Streit um Naturschutzgebiet

Hörsterholz und Dr.-C.-Otto-Wald sollen vom Landschaftsschutzgebiet zum Naturschutzgebiet heraufgestuft werden. Dann gelten hier strengere Regeln als zuvor. So dürfen etwa die Wege nicht mehr verlassen werden.
Hörsterholz und Dr.-C.-Otto-Wald sollen vom Landschaftsschutzgebiet zum Naturschutzgebiet heraufgestuft werden. Dann gelten hier strengere Regeln als zuvor. So dürfen etwa die Wege nicht mehr verlassen werden.
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Dr.-C.-Otto-Wald und Hörsterholz sollen umgewandelt werden. Während Naturschützer eine Umwidmung befürworten, sehen Anwohner dies kritisch.

Dahlhausen.  Der Dr.-C.-Otto-Wald und das Hörsterholz zwischen Dahlhausen und Höntrop sollen Naturschutzgebiete werden. So zumindest sehen es Pläne der Stadt vor. Zur Bürgerversammlung kamen etwa 40 Interessierte ins Amtshaus Weitmar und betrachteten die nicht unumstrittenen Pläne.

Michael Grothe vom Umwelt- und Grünflächenamt informierte über den Landschaftsplan Bochum West: „Es handelt sich um überwiegend bewaldetes Gebiet, das sich die Natur etwa vom Bergbau zurückerobert hat.“ Ziele der Festsetzung sind u.a. der Artenschutz von Feuersalamandern, Waldkauz, Bunt- und Grünspecht. Ebenso der Schutz der Siepentäler, des Bachlaufes sowie des Alt-, Tot- und Unterholzes.

Nicht betroffen seien Gartengrundstücke. „Die Grenze verläuft jenseits dieser. Im Gebiet liegende Häuser sind von den neuen Regelungen zudem ausgenommen“, so Grothe. So wird es u.a. nicht mehr erlaubt sein, neue Gebäude zu errichten oder gekennzeichnete Wege zu verlassen. Für Hunde gilt dann Leinenpflicht. (Bergbau-)Wanderwege sollen erhalten bleiben, Reiten ist auf speziellen Wegen erlaubt.

Bürgerinitiative befürchtet Verlust von Naherholungsgebiet

Die Sicht der Anwohner auf das Vorhaben ist geteilt. Während viele Dahlhauser die Pläne befürworten, befürchtet die Bürgerinitiative „Pro Landschaftsschutzgebiet“ den Verlust des Hörsterholzes als Naherholungsgebiet. „Warum muss es zwingend Naturschutzgebiet werden?“, fragte Uwe Tanger von der Initiative.

Als Gegenvorschlag wurde ein Jungwaldgebiet (zwischen Am Stapel und Sandkuhle) vorgeschlagen, welches nicht Teil der Planungen ist. Dies geht aus einer Eingabe hervor, die zwar „fristgerecht eingereicht“ wurde, so Bezirksbürgermeister Marc Gräf, der Verwaltung jedoch nicht bekannt sei.

Schäden durch Forstarbeiten

Die Initiative kritisiert zudem, dass Forstarbeiten weitaus größere Schäden anrichten würden als dies durch Spaziergänger jemals möglich sei. Einige mutmaßen zudem, die Stadt wolle sich „lästiger Pflichten“ entledigen, da einige Wege noch immer durch Sturmschäden unpassierbar seien.

Der Arbeitskreis Umweltschutz Bochum (AkU) vertritt einen klaren Standpunkt: „Die Ernennung zum Naturschutzgebiet macht Sinn, weil auf dem Areal viele alte Bäume stehen, die zu einer Gefahr werden könnten“, sagte Biologe Dr. Fritz Ludescher: „Man müsste entweder Wegstücke sperren oder präventiv fällen, und das gilt es zu vermeiden.“ AkU-Mitglied Ingo Franke appellierte: „In Bochum gibt es nur noch ganz wenige Freiflächen. Auf diese muss sich der Naturschutz konzentrieren, um das ökologische System aufrecht zu erhalten.“

Der SPD-Ortsverein Dahlhausen präsentierte durch Ratsmitglied Klaus Hemmerling einen Zehn-Punkte-Plan, um das Hörsterholz als Naturschutzgebiet zu etablieren. Hierzu gehören u.a. der Erhalt und die Pflege aller Wege (außer Trampelpfade), Radfahrmöglichkeiten sowie eine abgegrenzte Hundeauslaufwiese.

Umsetzung erfolgt frühestens 2017

Noch bis zum 1. März kann der Änderungsbeschluss im Technischen Rathaus und in der Bezirksverwaltungsstelle Südwest (Hattinger Straße 389) eingesehen werden. Auch können Fragen schriftlich eingereicht oder zur Niederschrift gegeben werden.

Klärungsbedarf besteht u.a. noch bei Eigentumsrechten sowie Baumüberhängen auf angrenzende Grundstücke. Alle Anmerkungen (auch die Eingabe der Bürgerinitiative inklusive Unterschriftenliste) fließen in einen Änderungsentwurf ein. Dieser wird dann erneut den politischen Gremien vorgelegt und frühestens im Herbst abermals der Öffentlichkeit zur Stellungnahme präsentiert.

Kippen des Änderungsbeschlusses gilt als unwahrscheinlich

Michael Grothe hierzu: „Schwerwiegende Hinweise, aus denen heraus erkennbar wird, dass es fahrlässig wäre, den Bereich als Naturschutzgebiet auszuweisen, würden zusammen mit unserer Stellungnahme dem Rat vorgelegt, welcher sich dann ein eigenes Urteil bilden wird.“ Nach derzeitigen Erkenntnissen sei es jedoch unwahrscheinlich, dass der Änderungsbeschluss noch gekippt werde. „Es gibt eindringliche Untersuchungen des Areals, die diese Entscheidung stützen.“

Die Umsetzung würde im Jahr 2017 erfolgen. Grothe und andere Anwohner waren darum bemüht, Zweifel zu zerstreuen und deutlich zu machen, dass das Hörsterholz als Naherholungsgebiet erhalten und zugänglich bliebe.

 
 

EURE FAVORITEN