„Heute ist es wie ein Feiertag“

Spiel-, Sport und Begegnungsfest für die Be- und Anwohner des Übergangswohnheims an der Wohlfahrtstraße. Die Bewohner zeigten ihre Lebensfreude durch Tanz, so auch Shojib Ahmed (3. von links).
Spiel-, Sport und Begegnungsfest für die Be- und Anwohner des Übergangswohnheims an der Wohlfahrtstraße. Die Bewohner zeigten ihre Lebensfreude durch Tanz, so auch Shojib Ahmed (3. von links).
Foto: Haenisch / waz fotopool
Shojib Ahmed (19) ist einer der Bewohner des Flüchtlingsheims Wohlfahrtsstraße. Sie alle feierten mit deutschen Nachbarn ein Begegnungsfest

Süd.  Ein Tag, an dem sie vergessen können, ein Tag, an dem sie den Moment genießen können – egal was die Zukunft für sie bringen wird. Solche Tage sind selten für die Flüchtlinge, die im Übergangsheim an der Wohlfahrtstraße untergebracht sind. Doch das kleine Sommerfest auf dem Sportplatz von Teutonia Ehrenfeld wollte den Asylbewerbern genau diese Freude bescheren.

„Wir wollen den Menschen in Not zeigen, dass sie willkommen sind.“ Bernd Vössing, der Organisator des Spiel-, Sport- und Bewegungsfestes, möchte Asylbewerber und Nachbarn zusammenbringen. Gemeinsam mit der Sozialraumkonferenz und über 20 unterstützenden Institutionen und Vereinen organisierte er bereits die zweite kleine Feier dieser Art. Die erstes hatte im vergangenen Oktober stattgefunden. Seitdem ist die Zahl der Heimbewohner weiter stark gestiegen.

Rund 250 Personen aus 33 verschiedenen Nationen warten derzeit in der Unterkunft an der Wohlfahrtstraße auf einen Asylbescheid. Einer von ihnen ist Shojib Ahmed. Der 19-Jährige lebt seit neun Monaten in Bochum. Seine Heimat Bangladesh verließ er ganz allein – in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Doch zunächst lernte er in Deutschland die Einsamkeit kennen: ganz auf sich gestellt in einer fremden Gesellschaft, weit entfernt von Verwandten, ohne Menschen, die seine Muttersprache verstanden.

Der Bochumer Michael Klüter versucht, in diesen Situationen ehrenamtliche Hilfe zu organisieren. Der 58-Jährige machte sein Umfeld mobil, sprach Gemeinden an, gründete eine Facebook-Plattform. An der Ruhr-Universität fand er zahlreiche Hilfsbereite, die den neu angekommenen Asylbewerbern bei Sprachproblemen helfen wollen. „Wir suchen Nachbarn“, erklärt Klüter sein Motto. Menschen, die vermeintlich einfache Dinge wie den Einkauf im Supermarkt, den Kauf eines Bustickets oder das Bedienen einer Ampel erklären. „Das sind Dinge, die kennen viele der Flüchtlinge aus ihren Heimatländern ja nicht.“

Auch Shojib Ahmed bekam Sprachunterricht, macht große Fortschritte. „Ich würde gern besser Deutsch lernen und hier die Grundschule besuchen.“ Für den 19-Jährigen wäre es der allererste Schulbesuch. Doch er wagt noch nicht weiter zu träumen. „Ich weiß nicht, wie es in Zukunft weitergeht. Ob ich Asyl bekomme und bleiben darf.“ Er lebt von Woche zu Woche. Wartend.

In seiner Situation empfindet er das Sommerfest als den schönsten Moment seit langem. Gemeinsam mit zwei gleichaltrigen Freunden aus dem Übergangsheim und etlichen weiteren Flüchtlingen aller Altersklassen springt er ausgelassen vor der kleinen Bühne herum, aus deren Boxen lautstark orientalische Rhythmen wummern. „Der Tag heute ist für mich wie der Feiertag am Ende der muslimischen Fastenzeit Ramadan. Der Tag, an dem alle beisammen sind und gemeinsam ein großes Festessen haben“, erzählt er in fließendem Englisch. Immer wieder mischt er schon deutsche Worte darunter. „Ich bin glücklich, weil ich hier sein darf.“

 
 

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