Stadt Witten will Schüler aus Bochum künftig abweisen

Vor knapp einem Jahr demonstrierten Eltern und Schüler in Witten dafür, dass auch Bochumer die Reichwein-Realschule besuchen dürfen.
Vor knapp einem Jahr demonstrierten Eltern und Schüler in Witten dafür, dass auch Bochumer die Reichwein-Realschule besuchen dürfen.
Foto: WAZ/FotoPool
Die Reichwein-Realschule am Sonnenschein soll nur zweizügig werden. „Auswärtige“ Schüler würden dann abgewiesen. Stadt verweist auf freie Schulwahl.

Bochum/Witten.. Ungeachtet des öffentlichen Protests von Eltern und Schülern vor einem Jahr soll die Reichwein-Realschule in Witten ab Schuljahr 2016/17 nur zwei Eingangsklassen anbieten – und wenn diese voll sind, Bochumer Kinder abweisen. Das will die Stadt Witten im Jugendhilfe- und Schulausschuss am Montag beschließen lassen.

„Ich bin BO-Schüler, lasst mich hier rein“ – mit solchen Plakaten forderten Demonstranten Ende 2014, dass vor allem Schüler aus Langendreer weiter an der Realschule auf dem Sonnenschein aufgenommen werden sollen. Eine eigene Realschule hat „LA“ nicht mehr, die nächste „bilinguale“ (an Reichwein werden Erdkunde und Geschichte auch in Englisch unterrichtet) ist 13 Kilometer entfernt.

Die Zahl der Schüler aus den Nachbarstädten Wittens stieg in den letzten zehn Jahren aufs Vier- bis Fünffache. Von den heute mehr als 200 „Einpendlern“ kommen 119 Schüler aus Bochum. Für „gemeindefremde Schüler“ will die Stadt Witten aber angesichts ihrer Kassenlage nicht mehr aufkommen. Nach einer Kämmerer-Schätzung schlägt jeder dieser Schüler im Jahr für den Schulträger mit 1340 Euro zu Buche – rechnet man Räume, Fahrtkosten, Schulbücher und Sachmittel zusammen.

Vorwurf: Stadt Bochum beteiligt sich nicht an den Kosten

Der Reichwein-Protest hatte bei der Politik ein Jahr Aufschub für das Kappen der dritten Eingangsklasse erwirkt. Die Stadt sollte mit den Nachbarn über eine Beteiligung an diesen Kosten verhandeln. Diese habe Bochum aber klar abgelehnt, so die Stadt Witten. Bochum habe auf die eigenen Realschulen (nicht in Langendreer, aber in anderen Stadtteilen) verwiesen und darauf, dass es zur Beteiligung nicht gesetzlich verpflichtet sei.

„Wir müssen die Zweizügigkeit jetzt wohl so hinnehmen“, sagt Reichwein-Schulpflegschaftsvorsitzende Natascha Brandenburg. „Wenn Bochum sagt, wir werden uns nicht beteiligen, sehen wir keine Handhabe mehr. Wir hatten gehofft, dass die bereit sind, die Kosten für ihre Kinder zu übernehmen. Die wollen aber offenbar erst mal ihre eigene Sekundarschule vollkriegen.“

Auch in Bochum gehen viele Schüler aus anderen Städten zur Schule

Für Andrea Busche, Bezirksbürgermeisterin Ost (SPD), ist es nachvollziehbar, dass nicht ausschließlich für Bochumer Kinder ein dritter Zug eingerichtet wird. Sie bricht ganz klar eine Lanze für die Nelson-Mandela-Schule: „Dort leistet man eine hervorragende Arbeit. Das ist inzwischen auch bei den Eltern angekommen, wie die Anmeldezahlen deutlich zeigen. Die Schüler können als höchsten Schulabschluss die Fachoberschulreife mit Qualifikation erreichen und dann ihr Abitur nahtlos an der Willy-Brandt-Gesamtschule machen, da beide Schulen eine Kooperation haben.“

Die Stadt Bochum verweist auf das Recht der freien Schulwahl. Und darauf, dass auch in Bochum Schüler anderer Städte zur Schule gehen; etwa Wittener auf die Grundschule an der Bömmerdelle in Langendreer oder Dortmunder auf die Willy-Brandt-Gesamtschule Werne. „Die Kosten hierfür trägt die Stadt Bochum“, sagt Sprecherin Annika Vößing. Die Möglichkeit einer städteübergreifenden Verrechnung bestünde zwar theoretisch, sei aber „mit einem immensen Verwaltungsaufwand und entsprechenden Kosten verbunden.“

 
 

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