Stadtwerke Bochum kündigen Zusammenarbeit mit Sascha Hellen

Jürgen Stahl
Die Stadtwerke Bochum kündigen die Zusammenarbeit mit Promi-Vermittler Sascha Hellen und fordern rund 200.000 Euro von ihm zurück.
Die Stadtwerke Bochum kündigen die Zusammenarbeit mit Promi-Vermittler Sascha Hellen und fordern rund 200.000 Euro von ihm zurück.
Foto: Mathias Schumacher
Die Stadtwerke Bochum kündigen alle Verträge mit Promi-Vermittler Sascha Hellen und fordern die Rückzahlung aller ausstehenden Honorare. Das kündigten Geschäftsführer Bernd Wilmert und Aufsichtsratvorsitzende Ottilie Scholz Donnerstagmittag vor der Presse an. Die Rückzahlung beläuft sich auf rund 200.000 Euro.

Bochum. Die Stadtwerke Bochum ziehen einen Schlussstrich unter die Zusammenarbeit mit Sascha Hellen. „Wir haben sämtliche Verträge fristlos gekündigt und Rückforderungen geltend gemacht“, erklärte Geschäftsführer Bernd Wilmert am Donnerstag vor der Presse.

890 000 Euro Honorare und Sponsorengelder haben die Stadtwerke seit 2007 an den Medienberater bezahlt. Davon soll Hellen nach Informationen der WAZ-Mediengruppe rund 200 000 Euro zurückzahlen – Geld, das der 34-Jährige zwar schon kassiert hat, „für das aber noch keine Gegenleistung erbracht wurde“, so Wilmert.

Es geht um einen erst im Sommer geschlossenen Beratervertrag (50 000 Euro) ebenso wie die beendete, längst bundesweit berüchtigte Gesprächsreihe Atriumtalk (36 000 Euro für sechs noch ausstehende Abende). Hinzu kommt u.a. ein 95 000-Euro-Vorschuss, den Hellen für ein Benefiz-Konzert mit Ex-Beatle Paul McCartney kassierte, das bis heute nicht stattgefunden hat.

Aus für die Hellen Medien GmbH

Die Stadtwerke verlangen sämtliche Vorauszahlungen innerhalb von zwei bis drei Wochen zurück. Beobachter gehen davon aus, dass dies das Aus für die Hellen Medien GmbH wäre. Auch der Steiger Award dürfte ohne Stadtwerke (60 000 Euro Zuschuss) der Vergangenheit angehören.

In der Pressekonferenz gestand Bernd Wilmert abermals „Fehler und Unzulänglichkeiten“ in seinem Hause ein, für die er sich „inzwischen mehrfach entschuldigt“ habe. Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz erkennt als Aufsichtsratsvorsitzende eine „kooperative Nachlässigkeit auf beiden Seiden“. Die Stadtwerke hätten Verträge „mit unzureichender Sorgfalt“ geschlossen; die Zahlungsflüsse seien nicht ausreichend geprüft worden. Der Ruf der Stadt und der Stadtwerke habe nachhaltig gelitten.

Nachweise schuldig geblieben

Sascha Hellen sei den Nachweis für die Verwendung von Stadtwerke-Geldern in erheblicher Höhe schuldig geblieben. Jüngster Vorwurf: Er habe für den Atriumtalk 2008 mit Richard von Weizsäcker 41 000 Euro in Rechnung gestellt, aber nur 22 000 Euro an den Alt-Bundespräsidenten überwiesen.

Hellen, so die OB, fehle es an „Einsicht und Konsequenz“; das Vertrauensverhältnis sei „gestört“. Zwar sehen die Stadtwerke von einer Strafanzeige ab. Auch weil sie sich „persönlich enttäuscht fühlt“, legt Scholz aber ihre Schirmherrschaft über die Hellen-Gesprächsreihe „Herausforderung Zukunft“ nieder. Von einer Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzes war am Donnerstag ebenso wenig die Rede wie von einem Rücktritt von Wilmert.

Ende mit Schicki-Micki

Der bekräftigte indes den Willen der Stadtwerke, das Sponsoring auf eine neue Basis zu stellen. Ein neu formiertes „Gremium mit Bürgerbeteiligung“ solle ab 2013 über die Vergabe der Fördergelder „mit erkennbarem Bochum-Bezug“ entscheiden. Klar ist: Statt Schicki-Micki werden sich die Stadtwerke fortan auf bürgerschaftliche, bodenständige Unterstützung beschränken.

„Mit Enttäuschung und Unverständnis“ reagiert Sascha Hellen auf die Stellungnahme von OB Scholz. „Die Behauptung, ich hätte meine Sorgfaltspflichten in der Abwicklung vernachlässigt und bis heute nicht einwandfrei nachweisen können, ist objektiv unrichtig und ich weise sie zurück“, heißt es in einer Erklärung des Medienberaters. Er habe alles Erforderliche zur Aufklärung der Vorgänge rund um den Atriumtalk geleistet. Die Zukunft seiner Veranstaltungen in Bochum lässt Hellen in der Presseerklärung offen.