Studenten entwickeln neue Konzepte und testen Wohnen im Ballon

Kristina Gerstenmaier
Ein aufblasbarer Ballon als Wohnraum. So wird das Studentenzimmer, das eine Baulücke im Ehrenfeld füllt, ungefähr aussehen. Wie genau, wissen die Initiatoren erst, wenn es am Wochenende installiert wird.
Ein aufblasbarer Ballon als Wohnraum. So wird das Studentenzimmer, das eine Baulücke im Ehrenfeld füllt, ungefähr aussehen. Wie genau, wissen die Initiatoren erst, wenn es am Wochenende installiert wird.
Foto: privat
  • Architektur-Studenten entwickeln mit Bloon ein neues Wohnkonzept
  • Mobilität und knapper Wohnraum in der Innenstadt standen dabei im Zentrum der Überlegungen
  • Bis zum 31. Juli kann Bloon besichtigt werden

Bochum. Ein Ballon als Studentenbude. Aufblasbar, wo er eben gerade Platz findet. Eine enge Telefonzelle als Basis, als Zugang zum Ballon und Badezimmer zugleich. Und Datenprojektionen als Sichtschutz auf der Hülle. Was ziemlich futuristisch klingt, wird jetzt Realität – zumindest zwei Wochen lang.

Ab dem kommenden Wochenende wird „Bloon“ als experimentelle Wohnprojekt die Baulücke der Hugo-Schultz-Straße Nummer 65 im Ehrenfeld schließen. In der Zeit vom 18. bis 31. Juli übernachten dann Interessierte hier, um diese Form des Wohnens zu testen. Bisher gibt es nichts Vergleichbares, „Bloon“ ist ein Prototyp.

Begonnen hatte das Projekt als Wettbewerb unter Architekturstudierenden der Hochschule Bochum, in dem sie sich mit der Aufgabe beschäftigten, unbrauchbare Räume für Studenten in der Innenstadt nutzbar zu machen.

Antwort auf Träume in mobiler Welt

In mehreren Kursen der Architektin Agnes Brigida Giannone entwickelte anschließend eine Gruppe von 20 Studierenden die Grundidee weiter. „Die Traumvorstellung, sich mal eben sein eigenes kleines Zimmer aufzublasen, ist schon sehr verlockend“, erklärt Projektmitglied Kristina Deutsch (28), die jeden Tag von Oberhausen zur Hochschule pendelt. „Das ist die Grundidee, die hinter Bloon steckt.“ Ein Hinterfragen des Althergebrachten, eine Weiterentwicklung des verfügbaren Wohnraumes, eine Antwort geben auf Nomadentum in der Stadt, das sei die Philosophie des Projekts.

Aber konkret: Orientiert haben sich die angehenden Architekten an einer Umfrage unter Studierenden nach deren Wohnbedürfnissen: Vor allem ein Schlafplatz und ein Laptop, mehr braucht es nicht. In der Baulücke entsteht also eine 15 Quadratmeter große Raum-Blase. Darin eingezogen über die ganze Breite eine Art Matratze. Möbel – Sitzgelegenheiten oder Ablagemöglichkeiten – lassen sich beliebig aus zusammenfügbaren Kugeln formen. Die Wände sind lichtdurchlässig, aber nicht vollständig transparent. Denn wer kommt, zahlt über sein Smartphone mit Erinnerungen und Eindrücken, die auf die Membran projiziert werden.

Zugang durch Telefonzelle

Durch eine einen Quadratmeter kleine Telefonzelle gelangt der Besucher über eine Leiter in die Blase. Die unterste Stufe aufgeklappt, zeigt sich, dank der Umbaumaßnahmen der jungen Architekten, die Toilette der Studentenwohnung. Außerdem befindet sich in der Telefonzelle, die so ebenfallsvon einem ausgedienten Raum zu einem genutzten wird, eine Dusche. Natürlich haben die Studierenden auch an Wasser, Strom und Internetzugang gedacht.

„Auch für uns ist das ein Experiment“, sagt David Keuer (25), der die Grundidee beim Wettbewerb eingereicht hatte. „Wie es sich letztendlich anfühlt und auch wie es dann ganz konkret aussieht, das wissen wir noch nicht.“

Begleitprogramm und Kontakt


Am Donnerstag, 28. Juli, findet im Kunstmuseum eine Diskussionsrunde mit Experten statt. Übernachtungsplätze sind leider keine mehr verfügbar. Nach Absprache kann der Ballon besichtigt werden (Tel.Nr. auf der Webseite des Projekts).