Stöbern in ungeahnten Schätzen

Ein Mitarbeiter des geschlossenen Magazins der Universitätsbibliothek der Ruhr Universität Bochum nimmt ein historisches Buch aus dem Regal am Dienstag, den 20. November 2012 in Bochum. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Ein Mitarbeiter des geschlossenen Magazins der Universitätsbibliothek der Ruhr Universität Bochum nimmt ein historisches Buch aus dem Regal am Dienstag, den 20. November 2012 in Bochum. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
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Bochum. Das geschlossene Magazin der Unibibliothek enthält wertvolle Inkunabeln und Erstdrucke ab 1450

Denkt man an die Universitätsbibliothek Bochum, sieht man über Büchern schwitzende Studenten und dröge Fachliteratur vor seinem inneren Auge. Doch kaum jemand weiß, dass die Bibliothek, die 1962 als eine der ersten Einrichtungen der RUB gegründet wurde, richtige Schätze unter den 1 641 948 gedruckten Bänden besitzt.

„Unsere Bibliothek ist sehr jung und viele vermuten keine alten Bücher bei uns“, berichtet Martina Stiemert, Pressesprecherin der UB. In den 1960er Jahren wurde vergriffene, ältere wissenschaftlich relevante Literatur durch Antiquariatshandel und den Ankauf kompletter Bibliotheken und Nachlässe beschafft. „Viele juristische Titel aus dem 16. bis 19. Jahrhundert kamen aus dem Zentralantiquariat der DDR. Die DDR brauchte Devisen und es kam schon fast einer Plünderung gleich, wie Bücher in den Westen verscheuert wurden“, erinnert sich Stiemert.

Besonders wertvolle Sammlungen stehen im Magazin der Unibibliothek. Als eine der ersten wurde 1962 die des Schriftstellers und Journalisten Paul Ernst (1866-1933) erworben, die Romane, Erzählungen, Epen und Essays vom 17. bis zum 20. Jahrhundert umfasst. „Deutsche Gedichte“ von Gryphius von 1698 und Boccaccios „Daneto“ aus dem Jahr 1534 gehören ebenso dazu wie Kräuterbücher aus dem 16. und 17. Jahrhundert. „Der Wert der Bände liegt im niedrigen vierstelligen Bereich, wir besitzen aber auch Bücher im fünfstelligen Bereich“, erläutert die Pressesprecherin. Rund 150 000 DM haben diese 7300 Bände gekostet.

Seltener sind die 32 Inkunabeln aus dem 1500 Bände umfassenden Nachlass von Johann Baptist Schneyer (1908-1978). Inkunabeln sind zwischen 1450 und 1500 gedruckte Bücher. Die hier gelagerten Exemplare mit Leder- oder Pergamenteinband sind vornehmlich theologischen Inhalts.

Die 1966 vermachten Bibliotheksbestände der Industriellenfamilie Alfred Krupp von Bohlen und Halbach mit etwa 21 000 Bänden aus allen Bereichen sind besonders umfangreich. Rund 12 000 davon sind vor 1900 erschienen. „Mein Lieblingsstück ist ein Afrika-Reisebericht von Mungo Park von 1799. Ein Bestseller in seiner Zeit, denn alle wollten etwas über den fremden Kontinent lesen. T. C. Boyles Roman ,Wassermusik’ beruft sich auf ihn“, erklärt der Bibliotheksmitarbeiter Manfred Gebauer.

Eindrucksvoll ist Sir William Hamiltons (1730-1803) Abhandlung über Vulkanismus von 1776 mit fesselnden Farbabbildungen. Ein besonders wertvoller und seltener Bildband mit 48 Kupfertafeln befindet sich mit Mellings „Voyage de Constantinople“ im Besitz der UB.

 
 

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