Startschuss für die Investoren

Tom Schmitt
Noch ist unklar, wer das neue Einkaufszentrum an der Viktoriastraße bauen wird.
Noch ist unklar, wer das neue Einkaufszentrum an der Viktoriastraße bauen wird.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Im Frühjahr 2012 könnte sich endlich entscheiden, wer das geplante Einkaufszentrum an der Viktoriastraße bauen wird. Acht interessierte Projektentwickler gibt es bereits.

Bochum. Im Frühjahr 2012 könnte sich endlich entscheiden, wer das geplante Einkaufszentrum an der Viktoriastraße bauen wird. Der Hauptausschuss soll am Dienstag (8.) ein „Bieterverfahren mit städtebaulicher Konzeption“ auf den Weg bringen. Eile scheint indes nicht geboten, da der Neubau des Justizzentrums am Ostring vermutlich gar nicht wie geplant 2014 fertig wird.

Für die Entwicklung des Standortes an der Viktoriastraße zwischen Husemannplatz und Willy-Brandt-Platz (heutiges Justizgelände und Telekomblock) nimmt die Stadt erst einmal Geld in die Hand. Rund 100.000 Euro dürfte das Verfahren kosten, in dem Projektentwickler und Investoren ihre Ideen zur Entwicklung des Areals vorstellen. Ein externes Büro wird den Wettbewerb EU-weit durchführen, eine mehrheitlich durch die Stadt besetzte Jury soll zwei Vorschläge auswählen.

Bau- und Liegenschaftsbetrieb hat das letzte Wort

Das letzte Wort hat der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW als Eigentümer des Justizgeländes; er muss laut Landeshaushaltsordnung den Investor mit dem höchsten gebotenen Kaufpreis auswählen. Die Stadt selbst kann die Fläche laut Baurat Dr. Ernst Kratzsch nicht erwerben, da sie diese letztlich nicht selbst nutzen will.

Stadt und BLB haben sich einen anderen „Dreh“ ausgedacht, um gemeinsam den aus städtebaulicher Sicht besten Vorschlag auswählen zu können. Sollten wie erwartet zur Realisierung des bis zu 200 Millionen Euro teuren Einzelhandels- und Dienstleistungsquartiers in der Bochumer Innenstadt öffentliche Flächen entwidmet und verkauft werden müssen (Teile des Husemannplatzes, der Viktoria- oder Junggesellenstraße), hätte die Stadt ein Mitspracherecht.

Einige Vorgaben beachten

Wer den Zuschlag zum Bau des neuen Einkaufsparadieses in Bochums Mitte erhalten will, hat Vorgaben zu beachten: Die Verkaufsfläche darf 20.000 Quadratmeter nicht überschreiten, es soll neue Angebote geben und keine Verlagerung vorhandener Geschäfte.

Und weiter: Das Zentrum soll als offenes Quartier auch Platz für Wohnungen, Büros und Gastronomie bieten. Der denkmalgeschützte Schlegelturm muss erhalten werden, dringend gewünscht wird zudem eine Passage zwischen Viktoria- und Kortumstraße (z.B. Höhe Deichmann oder Mayersche).

ECE hat ein Vorkaufsrecht

Wie berichtet, geht der Hamburger Projektentwickler ECE, dem bereits Citypoint und Drehscheibe gehören, als Platzhirsch ins Rennen. Die ECE ist Eigentümer der Immobilien Viktoriastraße 10 und Junggesellenstraße 6-8 und sie besitzt ein Vorkaufsrecht auf den Telekomblock.

In ihrer Vorlage für den Hauptausschuss bilanziert die Stadt dies so: „Parallel zu den planerischen Zielgrößen ist deutlich geworden, dass die seitens der Stadt Bochum nicht zu beeinflussenden Eigentumsverhältnisse zur Unsicherheit bzw. in Teilen Handlungsunfähigkeit bei den Investoren und Entwicklern beitragen.“

GAO-Fassade soll sicher erhalten werden

Nichtsdestotrotz sieht die Stadt eine Chance, der ECE die Stirn zu bieten: mit einem Einkaufszentrum, das allein die Fläche der Justiz und einen Teil des Husemannplatzes einnimmt, also komplett ohne ECE-Eigentum zu realisieren wäre. Eine Bebauung des Husemannplatzes ist allerdings in der Öffentlichkeit heftig umstritten und dürfte große Diskussionen auslösen. Zeit zum Reden haben die Verantwortlichen allemal.

Wie Helmut Heitkamp, Leiter der BLB-Niederlassung Dortmund, auf Anfrage mitteilte, hängt der Termin für die Fertigstellung des neuen Justizzentrums am Ostring an einem seidenen Faden. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2014 fertig sind und wir das Gelände in der City dann freiziehen können.“

Der BLB ist laut Grundbuch noch immer kein Eigentümer der Grundstücke am Ostring. Heitkamp kündigte an, dass noch 2011 die Bagger rollen. Der Abriss des ehemaligen Gymnasiums am Ostring (GAO) werde aber erst 2012 erfolgen, gleichzeitig mit dem Beginn des Neubaus. Nur so könne wie gewünscht die GAO-Fassade sicher erhalten werden.

Offene Diskussion über die zulässige Verkaufsflächer

Acht interessierte Projektentwickler nennt die Stadt: ECE Projektmanagement (Hamburg), MAB Development (Den Haag), Tenkhoff Properties (Berlin), MFI Management für Immobilien (Essen), Multi Development (Duisburg), Sonae Sierra (Düsseldorf), Gedo Grundstücke und Verwaltung (München) und Euco Einkaufscenter (Bochum).

Ins Bieterverfahren sicher einsteigen werden ECE und MFI. „Wir werden die Details unserer Planungen an den Anforderungen der Stadt ausrichten“, kündigte Torsten Kuttig im Gespräch mit der WAZ an. Der ECE-Projekt-Direktor erhofft sich trotz der Vorgaben eine offene Diskussion über die zulässige Verkaufsfläche.

"Hervorragende Ergänzung zum Ruhrpark"

25.000 qm seien erforderlich, um im Wettbewerb bestehen zu können. „Dabei bleibe ich. Wir müssen das Projekt an 2016 ausrichten und nicht an 2011.“ Es könnten sich dann Mieter ansiedeln, „die heute noch gar nicht wissen, dass sie nach Bochum wollen“. Als Beispiel nannte Kuttig den irischen Modediscounter Primark, der in die neue Dortmunder Thier Galerie gezogen sei.

Zum Projektstart hätte daran niemand gedacht. „Das Einkaufszentrum in der Innenstadt wäre eine hervorragende Ergänzung zu unserem Ruhrpark“, so MFI-Sprecherin Britta Schell. „Wir werden uns auf jeden Fall an dem Bieterverfahren beteiligen.“ Die MFI verstehe sich als Partner der Stadt und werde in ihrem Entwurf aufzeigen, welches Potential der Standort als offenes Center habe – mit einer Vernetzung von Gebäuden, Gassen und Plätzen.