Stadtfesten droht stille Nacht

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Die Bühne auf dem Dr. Ruer-Platz verleiht dem Weihnachtsmarkt seit der Eröffnung am Donnerstag festliches Flair. Doch in den nächsten Jahren droht „Stille Nacht“: Die Gema bittet zur Kasse.

Bochum. Wie berichtet, ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte aktuell dabei, die Tarife neu zu kalkulieren. 15.000 Euro stellen die Rechteverwerter der Stadt in diesem Jahr für die Bühnendarbietungen auf dem Weihnachtsmarkt in Rechnung.

„Werden 2013 die Gebühren erhöht, liegen wir bei 20.000 Euro“, schätzt BO-Marketing-Chef Mario Schiefelbein. Ganz andere Dimension befürchtet er, wenn die Gema als „Beschallungsfläche“ nicht mehr nur den Dr. Ruer-Platz, sondern den gesamten Markt (28.000 qm) ins Kalkül zöge. 230.000 Euro wären zu berappen: wohl das letzte Geläut für Santa Claus & Co..

Steigerung von 600 Prozent

„Erhebliche Auswirkungen“ erwartet auch die Bochumer Veranstaltungs GmbH (BoVG) für die beiden größten Bochumer Versammlungsstätten: den Ruhr-Congress und die Jahrhunderthalle. Das teilte die Wirtschaftsförderung am Freitag im Ausschuss für Kultur und Sport mit.

„Die Durchführung sämtlicher Bälle, Traditionsveranstaltungen etc. wird durch Kostensteigerungen für einzelne Veranstaltungen von (geschätzten) bis zu 600 Prozent für die Musiknutzung massiv gefährdet“, hieß es im Ausschuss. Die BoVG hat über ihren Branchenverband die Schlichtungsstelle angerufen. Wie die Auswirkungen tatsächlich sein werden, könne erst nach Verfahrensabschluss bestimmt werden.

Beispielhaft werden Steigerungen in folgender Höhe erwartet:

Bürgerwoche Ost: 3168 Euro (bisher 1957 Euro);

Gerther Sommer: 725 Euro (bisher 429,65 Euro);

Volksfest Grummer Teiche : 725 Euro (bisher 429,65 Euro);

Bochumer Musiksommer:
10 455 Euro (bisher 6200 Euro).

Maiabendfest und Nikolausumzüge betroffen

Doch damit nicht genug. Weiterhin drohen Tariferhöhungen durch die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten, die für die Wiedergabe von Tonträgern kassiert. Sie möchte ihren 10-Prozent-Zuschlag auf künftig 100 Prozent der Gema-Tarife erhöhen.

Davon wären das Maiabendfest ebenso betroffen wie z.B. Nikolausumzüge, bei denen Musik abgespielt wird – und natürlich die privaten Musikveranstalter, etwa Diskotheken. Auch hier führt die Bundesvereinigung ein Gerichtsverfahren, das noch nicht abgeschlossen ist.

Auch Klubs und Diskos sehen sich durch die Gema-Erhöhung in ihrer Existenz gefährdet.

Die Piraten zeigen sich solidarisch. Im Rahmen ihres Bundesparteitags im Ruhr-Congress ziehen sie am Samstag eine Protestkundgebung auf. Beginn im Bermuda-Dreieck ist gegen 21 Uhr.

 
 

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