SPD will stärkere Empfangskultur in Bochum

Gordon Wüllner
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Kernthema des Parteitages in der Stadthalle Wattenscheid war die Flüchtlingspolitik. Vor allem im Raum stand die Frage: Lebt die Willkommenskultur in Bochum?

Bochum. „Willkommen in Bochum?!“ – hinter diesen Ausspruch zum Thema Flüchtlingspolitik setzte die Bochumer SPD an ihrem Parteitag vom Montag ein Ausrufungs- und Fragezeichen. Zwar gebe es hier eine „besondere Willkommenskultur“ – vor allem lebendig durch das Engagement an dem Auffanglanger Lewacker Straße. „Aber man muss auch die Fragen der Leute ernst nehmen, die Bedenken äußern“, so Thomas Eiskirch, Vorsitzender der Bochumer SPD.

Damit sich die Empfangskultur weiter ausprägt müsse man unter anderem kommunale Ansprechpartner für Ehrenamtliche bereitstellen. „Die Stadt soll das Ehrenamt nicht organisieren, aber Anlaufmöglichkeiten bieten“, so Eiskirch. Dies könne geschehen ohne neues Personal einstellen zu müssen.

Um die Situation für Nachbarschaft und Flüchtlinge selbst nicht zu verschärfen, gelte es zudem angemessen große Unterkünfte zu schaffen, sagte Eiskirch. Maximal jeweils 80 Asylsuchende sollen in künftigen Einrichtung unterkommen.

„Paradigmenwechsel“ in der Flüchtlingspolitik

Thorsten Klute, NRW-Staatssekretär für Integration, sprach am Parteitag von einem „Paradigmenwechsel“ in der Flüchtlingspolitik: „Früher war Asylpolitik etwas rein Ordnungsrechtliches. Heute geht es viel mehr um Integration.“

Um die Integration zu verbessern, müsse man sich intensiver mit jedem einzelnen Flüchtling beschäftigen. „Das ist wichtig, um niemanden zu über- und unterfordern“, sagte auch Thomas Eiskirch. So gerieten Analphabeten nicht mit Gymnasiasten in einer Klasse, Akademiker nicht in Jobs für Geringqualifizierte. „Unter den Flüchtlingen gibt es all diese Menschen.“

Eine Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Menschen sei auch vom eigenen Interesse: „Gerade in einer schrumpfenden Stadt wie Bochum müssen die Potenziale der Menschen erkannt werden“, so Eiskirch. Denn wer lange hier bleibt, soll sich auch beruflich entfalten können – und der Stadt damit etwas zurückgeben.