Stadt Bochum setzt protestierende Flüchtlinge unter Druck

Seit zehn Tagen weigern sich 50 Flüchtlinge, eine Turnhalle in Bochum zu verlassen, weil sie direkt in Wohnungen bzw. besser geeignete Unterkünfte und nicht in die Hallen an der Kollegstraße wollen. Mit Plakaten wiesen sie auf ihre Situation hin.
Seit zehn Tagen weigern sich 50 Flüchtlinge, eine Turnhalle in Bochum zu verlassen, weil sie direkt in Wohnungen bzw. besser geeignete Unterkünfte und nicht in die Hallen an der Kollegstraße wollen. Mit Plakaten wiesen sie auf ihre Situation hin.
Foto: Gero Helm / Funke Foto Services
Der Ton gegen die 50 Männer in der Turnhalle an der Querenburger Straße wird schärfer. Stadtdirektor: Stimmung in Bevölkerung verschlechtert sich.

Bochum.. Im Streit um die Flüchtlingsunterkunft in der Turnhalle der Hans-Böckler-Schule in Bochum hat die Stadt ihren Druck auf die 50 Bewohner erhöht. Bis Freitagmittag sollen sie, wie von der Stadt gefordert, aus dem Gebäude an der Querenburger ausziehen. Ansonsten werde die Stadt ihre früheren Angebote wieder zurückziehen.

Die Angebote lauteten im Grunde: Die Flüchtlinge werden nur vorläufig in den Leichtbauhallen an der Kollegsraße untergebracht und danach direkt in die neue Wohncontainer-Anlage „Auf der Heide“ in Wiemelhausen gebracht, die im August fertig wird. Dort ist eine Selbstversorgung möglich, wie sie die 50 Flüchtlinge sofort verlangen.

Frist bis 14. Juni gesetzt

Außerdem hat die Stadt den Flüchtlingen bis 14. Juni eine Frist gesetzt: Bis dahin sollen sie ihre Weigerung, zur Kollegstraße zu ziehen, noch einmal erläutern. Die Stadt wies die Flüchtlinge schriftlich darauf hin, dass sie die Turnhalle sonst zwangsweise räumen könnte. Die Stadt hat bereits am 31. Mai die Essenslieferung und die Hallenreinigung eingestellt. Seitdem wird jedem Flüchtling dort jeden Tag nur noch rund 4,70 Euro zur Selbstversorgung ausbezahlt.

In die Kollegstraße wollen die Flüchtlinge deshalb nicht umziehen, weil sie nach bis zu sieben Monaten in den kargen Verhältnissen der Turnhalle endlich in regulären Wohnungen unterkommen wollen oder zumindest in Unterkünften mit eigener Kochgelegenheit, „mehr Privatsphäre und Selbstbestimmung“. In den Hallen an der „Kollegstraße“ sehen sie das alles nicht.

Stadtdirektor Michael Townsend sagte am Donnerstag: „Ich habe den Eindruck, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber Flüchtlingen in der Stadt durch diese Aktion einer kleinen Minderheit insgesamt verschlechtert.“ Er hofft zwar weiterhin auf eine „vernünftige und pragmatische“ Lösung, stellte aber auch klar: „Dieser Zustand wird irgendwann beendet. Wir können das nicht endlos dulden.“

„Im Dialog bleiben“

Die Stadt will die Turnhalle, in der es unter anderem bakterielle Probleme mit den Duschen gibt, sanieren und wieder für Schüler zur Verfügung stellen. Deshalb sollen die Flüchtlinge raus. Bereits Ende Mai waren knapp 200 weitere Bewohner der Turnhalle zur Kollegschule umgezogen – ohne Klagen, wie die Stadt betont. „Wir können uns nicht 3000 Wohnungen nehmen, die es nicht gibt“, sagte eine Stadtsprecherin. Bisher sind erst 2000 der insgesamt 5000 Flüchtlinge in Bochum in Wohnungen untergebracht.

Die Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum kritisiert die Verschärfung des städtischen Tonfalls: Sie appelliert an die Stadt, „im Dialog mit den Flüchtlingen zu bleiben statt ihnen mit Zwangsmaßnahmen zu drohen, die von den Flüchtlingen als Erpressung verstanden werden müssen!“

 
 

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