Stadt sperrt Schule in Bochum und bestellt Toxikologen

Michael Weeke
Neues Gymnasium in Bochum an der Stiepeler Straße. Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Neues Gymnasium in Bochum an der Stiepeler Straße. Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Im Fall der möglichen Belastung der alten Erich-Kästner-Gesamtschule mit PCB hat die Stadt die Notbremse gezogen und das Gebäude gesperrt. Schüler hatten über Unwohlsein und Haarausfall geklagt. Ein Hygieneinstitut wurde eingeschaltet.

Bochum. Die Stadt zieht die Notbremse und sperrt mit sofortiger Wirkung die Gebäude der alten Erich-Kästner-Schule. Außerdem hat sie das Hygieneinstitut Gelsenkirchen eingeschaltet.

„Wir möchten nicht, dass da irgendjemand zu Schaden kommt“, sagte Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch gegenüber der WAZ. Gleichzeitig appelliert er an alle Eltern, Schüler und Lehrer, die sich gesundheitlich beeinträchtigt fühlen, sich – auch anonym – ans Schulverwaltungsamt zu wenden. Hierzu können etwa E-Mails direkt an Amt40@bochum.de gesendet werden.

„Wir brauchen jetzt dringend und schnell alle Informationen, um vernünftige Ergebnisse zu bekommen“, so Kratzsch. Er kündigt darüber hinaus an, dass in der nächsten Woche Umweltmediziner und Toxikologen des renommierten Gelsenkirchener Hygieneinstituts unter Leitung von Prof. Dr. Ulrich Ewers sich vor Ort ein präzises Bild über die Situation in der Schule machen werden. Kratzsch, der wegen des Urlaubs von Schuldezernent Michael Townsend derzeit auch für die Schulen verantwortlich zeichnet, wendet sich auch ganz persönlich an die Öffentlichkeit: „Wir bedauern die jetzige Situation sehr und nehmen natürlich die Sorgen der Eltern ernst.“

Nur genaue Untersuchungen bringen Gewissheit

Was nicht bedeute, dass tatsächlich ein Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Problemen und einer möglichen Belastung des Gebäudes durch PCB, Schimmel oder andere Stoffe bestehe. Hier könnten nur genaue Untersuchungen und Messungen Gewissheit bringen.

Am gestrigen Mittwoch war zu beobachten, dass wiederholt Fachleute der städtischen Zentralen Dienste das Schulgebäude aufsuchten. Dazu heißt es in der offiziellen Erklärung der Stadt: „Ergänzend dazu hat die Schulverwaltung die Zentralen Dienste der Stadt bereits jetzt beauftragt, die Lüftungsvoraussetzungen in der Schule zu prüfen und wenn erforderlich eine deutliche Verbesserung der Lüftungsmöglichkeiten im Schulkomplex an der Markstraße zu gewährleisten.“

An weiteren sofortigen Schritten teilt die Stadt mit, dass „durch den Einsatz zusätzlichen Personals während der gesamten Sommerferien dafür gesorgt wird, dass eine tägliche Stoß- bzw. Querlüftung durchgeführt und ein Aufheizen des Gebäudes vermieden wird.“

Hinzu komme, dass eine intensive Grundreinigung aller Räume des Neuen Gymnasiums durchgeführt werde, „um durch die Verminderung von Staub auch diesbezüglich eine mögliche Anreicherung von Schadstoffen zu verhindern“.

„Präventive Maßnahmen“

Diese präventiven Maßnahmen, so die Stadt, werden von PCB-Experten als auch in den Richtlinien des Landes als besonders wichtig und wirksam angesehen und empfohlen. „Sobald der Stadt die Expertisen des eingeschalteten Wissenschaftlers bzw. des Gesundheitsamtes vorliegen, wird der Schulträger unter Beteiligung aller eingeschalteten Fachleute und der Schule unverzüglich über weitere erforderliche und zielführende Maßnahmen entscheiden.“

Unterdessen beschäftigt sich das für den Lehrbetrieb an der Schule zuständige Arnsberger Regierungspräsidium mit dem Fall. Ein Sprecher: „Uns liegt eine Beschwerde aus dem Personalrat vor.“ Darüber hinaus verweist die Behörde auf die Zuständigkeit und Verantwortung der Stadt für die Schulgebäude. „Wir sind an den derzeit laufenden Gesprächen beteiligt und bitten um genaue Berichte.“