einem Blog geht das nicht. Alles wird direkt veröffentlicht. Deshalb erkennt man bei Hamburg-Heiner eine richtige Entwicklung seiner Person mit der Zeit.

Zu Blogs gehören in der Regel auch immer Kommentare. Durch das Feedback der Leser entwickeln sich oft Dialoge und Diskussionen mit dem Autor oder zwischen den Lesern untereinander. Wie gehen Sie mit Feedback um?

Bei Blogs über Kochrezepte kann man diskutieren – z.B über die Zutaten. Bei Künstlern ist das hingegen sehr heikel. Die Kommentatoren sind automatisch Kritiker. Wenn einem meine Texte nicht gefallen, ist das okay. Die Kritik muss ich akzeptieren. Aber ich kann mich dazu nicht verhalten und mich in irgendeiner Weise äußern. Das passt nicht. Aber es ist interessant zu sehen, wie die Kommentatoren untereinander diskutieren.Related content

Wie wichtig sind denn für Sie über Blogs hinaus die neuen Medien wie Facebook, MySpace oder Twitter und wie gehen Sie als Autor und Musiker damit um?

Ich glaube nicht, dass sich der Mensch dadurch ändert. Aber wir können diese Medien als Werkzeuge einsetzen. Als Künstler hat man dadurch neue Möglichkeiten – aber auch mehr Arbeit. Ich persönlich habe keinen Facebook-Account, weil mir dafür einfach die Zeit fehlt. Wir müssen ja auch noch Songs schreiben, unsere Instrumente spielen usw. Für Element of Crime betreut unsere Plattenfirma das Facebook-Profil. Und Twitter interessiert mich einfach nicht so. Die künstliche Begrenzung der Zeichen auf SMS-Länge ist nicht mein Ding.

Was sind Ihre weiteren Pläne? Neue Blogs? Vielleicht ein Film mit Hamburg-Heiner in der Hauptperson? Oder erstmal wieder Musik?

Das Schöne ist: Im Moment kann ich einfach mal innehalten und in Ruhe überlegen. Ich habe die Lesungen, dann eine Reihe von Konzerten mit Element of Crime im Sommer. Das will ich auskosten. Die Frage, was ich nächstes Jahr machen werde, stelle ich mir noch nicht. Letztlich ist alles denkbar, was Sie erwähnt haben.

Also auch ein Wiedersehen mit Hamburg-Heiner?

Ich bin mir sicher, dass Hamburg-Heiner - in welcher Weise auch immer – wiederkommen wird. Denn der macht mir richtig Spaß!