Studie: Viele Studierende sind gestresster als Berufstätige

Viel Stoff, wenig Zeit: Studierende klagen über eine hohe Arbeitsbelastung an Universitäten.
Viel Stoff, wenig Zeit: Studierende klagen über eine hohe Arbeitsbelastung an Universitäten.
Foto: Antonio Diaz
  • Das Studium ist nicht unbedingt „die beste Zeit im Leben“
  • Jeder zweite Student fühlt sich unter Druck gesetzt, erschöpft oder gehetzt
  • Ruhr-Universität Bochum bietet psychologische Beratung an

Bochum.. „Das Studium ist die beste Zeit in deinem Leben!“ Diese Floskel hört man vor und während des Studiums von vielen Seiten. Eltern und Bekannte versichern es einem immer wieder. Doch dass der Mythos „Studenten-Highlife“ bröckelt und heute vielleicht nicht von allen Studierenden als zeitgemäß empfunden wird, zeigt eine aktuelle AOK-Studie, die für Schlagzeilen gesorgt hat.

Demnach sind Studierende gestresster, als Berufstätige. Jeder zweite Student fühlt sich unter Druck gesetzt, erschöpft oder gehetzt. In NRW empfänden die Hochschüler ihr Studium im Vergleich zu anderen Bundesländern am stressigsten.

Mit 43.000 Studierenden an der Ruhr-Universität wären 21.500 Menschen theoretisch überdurchschnittlich gestresst. Für solche Fälle gibt es die Studienberatung der RUB, die neben sachkundigen Informationen auch psychologische Beratung anbietet. „Die Nachfrage nach persönlichen Beratungsangeboten ist hoch. Das sieht man vor Allem an der langen Wartezeit für einen Termin, die schon mal ein paar Wochen andauern kann“, sagt Ludger Lampen, Psychologe der Zentralen Studienberatung der Universität.

Psychische Belastung steige überall in der Gesellschaft

Erst zum Wintersemester 2013 hat die RUB die Beratungsstelle um zwei Teilzeitstellen aufgestockt, um der Nachfrage des doppelten Abiturjahrgangs gerecht zu werden. „Studierende beklagen sich über eine hohe Arbeitsbelastung. Ob Vor- und Nachbereitung von Seminaren, Klausuren oder das Arbeiten im Labor: sie verbringen viel Zeit an der Uni“, sagt er. Und nebenbei bestehe der Druck, seinen Lebensunterhalt nebst BAföG selbst zu verdienen. „Studien von Krankenkassen belegen allerdings, dass die psychische Belastung überall in unserer Gesellschaft zunimmt. Ist es dann etwas Besonderes an der Uni? Ich glaube, nein“, sagt Lampen und bricht mit dem Mythos vom lockeren Studentenleben.

Doch was tun, wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht? „Vieles ist eine Frage der Einstellung“, sagt Corinna Peifer, Junior-Professorin für Psychologie an der Ruhr-Universität. Die Akademikerin hat zum Thema Stress geforscht und rät, Aufgaben als positive Herausforderung zu betrachten. „Außerdem hilft es, soziale Unterstützung zu suchen, Lerngruppen zu bilden zum Beispiel.“ Entscheidend sei, auf sich selbst zu achten und auch erholende Tätigkeiten zu verrichten. „Das muss nicht immer Sport sein, man kann auch einfach mal nichts tun“, sagt sie.

Den Druck herausnehmen

Einige Studenten haben einen eigenen Umgang mit den Erwartungen an sie entwickelt. „Ich hätte mich auch gestresst gefühlt, wenn ich das Studium in der Regelzeit hätte machen wollen. Da ich aber seit Langem nebenbei arbeite und mein Leben gestalte, bedeutet das Studium an sich keinen Stress für mich“, sagt Jonathan Ludwig.

Der 28-Jährige studiert seit bereits 16 Semestern Medien- und Sozialwissenschaften. Was manche zum Staunen bringt, ist für ihn nichts Ungewöhnliches: „Die Regelstudienzeit halten oft nur diejenigen ein, die von den Eltern finanziert werden und Zuhause wohnen.“ Doch Selbstständigkeit solle man im Studium doch auch lernen.

 
 

EURE FAVORITEN