SPD-Basis in Bochum hält trotz Fehltritten zu Kanzlerkandidat Peer Steinbrück

Thomas Schmitt
Die Basis hält zu ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück (SPD) - hier mit Werner Hansch beim Atriumtalk der Stadtwerke Bochum im November 2011.
Die Basis hält zu ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück (SPD) - hier mit Werner Hansch beim Atriumtalk der Stadtwerke Bochum im November 2011.
Foto: Michael Grosler
Die zahlreichen Fehltritte ihres Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück lassen die Parteibasis in Bochum noch nicht von ihrem Hoffnungsträger abrücken. Gleichwohl wünschen sich die Genossen, dass endlich andere Inhalte eine Rolle spielen als Nebeneinkünfte und Kanzlergehälter.

Bochum. Noch scheint die sozialdemokratische Basis ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der im September bekanntlich Angela Merkel (CDU) beerben will, sein Faible für Fettnäpfchen zu verzeihen. Die Betonung aber liegt auf „noch“, das zeigt eine aktuelle Umfrage, die wir stichprobenartig unter den SPD-Ortsvereinen durchgeführt haben.

Üppige Nebeneinkünfte, ein zu niedriges Kanzlergehalt, das Zusammenführen aller Ministerien in Bonn – Ex-NRW-Ministerpräsident Steinbrück bestimmt seit Wochen die Schlagzeilen. In Bochum gar löste er durch die Veröffentlichung seiner Nebeneinkünfte eine Affäre rund um die Stadtwerke Bochum und Promivermittler Sascha Hellen aus. Stichwort: Atriumtalk.

"Rot-grüne Mehrheit in Gefahr"

„So langsam sehe ich die von uns erhoffte rot-grüne Mehrheit in Gefahr“, sagt Winfried Thiel mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst. Der 66-Jährige ist Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Langendreer Dorf. Die Entscheidung, Steinbrück zum Kandidaten zu machen, habe er „klasse“ gefunden, sagt er. „Aber jetzt komme ich ins Zweifeln.“ Zahlreiche Leserbriefe zeigten, dass Steinbrück mit seinen Nebeneinkünften und Aussagen zu Kanzlergehalt und Bundesministerien bei der Bevölkerung nicht gut ankomme. Viele Menschen müssten „knapsen“ und hätten daher kein Verständnis für Steinbrück.

„Das Kanzlergehalt ist kein wichtiges Thema, das jetzt diskutiert werden sollte“, sagt Michael Sievers, kommissarischer Vorsitzender des OV Laer. „Die Einführung eines Mindestlohns oder der von Andrea Nahles in die Diskussion gebrachte Vorschlag, die Arbeitszeit für Eltern zu reduzieren, darüber sollten wir lieber reden.“ Der 25-Jährige springt Steinbrück ansonsten klar zur Seite: „Er ist explizit nach dem Kanzlergehalt gefragt worden und seiner Meinung kann man durchaus sein. Ich wünsche mir jedenfalls lieber einen Politiker, der sagt, was er denkt, als einen, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält.“

Dirk Meyer ( 46, OV Werne Vollmond) sieht das ähnlich. Steinbrück rede gern frei und antworte eben häufig frei von der Leber weg. „Das kommt aus ihm raus.“ Seine Äußerungen zum Kanzlergehalt seien inhaltlich okay, aber „relativ ungeschickt“ für einen Kanzlerkandidaten. „Ich hoffe“, so Meyer, „dass er durchhält. Ich kann mir keinen anderen Kandidaten vorstellen.“

Bochums Parteichef Thomas Eiskirch (42) glaubt nicht, dass der Kandidat intern zu Fall kommt. „Das höre ich nirgends.“ Gleichwohl wünscht er sich, dass das mediale Debakel ein Ende nimmt. „Seine Performance hat noch Luft nach oben. Es wäre nicht verkehrt, wenn sich Peer Steinbrück wieder auf rein inhaltliche Fragen konzentrieren würde. Das gilt aber auch für die Partei insgesamt.“