Studenten müssen auch in den Semesterferien viel arbeiten

Nathanael Ullmann
Caroline Becker beginnt ihr Studium zwar erst im Wintersemester, hat aber bereits Vorkurse.
Caroline Becker beginnt ihr Studium zwar erst im Wintersemester, hat aber bereits Vorkurse.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Auch in der „vorlesungsfreien Zeit“ müssen Studenten Hausarbeiten, Seminare oder Praktika bewältigten. Zeit zum Durchatmen bleibt für sie oft nicht.

Bochum. „Ihr Studenten habt ja andauernd frei.“ Diesen oder ähnliche Sätze müssen sich die Studierenden nicht selten anhören. Dass die Vorlesungsfreie Zeit beziehungsweise die Semesterferien mit Urlaub eigentlich nur wenig zu tun haben, das zeigt ein Besuch an der Ruhr-Universität.

Ob Praktikum, Hausarbeit-Recherche oder Probe: Zwar ist es auf dem Campus im Gegensatz zur Vorlesungszeit ein wenig ruhiger, doch wirklich leer ist es dort nie. Ida Brückner steht gerade vor den Gebäuden der Geisteswissenschaft, legt eine Verschnaufpause ein. Ihre Semesterferien sind gefüllt mit Hausarbeiten und Referatsverschriftlichungen: „Das heißt von morgens bis abends in der Bibliothek sitzen. Ich komme zum Schreiben hierher, hier schaffe ich doch mehr“, so die 21-Jährige. Zurzeit steht für sie eine Arbeit zu Aristophanes „Die Wolken“ an.

Praktikum beim Campusradio

Am anderen Ende des Campus sitzt derweil Thomas Bosse tief in Gedanken vor einem Schnittprogramm. Er ist einer von rund 15 bis 18 Studenten-Praktikanten, die das Campusradio „CT das Radio“ im Semester betreut. Für den Optionalbereich, einem Bereich des Studiums, in dem interdisziplinäre Arbeiten erwünscht sind, darf er 30 Tage lang in der Redaktion arbeiten. „Im Semester war ich einmal in der Woche hier. Die letzten 19 Tage mache ich jetzt in der vorlesungsfreien Zeit“, so der angehende Medien- und Erziehungswissenschaftler. Ein nicht bezahltes Praktikum wie dieses ist aber mitunter schwer unterzubekommen, schließlich muss das Geld für den Sozialbeitrag auch irgendwie verdient werden.

Noch wenig Ahnung von der vorlesungsfreien Zeit hat Caroline Becker. Sie fängt ihr Studium erst im Wintersemester an. Trotzdem ist auch sie schon auf dem Campus unterwegs, denn die Vorkurse für ihr Studium in Betriebswirtschaftslehre und Kultur, Individuum und Gesellschaft sind voll im Gang. „Ich habe zwei Vorkurse in Statistik und Mathe für Ökonomen“, erzählt sie. Dass in den Semesterferien für Urlaub nur wenig Platz ist, weiß sie aber auch schon aus Erzählungen.

Proben im Musischen Zentrum

Und selbst die Kultur kommt in den Semesterferien nicht zu kurz. Im Musischen Zentrum ist auch in diesen Tagen reger Betrieb. Aus den Klavierräumen erklingt Musik, in der Probebühne werden die Stücke für das nächste Semester geprobt.

Unter den Probenden ist auch Studienkoordinatorin Hanna Steppat, die aus ihrer Position noch einmal eine ganz eigene Sicht auf die Semesterferien hat: „Die vorlesungsfreie Zeit ist eine Illusion. Auch in dieser Zeit finden mehr und mehr Lehrveranstaltungen statt.“ Im Grunde ist die Vorlesungsfreie Zeit also mitunter nicht einmal mehr vorlesungsfrei.