Stadtwerke Bochum bitten Promi-Vermittler Sascha Hellen zur Kasse

Jürgen Stahl
Sascha Hellen - hier rechts im Bild mit Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und Cherno Jobatey - kassierte seit 2007 fast eine Million Euro von den Stadtwerken Bochum. Nun droht ihm eine gewaltige Rückzahlung.
Sascha Hellen - hier rechts im Bild mit Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz und Cherno Jobatey - kassierte seit 2007 fast eine Million Euro von den Stadtwerken Bochum. Nun droht ihm eine gewaltige Rückzahlung.
Foto: Ingo Otto
Fast eine Million Euro kassierte Sascha Hellen seit 2007 von den Stadtwerken Bochum. Nun bittet der Energieversorger seinen langjährigen Werbepartner zur Kasse. Die Rückzahlungen werden auf 86 000 Euro beziffert. Hinzu kommt möglicherweise ein 95.000-Euro-Vorschuss für ein Paul-McCartney-Konzert, das nie stattgefunden hat.

Bochum. Atriumtalk, Steiger-Award, Herausforderung Zukunft: Als Promi-Vermittler und Veranstalter konnte sich Sascha Hellen (34) der Gunst der Stadtwerke sicher sein. Das weisen die 16-seitigen „Mitteilungen der Verwaltung“ zur Ratssitzung am Donnerstag aus. Auf rund 890.000 Euro summieren sich danach die Auftrags- und Sponsorengelder, die der Medienberater in den letzten fünf Jahren von den Stadtwerken erhalten hat.

Allein für seinen Steiger Award und die Reihe „Herausforderung Zukunft“ (Vertragsdauer bis 2015) vereinnahmt Hellen aktuell jährlich 125.000 Euro. 2007 waren es noch 20.000 Euro.

Stadtwerke wollen einen Teil des Geldes zurück

Durch die Honoraraffäre beim Atriumtalk ins Kreuzfeuer geraten, wollen die Stadtwerke nun einen Teil des Geldes zurückhaben:

Erst im Juni war mit Hellen ein bis 2016 datierter Beratervertrag über die „Entwicklung neuer Veranstaltungsformate“ unterzeichnet worden. Volumen: 50.000 Euro. „Kündigungsrechte und Rückforderungsansprüche werden momentan geprüft“, teilt die Stadt mit.

60.000 Euro bekam Hellen ab 2011 für die Durchführung von zehn Atriumtalks. Nur vier Abende (Gauck, Senta Berger, Steinbrück, Genscher) fanden statt. Das Ende der Reihe ist besiegelt. Die Stadtwerke wollen anteilig 36.000 Euro von Hellen wiederhaben.

Vorauszahlung zurückzahlen

Möglicherweise verlangt der Energieversorger auch die 95.000 Euro Vorauszahlung zurück, die Hellen 2009 für ein Konzert mit Paul McCartney im Ruhr-Congress kassiert hat. Auf den Ex-Beatle wartet Bochum bis heute vergeblich. Hellen soll Belege und Verträge beibringen, die dokumentieren, wofür er das Geld verwendet hat. Am Nikolausabend lief die Frist ab. Bis dahin, so die Stadt, hat Hellen keine Unterlagen vorgelegt.

Gerüchte, nach denen die Stadtwerke Strafanzeige gegen Hellen stellen, wurden nicht bestätigt. Das Unternehmen verwies auf eine für Mittwoch angekündigte Pressekonferenz, die aber kurzfristig abgesagt wurde. Sie wird am Donnerstag nachgeholt.