Campus-Quartier Lennershof: Bezirk lehnt Bebauung ab

Gernot Noelle
Die geplante und umstrittene Bebauung der Lennershofsiedlung
Die geplante und umstrittene Bebauung der Lennershofsiedlung
Foto: WAZ FotoPool
Einstimmiges Votum in der heutigen Sitzung der Bezirksvertretung Süd. Applaus aus dem Publikum, als alle Lokalpolitiker dem Bebauungsplan 895 mit Nein entgegnen. Die Anwohner der Lennershof-Siedlung kämpfen seit langem dagegen an, dass ihnen viergeschossige Wohnblöcke vor die Nase gesetzt werden.

Querenburg.  Grinsend schleicht Gerhard Falke (CDU) kurz vor Start der gestrigen Bezirksvertretungssitzung zu seinem Platz, hebt den Daumen gen Publikum und flüstert: „Mehrheiten stehen“. Er bekräftigt damit, was bereits in den Minuten zuvor die Runde machte: Die Süd-Bezirksvertreter lehnen einhelligb den umstrittenen Bebauungsplan 895 für das Campus-Quartier Lennershof ab.

Und zwar in großer Übereinstimmung, wie sich später, als Bezirksbürgermeister Helmut Breitkopf-Inhoff (SPD) den Tagesordnungspunkt 2.1 aufruft, herausstellt. Für die Lokalpolitiker ist die Sache klar, es besteht kein Redebedarf mehr, die Abstimmung ist nur noch Formsache: Alle Arme schnellen nach oben, als nach Gegenstimmen gefragt wird.

Im Publikum brandet spontaner Applaus auf. Die meisten haben dem Braten bis dahin nicht so recht getraut. „Ich glaube es erst, wenn ich es hier live erlebt habe“, hatte ein Anwohner der Lennershof-Siedlung im Vorfeld noch gesagt. Die Skepsis überwog. Nun dieser aus Sicht der Anwohner erfreuliche Etappensieg.

Allerdings ist dieser keine große Überraschung, denn die Entscheidung zeichnete sich durchaus ab. Erst letzte Woche bekräftigten Helmut Breitkopf-Inhoff und der CDU-Fraktionsvorsitzende Gerd Sauer im WAZ-Interview die Absicht, gegen den Bebauungsplan zu stimmen. Dieser sieht vor, in der Siedlung nicht nur Wohnneubauten zu schaffen, sondern auch Büros und Gewerbegebiete im direkten Umfeld von Uni und Hochschule. Die Anwohner befürchten dadurch u.a eine massive Verdichtung der Bebauung und ein erhöhtes Verkehrsaufkommen inklusive Park-Chaos.

Dass es in dieser Form dazu kommen wird, ist nun mehr als fraglich. Auch im Rat (tagt am 13. November), das sickert am Rande der Sitzung gestern durch, gibt es wohl eine breite Mehrheit gegen den Bebauungsplan. CDU-Ratsherr Wolfgang Horneck: „Wir hatten gestern ein Vorgespräch mit dem Hauptausschuss (tagt am Donnerstag, Anm. d. Red.). Und wenn wir es dort ablehnen, dann auch im Rat.“ Ähnliches kann Helmut Breitkopf-Inhoff von seiner Ratsfraktion berichten. Im Ausschuss für Planung und Grundstücke, der gestern zeitgleich tagte, wurde die Beschlussvorlage komplett von der Tagesordnung genommen.