„Es soll ja möglichst echt aussehen“

Ein Miniatur-Modell dank akribischer Feinarbeit: Andreas Lindmüller baut das Zeltfestival Ruhr im Maßstab 1 zu 160 nach. Rund 600 Arbeitsstunden wird er dafür investieren. Foto: Ingo Otto
Ein Miniatur-Modell dank akribischer Feinarbeit: Andreas Lindmüller baut das Zeltfestival Ruhr im Maßstab 1 zu 160 nach. Rund 600 Arbeitsstunden wird er dafür investieren. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Modellbauer Andreas Lindmüller erstellt ein Mini-Kopie des Zeltfestival-Geländes

Querenburg..  Stecknadelgroß ist der Sonnenschirm, an dem Andreas Lindmüller gerade arbeitet. „Die müssen jetzt alle noch grün angepinselt werden, weil die Schirme im Original natürlich auch grün sein“, erklärt der Modellbauer.

Er bastelt derzeit an einem detailgetreuen Nachbau des Zeltfestivals Ruhr. „Das ist mein erster großer Auftrag und eine richtige Herausforderung“, so der 39-jährige gelernte Feinmechaniker. Seit dem 4. Juli werkelt er an den Mini-Zelten, dem Gelände und sonstigem Zubehör, die dem Festival am Kemnader Stausee täuschend echt sehen. Besonders stolz ist Lindmüller auf seinen Rasen, den er mit einem elektrischen Gerät unter Spannung setzt und somit die Grashalme senkrecht in die Leim-Schicht schießen kann. „Das soll ja auch echt aussehen“, erklärt er das aufwendige Verfahren. Sogar die Anzahl der Holzplanken, die er für den Untergrund verwendet, stimmen mit dem Original in groß überein.

„Das Basteltalent wurde mir in die Wiege gelegt.“

Bevor das Modell am 15. August fertig ist, wird der Bastler, der seine Karriere mit Flugzeugmodellen begann, rund 600 Arbeitsstunden in die Miniatur gesteckt haben. Lindmüller: „Flugzeugmodell sind ganz anders. Da braucht man beispielsweise sehr leichtes Holz. Flügel werden mit dünnem Papier überzogen. Ein kleiner Fehler und das Modell ist zerstört.“ Bereits mit fünf Jahren setzte sich der Bochumer Tüftler an sein erstes Flugzeug. „Das Basteltalent wurde mir in die Wiege gelegt. Schon immer faszinieren mich kleine Tüfteleien“, erklärt der Familienvater, dessen dreieinhalbjährige Tochter die Gabe offenbar geerbt hat. „Ab und zu kommt sie vorbei und schnitzt an Holzstücken rum oder bastelt mit Pappe und Papier.“

Was ihn antreibt, muss man Andreas Lindmüller gar nicht erst fragen, denn schnell ist klar: Es ist seine Liebe zum Detail. „Ich baue Dinge unheimlich gerne nach und mein eigener Anspruch ist es, alles so echt wie möglich aussehen zu lassen“, sagt er und zeigt auf eine Rasenpartie zwischen Zelt und Holzplatte. „In echt wächst da auch ein bisschen Gras das Zelt hoch, dann muss es das in meinem Modell auch tun.“ Mit dem Skalpell hat er zuvor Hexagon-Wegplatten ausgeschnitten.

Alles an dem Modell ist von Hand erstellt. „Fast alles“, sagt Lindmüller, der auch gelernter IT-Systemelektroniker ist. Die Bäume sind gekauft. Aber es wäre nicht Lindmüllers Art, wären sie alle gleich. „Natürlich nicht. Ich gehe immer wieder zum Gelände, mache Fotos und schaue, dass ich auch die richtigen Bäume an den entsprechenden Stellen platziere.“

Nicht ganz billig

Ganz billig ist so ein Nachbau im Maßstab 1 zu 160 nicht. Gut 8000 bis 10 000 Euro wird das Modell der Größe 1,10 Meter mal 1,30 Meter später kosten. Das fertige Modell wird dann am dem 17. August für jedermann auf dem Festival-Gelände zu sehen sein.

Derzeit arbeitet der Modellbauer in seiner eigenen Kellerwerkstatt also auf Hochtouren. „Mit acht Stunden pro Tag käme ich nicht aus. Manchmal arbeite ich von 9 Uhr morgens bis halb 5 nachts“, sagt Lindmüller, der schon ein nächstes Projekt im Hinterkopf hat und hofft, das Zeltfestival-Modell als Sprungbrett nutzen zu können.

Im nächsten Jahr wird die Möhnetal-Sperre 100 Jahre alt, und Lindmüller liegt besonders der Wasserbau am Herzen. Sein Arbeitsleben begonnen hat er nämlich an der Ruhr-Universität als Techniker in der Hydrologie. „Für mich wäre es ein Traum, wenn ich die Tal-Sperre im Modell darstellen könnte.“

EURE FAVORITEN