Sozialwohnungen werden immer knapper

Andreas Rorowski
Steil nach unten zeigt die Kurve. Zwischen 2004 und 2012 hat Bochum weit mehr als die Hälfte seiner Sozialwohnungen verloren. Und der Abwärtstrend hält weiter an.
Steil nach unten zeigt die Kurve. Zwischen 2004 und 2012 hat Bochum weit mehr als die Hälfte seiner Sozialwohnungen verloren. Und der Abwärtstrend hält weiter an.
Foto: wnm
Seit 2004 hat Bochum weit mehr als die Hälfte seiner geförderten Mietwohnungen verloren. Das Missverhältnis zwischen dem Bestand und der Zahl der Anspruchsberechtigten wird immer größer. Sozialpolitiker und Interessenverbände schlagen Alarm.

Bochum. Sozialpolitiker und Interessenverbände schlagen Alarm. Landesweit fehlen öffentlich-geförderte Wohnungen. Auch in Bochum gibt es längst ein Missverhältnis zwischen dem Bestand an Sozialwohnungen und der Zahl wohnberechtigter Haushalte. Es wird sich in den nächsten Jahren von 1:4 auf 1:6 verschlechtern, weil einst mit öffentlichen Mitteln errichtete Wohnungen aus der Bindung herausfallen und nur wenige neue hinzukommen.

Die ernüchternde Bilanz für Bochum: 2012 wurde keine einzige geförderte Mietwohnung errichtet. Und auch in diesem Jahr werden große Teile des dafür vorgesehenen Budgets in Höhe von 3,2 Millionen Euro wohl nicht abgerufen, die Landesmittel verfallen damit zumindest für diesen Zweck. Die Stadtverwaltung kommt daher zu dem Schluss, dass es notwendig sei, „den sozialen Mietwohnungsbau mit zusätzlichen Maßnahmen zu fördern“, wie es in einem Bericht heißt, der in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses zur Sprache kam.

Niedrige Zinsen für Baugeld

Die niedrigen Zinsen für Baugeld und die Mietpreisbindung von 5,10 Euro halten nach Einschätzung der Verwaltung potenzielle Investoren ab. Sie hielten die Rentabilität des sozialen Wohnungsbaus nicht für ausreichend. Die Probleme sind nach Einschätzung der Sozialen Liste aber zum Teil auch hausgemacht. „Die Schaffung von Wohnraum für Bevölkerungsgruppen mit niedrigen Einkommen wurde stark vernachlässigt“, sagt Fraktionssprecher Günter Gleising.

Ähnlich argumentiert der Mieterverein Bochum, dessen Geschäftsführer Aichard Hoffmann sagt, die Politik gehe „völlig vorbei“ am drängenden Problem der größer werdenden Schere zwischen Sozialwohnungsbestand und der Nachfrage nach günstigem Wohnraum. Sie fordern Abhilfe und sehen die Stadt in der Pflicht. Diese argumentiert, die Stadttochter VBW engagiere sich bereits sehr. So investiere sie momentan „erhebliche Mittel im Stadtumbaugebiet Innere Hustadt, in die Modernisierung von Seniorenwohnanlagen sowie in Quartiersentwicklungen in Wattenscheid und der Flüssesiedlung.“

Wie angespannt die Situation ist, machen einige ernüchternde Zahlen deutlich (Grafik). Der Bestand an Sozialwohnungen in Bochum ist zwischen 2004 und 2012 von 25.975 auf 15.161 zurückgegangen und damit um 65,98 Prozent. Bis zum Jahr 2022 wird ein weiterer drastischer Rückgang erwartet (10.938). Dabei gibt es schon jetzt insgesamt etwa 62.000 Haushalte, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Durch zunehmende Zahlen von Transferempfängern, mehr Rentnerhaushalte mit geringen Einkommen und mehr Beschäftigte im Niedriglohnsektor könnte ihre Zahl noch deutlich steigen.