Stolperstein für ermordeten Volksschullehrer

Michael Weeke
Die zynische Schrift am Tor des Konzentrationslagers Sachsenhausen.
Die zynische Schrift am Tor des Konzentrationslagers Sachsenhausen.
Foto: WR

Bochum. Sehr intensiv hat sich Jürgen Wenke mit einem weiteren Stolpersteinprojekt befasst, das an das Leben und vor allem das Leid eines Bochumer Homosexuellen während der Nazi-Zeit erinnert. Es geht um den am 6. November 1897 in Hamme geborenen Volksschullehrer Heinrich Wahle, der ins KZ Sachsenhausen deportiert wurde und dort bei einer gezielten Mordaktion gegen mindestens 95 homosexuelle Männer ermordet wurde.

„Leider konnte ich keine persönlichen Dokumente über Heinrich Wahle finden“, so Wenke. Bekannt ist, dass er um 1930 in der Dorstener Straße 13a in Bochum lebte. Seit 1936 bis zum Beginn der Verfolgung hatte er eine Wohnung an der Humboldtstraße 4. Da mittlerweile die Straßen anders geführt sind, gehört der Teil der alten Humboldtstraße heute zum Westring.

Wegen Homosexualität als Berufsverbrecher geahndet

Da auch Polizei oder Gestapoakten nicht erhalten sind, gibt es nur wenige Zeugnisse. Wenke fand heraus, dass Wahle mit der Häftlingsnummer 39.468 erstmals am 6. Oktober 1941 als Zugang im Krankenbau des Lagers verzeichnet wurde. Nur über die heimlichen Aufzeichnungen des Mithäftlings Emil Büge ist überliefert, dass es im Sommer 1942, also vor genau 70 Jahren, diese Mordaktion gegeben hat. Auf einer Liste der in Sachsenhausen ermordeten Homosexuellen finden sich auch die Namen weiterer Bochumer.

Heinrich Wahle, der als „BV175 „geführt wurde, also ein sogenannter Berufsverbrecher nach dem alten Paragraphen 175 des Strafgesetzbuchs sein sollte, wurde am 17. Juli 1942 ermordet. Zuvor, so Wenkes Recherchen, wurde er dem bei den Häftlingen gefürchteten Strafkommando im Außenlager Großziegelwerk, dem sogenannten „Klinker“ zugeführt.

Interesse an Patenschaften noch verhalten

In seiner Sterbeurkunde aus Sachsenhausen/Oranienburg steht als Todesursache: „Kopfschuss bei Fluchtversuch“. Hinter einer solchen Angabe verbarg sich oft die inszenierte und gezielte Tötung von Häftlingen durch die SS-Leute .

Der Stolperstein für Heinrich Wahle wird der 5. Stolperstein sein, der in Bochum für einen von den Nazis ermordeten Homosexuellen verlegt wird. Alle Patenschaften und damit die Kosten wurden von der Rosa Strippe übernommen. Jürgen Wenke: „Ich würde mir wünschen, dass es ein größeres Interesse an solchen Patenschaften geben würde.“ Er hat noch die Namen einiger Menschen aus Bochum, die wegen ihrer sexuellen Orientierung ermordet oder verfolgt worden sind.
Kontakt: Beratungsstelle Rosa Strippe: 02 34/640 46 21 (Mo, Mi, Do 14-16 Uhr)