Streit um verkaufsoffene Sonntage in Bochum geht weiter

Tausende von Menschen waren am vergangenen verkaufsoffenen Sonntag in Bochum unterwegs.
Tausende von Menschen waren am vergangenen verkaufsoffenen Sonntag in Bochum unterwegs.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Der Einzelhandel will im kommenden Jahr seine Geschäfte an neun verkaufsoffenen Sonntagen öffnen, maximal drei pro Stadtteil. Kirchen und Gewerkschaften ist das zu viel. Nach ersten Diskussionen und Nein-Stimmen in einigen Bezirksvertretungen muss nächste Woche der Rat entscheiden.

Bochum. Es ist jedes Jahr das gleiche: Wenn’s draußen kalt wird, entzündet sich im politischen Bochum eine hitzige Diskussion zu den verkaufsoffenen Sonntagen. Nachdem die Bezirksvertretung Mitte die Liste des Einzelhandelsverbandes Ruhr-Lippe komplett abgelehnt hat, traute sich der Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag erst gar nicht an das Thema ran. Über den Antrag muss in der kommenden Woche (13.) der Rat entscheiden.

Mehr oder weniger unversöhnlich stehen sich auch in diesem Jahr Kirchen und Gewerkschaften (DGB, Verdi) als Gegner der verkaufsoffenen Sonntage sowie der Einzelhandelsverband mit der Industrie- und Handelskammer im Schlepptau gegenüber. Der „Allianz für den freien Sonntag“ sind neun Termine, pro Stadtteil maximal drei, zu viel.

Die Allianz fordert, die Anzahl der verkaufsoffenen Sonntage weiter zu reduzieren. „Für uns bleibt es dabei, dass der Sonntag im sozialen Zusammenleben seiner Zweckbestimmung entsprechend als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung dienen soll und der Sonn- und Feiertagsschutz neu bekräftigt wird“, heißt es in einer Stellungnahme. Viele Anlässe für die Shopping-Tage seien an den Haaren herbeigezogen, argumentiert seit Jahren die Gewerkschaft Verdi. Leidtragende seien insbesondere Minijobber und Teilzeitarbeiter. Die Bezirksvertretung Nord strich mit den gleichen Argumenten zuletzt den für den 20. September 2015 am Ruhrpark geplanten verkaufsoffenen Sonntag „Harpen geht neue Wege“ von der Liste. „Das ist keine Traditionsveranstaltung“, sagten SPD und Grüne.

Einzelhandel setzt pro Jahr 2,2 Milliarden Euro um

Einzelhandelsverband und IHK indes sehen die verkaufsoffenen Sonntage als Stärkung für den stationären Handel, der mittlerweile einen Großteil seines Umsatzes an den Online-Handel abgegeben hat. Bundesweit, so steht es in der Vorlage der Stadtverwaltung, werden 17,4 Prozent der Waren auf digitalem Weg bestellt. Tendenz steigend. „Der Einzelhandel ist einer der bedeutendsten Wirtschaftszweige Bochums“, argumentiert die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für die Politik. 10.500 Jobs seien in der Branche registriert, die pro Jahr in unserer Stadt einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erzielt.

Neue Argumente in dem Streit sind das alles nicht. Anfang 2013 segnete der Rat mit großer Mehrheit bei gleicher Ausgangslage neun verkaufsoffene Sonntage für 2014 ab. 2013 noch hatte der Einzelhandelsverband 13 Termine beantragt. Eine hitzige Diskussion im Rat ist dennoch zu erwarten, da sich vermutlich auch die neuen Parteien positionieren wollen.

 
 

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