Sprache kann die Welt verändern

Bei der Abschlussveranstaltung des Denkwerkprojekts präsentierte auch Carmen Dreier (r.) Ergebnisse.
Bei der Abschlussveranstaltung des Denkwerkprojekts präsentierte auch Carmen Dreier (r.) Ergebnisse.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Fünf Arbeitsgruppen gab es bei der dritten Auflage von Sprachwerk 2.0, einem Lernprojekt für Schüler. Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten die Gruppen bei der Abschlusspräsentation an der RUB. Prof. Dr. Lena Heine und Prof Dr. Björn Rothstein hatten mit Lernforscher der RUB Prof. Dr. Joachim Wirth und Prof. Dr. Alexander Bergs von der Universität Osnabrück dazu zwei Gastredner eingeladen.

Bochum. Andreas Brehme war ein guter Fußballer. Er schoss das einzige Tor im WM-Finale 1990. Ein guter Redner war er nicht. Er war der „Ich-sag-mal“-Brehme. Fast jede seiner Ausführungen begann so. Fußballer-Interviews können schwer erträglich sein. Mit ihnen beschäftigen kann man sich dennoch.

Eine der fünf Gruppen der dritten Auflage von Sprachwerk 2.0, einem Lernprojekt für Schüler, kümmerte sich genau darum. Sie beschäftigte sich ein Schulhalbjahr mit Fußball-Interviews. Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierte die Gruppe bei der Abschlusspräsentation an der RUB. Prof. Dr. Lena Heine und Prof Dr. Björn Rothstein hatten mit Lernforscher der RUB Prof. Dr. Joachim Wirth und Prof. Dr. Alexander Bergs von der Universität Osnabrück dazu zwei Gastredner eingeladen.

"Es ist ein echtes Leuchtturmprojekt"

Wirth ging vor allem auf die Besonderheiten dieses Projektes ein. Schüler, Studenten und Wissenschaftler arbeiten zusammen, lernen sich kennen, tauschen sich aus, arbeiten gemeinsam. „Im Logo des Sprachwerks“, sagte Wirth, „ist ein Förderturm zu sehen. Das ist gut und richtig und trifft es. Es wird viel gefördert. So viel, dass es ein Wald von Fördertürmen sein müsste, wenn man bedenkt, was in diesem Projekt alles geleistet wird. Aber auch ein Leuchtturm gehört dazu. Es ist ein echtes Leuchtturmprojekt.“ Eins, das vor allem Schülerinnen anzusprechen scheint. Das wiederum bestätigt jedes Vorurteil von mundfaulen Männern und schnabbeligen Frauen. Mit Sprache können Frauen mehr anfangen als Männer. Vielleicht arbeiten sie auch an den Schulen bereits zielgerichteter.

Unsere Sprache ist wie ein Schweizer Messer

Von der Hildegardis-Schule aus Bochum, einer von drei beteiligten Schulen, hatten sich 15 junge Frauen und nur ein junger Mann am Projekt beteiligt. „Groß Werbung machen mussten wir nicht“, sagte Saskia Ahrens, die bei bislang allen drei Durchgängen dabei war und die zusammen mit Carmen Dreier (für sie war es die erste Teilnahme) das Projekt an der Schule begleitete. „Es ist eine Vorbereitung für die später folgende Facharbeit. Sie sind schon an der Uni gewesen, hatten Kontakt zu Experten, zu Studenten, die vielleicht auch noch nicht so lange aus der Schule raus sind. Da kann man viel mitnehmen.“ Oder wie es Heine sagte: „Man kann an dem Projekt nicht teilnehmen ohne etwas zu lernen.“

Abschließend auch beim Vortrag von Burgs. Er verglich „unsere Sprache“ mit einem Schweizer Messer. „Sie ist so vielfältig, so mächtig, so gefährlich. Mit Sprache kann man heilen oder verletzen. Sprache kann die Welt verändern.“ Das kann ein Tor in einem WM-Finale auch. Das muss man Andreas Brehme zu Gute halten.

 
 

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