SPD-MdB Axel Schäfer - Strippenzieher und VfL-Bochum-Fan

Macht für ein WAZ-Foto alles mit: der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer. Beim VfL absolvierte der leidenschaftliche Politiker zuletzt ein einwöchiges Praktikum.„Da reden die Leute über ganz normale Dinge.“
Macht für ein WAZ-Foto alles mit: der SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer. Beim VfL absolvierte der leidenschaftliche Politiker zuletzt ein einwöchiges Praktikum.„Da reden die Leute über ganz normale Dinge.“
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
In der Bundeshauptstadt Berlin ist der SPD-Politiker Axel Schäfer mittlerweile ein einflussreicher Strippenzieher mit gutem Draht zu den Mächtigen. In seiner Heimatstadt Bochum inszeniert sich der Sportfan als omnipräsenter Kümmerer. Zuletzt absolvierte er ein Praktikum beim VfL Bochum.

Bochum. Kleine Nachrichten der letzten Wochen, notiert in der WAZ: Axel Schäfer organisiert eine Bustour zu spektakulären Bochumer Neubauten. Sigmar Gabriel ehrt Rudolf Malzahn vom Ortsverein Hamme für ein halbes Jahrhundert in der SPD. Mit auf dem Foto: Axel Schäfer. Leser schicken der WAZ Vorschläge für eine fünfte Grönemeyer-„Bochum“-Strophe. Einer der Dichter ist der Bundestagsabgeordnete aus Querenburg. Sein Vorschlag beginnt so: „Du wirst nie den Stau leid, bist Autobahn pur. Bei Dir grünt die Beton-Zeit“.

Eine Grubenlampe steht im Büro

Axel Schäfer (62) ist nicht der einzige Bundespolitiker mit Bochumer Wahlkreis. Aber kaum ein anderer ist in der Stadt so präsent wie der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Es gibt in Bochum wie in Berlin Politiker und Journalisten, die finden, Schäfer sei zu sendungsbewusst. Doch er hat was zu sagen – der Sozialdemokrat besitzt in der Hauptstadt Einfluss.

Ein heißer Sommertag in Berlin. Schäfer sitzt in seinem Büro an der Wilhelmstraße, auf dem Bücherregal steht eine Grubenlampe, an der Wand hängt ein Foto von Willy Brandts berühmtem Kniefall. „Ich habe nie Karriereträume gehabt, es hat sich alles so ergeben“, sagt der gebürtige Frankfurter, der nach über 30 Jahren Bochum noch immer mit hessischem Akzent spricht. „Ich mache gerne Politik. Glauben Sie nie einem Politiker, der sich über die viele Arbeit beklagt.“ Schäfer gilt in der Partei als Linker, er beruft sich auf Willy Brandt und hat selbst für ihn gearbeitet. Anfang der 80er-Jahre war das, Schäfer war sein Referent. Damals lernte er auch Wolfgang Clement kennen, der damals Brandts Pressesprecher gewesen sei.

Die beiden Bochumer verbindet wenig. „Irgendwann ist ihm sein Amt zu Kopf gestiegen, er wurde abgehoben. Leider.“ Auch Schäfer machte Karriere. 1994 zog er ins EU-Parlament ein, 2002 in den Bundestag. „In der Politik gilt: Je wichtiger man ist, desto mehr Mitarbeiter hat man“, sagt Schäfer und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. 14 Leute arbeiten für ihn, er hat vier Büros in Bochum, Berlin, als SPD-Landesgruppenchef in Düsseldorf und als Europa-Fachmann in Brüssel.

Eine Woche Praktikant beim VfL

Schäfer ist nicht schüchtern. Er sagt Sätze wie „Ich bin der SPD-Politiker mit der meisten Erfahrung in Europa“. Er kritisierte Gerhard Schröders Agenda 2010, blockierte sie aber auch nicht. Er stellte sich zu Zeiten der ersten Großen Koalition gegen eine Diätenerhöhung, weswegen der damalige SPD-Fraktionschef Peter Struck ihm Populismus vorwarf. So viel Selbstdarstellung gefällt nicht jedem. Die Süddeutsche Zeitung schrieb 2010 über ihn: „Er ist überall Mitglied, wo ein Traditions-Sozialdemokrat Mitglied sein zu müssen glaubt.“

Auch dem VfL gehört er an. Neulich hat er an der Castroper Straße ein Praktikum absolviert. Einmal im Jahr geht er für ein paar Tage in die Wirtschaft, er war schon bei Opel am Band, auf Zeche und im Hospiz.

„Da reden die Leute über ganz normale Dinge des Lebens, nicht über die Ukraine-Krise. Viele Politiker denken, die Politik wäre schon das ganze Leben.“ Damit die Leute von seinem Engagement erfahren, lädt er die Medien ein. „Er ist PR-begabt“, stellt VfL-Pressesprecher Jens Fricke fest. Als der WAZ-Fotograf Schäfer im Stadion bittet, sich fürs Bild auf einen Rasenmäher zu setzen, sagt Schäfer: „Ich mache alles mit.“

Manchmal aber wird auch Schäfer mit Problemen konfrontiert, die größer sind als seine Macht. Dass Opel die Bochumer Werke schließt, wusste Schäfer schon vorab. Verhindern konnte er es nicht. „Die Gestaltungsmöglichkeiten der Politik sind begrenzt. Wir können ja nicht beschließen, welche Autos die Leute kaufen sollen.“

 
 

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