Stadtwerke Bochum schließen Deal mit Sascha Hellen aus

Jürgen Stahl
Die Stadtwerke Bochum schließen jeden finanziellen Vergleich mit ihrem Promi-Vermittler Sascha Hellen aus.
Die Stadtwerke Bochum schließen jeden finanziellen Vergleich mit ihrem Promi-Vermittler Sascha Hellen aus.
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Kein Handel mit Sascha Hellen: Die Stadtwerke Bochum schließen jeden finanziellen Vergleich mit ihrem langjährigen Promi-Vermittler aus, betonte eine Sprecherin. Die Stadtwerke fordern rund 200.000 Euro an Honoraren und Sponsorengeldern zurück, die Hellen seit 2007 bekommen hat.

Bochum. 890.000 Euro Honorare und Sponsorengelder hat der Energieversorger seit 2007 an den Medienberater bezahlt. Davon soll Hellen nach WAZ-Informationen rund 200.000 Euro zurück überweisen – Vorauszahlungen, für die der 34-Jährige laut Stadtwerke bislang keine Gegenleistung erbracht hat. Es geht um einen noch 2012 geschlossenen Beratervertrag (50.000 Euro) ebenso wie um den skandalumwitterten Atriumtalk (36.000 Euro). Hinzu kommt ein 95.000-Euro-Vorschuss, den Hellen 2009 für ein Konzert mit Paul McCartney erhielt, das nie stattgefunden hat.

Im Dezember kündigten die Stadtwerke sämtliche Verträge mit Hellen fristlos. „Die Anwälte stehen seither regelmäßig in Kontakt“, schildert Heike Paplewski. Medienberichte, nach denen die Stadtwerke bei den Rückzahlungen einen Vergleich anstreben, widerspricht die Geschäftsführung energisch: „Das schließen wir aus.“ Im Gegenteil: Wie es heißt, wird nun über eine Klage nachgedacht. Zuvor hat der Aufsichtsrat das Wort. Am 12. März wird hier über das weitere Vorgehen entschieden.

Sparkasse macht Hellen Druck

Weiteres Ungemach droht Hellen bei der Sparkasse. Auch das Geldinstitut hat dem Medienberater einen Vorschuss für den McCartney-Auftritt gewährt: angeblich 60.000 Euro. Bis Ende Februar soll Hellen „belegen, dass die Veranstaltung wie geplant im Jahre 2013 stattfinden wird“. „Wir können nicht mit Neuigkeiten dienen“, teilte Sparkassensprecherin Sabine Raupach-Strohmann gestern mit. Heißt: Hellen hat sich offenbar noch nicht erklärt. In zwei Wochen müsste er das Geld zurückzahlen.

260.000 Euro verlangen Stadtwerke und Sparkassen somit – und scheiden zudem als Hauptsponsoren aus. Auf Anfrage bekräftigen beide kommunalen Unternehmen, Hellens Steiger Award in diesem Jahr nicht mehr zu unterstützen. Der will den Promi-Auflauf dennoch fortsetzen. Für den 12. Oktober kündigt er die Preisverleihung an, verrät bisher aber nicht, wo. Auf der Internetseite des Steiger Awards 2013 immerhin tauchen Sparkasse und Stadtwerke nicht mehr als Sponsoren auf. Als „Partner“ werden u.a. ein Bochumer Autohaus, ein Dortmunder Hotel und ein „Pralinenclub“ aufgeführt.

Gerüchte, nach denen die Gala-Ankündigung nur „eine Luftblase“ sei, und weitere Fragen an Sascha Hellen blieben gestern unbeantwortet. Bis Redaktionsschluss reagierte der Medienberater nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Der Aufsichtsrat der Stadtwerke befasst sich am 12. März nicht nur mit der Causa Hellen.

Auf der Tagesordnung steht auch das neue Sponsoringkonzept des Energieversorgers.

Ziel: mehr Transparenz und unmittelbare Bürgerbeteiligung.