Steinbrück weicht der K-Frage aus

Peer Steinbrück (re.) im Gespräch mit Werner Hansch. Foto: Grosler
Peer Steinbrück (re.) im Gespräch mit Werner Hansch. Foto: Grosler
Bundeswirtschaftsminister a.D. und NRW-Ministerpräsident a.D. Peer Steinbrück war am Samstag zu Gast beim Atriumtalk der Stadtwerke Bochum. Moderator Werner Hansch plauderte vor 180 geladenen Gästen 80 Minuten lang mit dem SPD-Politiker.

Bochum. Haben wir Samstagabend den 9. Bundeskanzler unserer Republik gesehen und gehört? Für die Mehrheit der 180 Gäste beim Atriumtalk der Stadtwerke Bochum – darunter natürlich alle führenden SPD-Köpfe unserer Stadt – dürfte eine Sache jedenfalls gelaufen sein: Die Startnummer eins in der SPD gehört Peer Steinbrück (64).

Wobei wir bei dem vom Gast auserwählten Moderator wären: Werner Hansch. Der heute 73-Jährige, daran erinnert Stadtwerke-Chef Bernd Wilmert in seiner Begrüßung, hatte, Pferdesport erfahren wie er war, S04-Torwart Nigbur einmal mit „Startnummer eins“ angekündigt. Am Samstag liefert Hansch freundlich Stichworte für ein 80-minütiges Geplauder, das den Gast zu keiner Zeit fordert, aber Beifall findet – und dank einem Steilpass aus Dortmund (2:0-Derbysieg) mit Fußball beginnt.

„Es tut mir leid für Sie“, sagt BVB-Aufsichtsrat Steinbrück zum Ex-Stadionsprecher des FC Schalke 04. Bochum könne auch ein bisschen Steinbrück vertragen, lenkt Hansch die Gedanken flugs Richtung VfL. Zur Belohnung gibt’s den ersten Kalauer des Abends: Steinbrücks Deutung für VfL: Verein für Ligawechsel. „Das ist doch eine positive Aussage“, kommentiert er die Buhrufe, „in der nächsten Saison spielt der VfL wieder in der 1. Liga.“

Besser als mit der Zweitliga-Tabelle kennt sich der Bundesfinanzminister a.D. mit Journalisten aus. „Was soll ich denn sagen? Jede Antwort kriegt Beine“, erwidert Steinbrück, als Hansch wissen will, wie er denn reagieren werde, wenn die Partei ihn zum Kanzlerkandidaten ausruft. „Keine Partei ist gut beraten, ihren Spitzenkandidaten zwei Jahre auf die Schleifmaschine zu setzen“, so Steinbrück.

Sein Verhältnis zu den parteiinternen Kontrahenten in der K-Frage, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier, beschreibt er mit: „Prima, prima, prima!“ Beide seien über sein Buch mit Altkanzler Helmut Schmidt im Bilde und sich über das zu erwartende Medienecho im Klaren gewesen. Keinesfalls werde man nun der Journaille in Berlin ins Messer laufen. „Die wollen am liebsten, dass sich die drei bereits jetzt in den Staub der Arena bewegen, ihre Pferde satteln, ihre Lanzen nehmen und gegeneinander reiten.“

Die Vita Steinbrücks, der seit 30 Jahren verheiratet ist („Für SPD-Verhältnisse ist das karrierehemmend.“) und drei Kinder hat, gibt’s anhand von Kurzfilmen zu sehen. Der EX- NRW-Ministerpräsident betont, dass seine Karriere keinesfalls geplant gewesen sei. „Das war teilweise sehr, sehr zufällig.“ NRW-Wirtschaftsminister sei er nur geworden, weil Gerhard Schröder den heutigen Geschäftsführer der WAZ-Mediengruppe, Bodo Hombach, zum Kanzleramtsminister gemacht habe. „So etwas kann man nicht planen.“

Seinen Auftritt nutzt Steinbrück für ein klares Bekenntnis zu Europa. Diese Gemeinschaft dürfe nicht zerfallen. Wer glaube, Deutschland könne allein in der Champions-League spielen, unterliege einem großen Irrtum. „Dieses Europa ist die Antwort auf 1945.“ 60 Jahre Frieden seien ein Privileg. „Ich bin nach meinem Urgroßvater, Großvater und Vater die erste Generation, die nicht in einem Krieg verheizt worden ist.“

Der Hitze der Kandidaten-Kür begegnet Steinbrück vermutlich auch deshalb so kühl wie er norddeutsch trocken und gelassen ist. Hinzu kommt der Ritterschlag von Helmut Schmidt, unserem 5. Kanzler. 2013 steht ergo nur noch Angela Merkel (CDU) im Weg.

Atriumtalk

Zweimal im Jahr laden die Stadtwerke Kunden und Vertreter der Stadtgesellschaft zum Atriumtalk ein. Imagepflege ist das Ziel. Zuletzt war Senta Berger zu Gast.

 
 

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