Softwareumstellung beim Bochumer Jobcenter sorgt für Unmut

Reichlich Umstellungsarbeit kommt auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters zu.
Reichlich Umstellungsarbeit kommt auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters zu.
Foto: picture-alliance / Sander
Das Jobcenter Bochum tauscht sein Auszahlungsprogramms aus. Erschwert wird die Umstellung dadurch, dass die Daten per Hand übertragen werden müssen. Das, so der Personalrat, sei mit jetzigem Personalbestand nicht machbar. Schon fürchten Kritiker ein Chaos wie bei der Hartz IV-Einführung Anfang 2005.

Bochum. An seine Einführung Anfang 2005 möchten sich weder Sachbearbeiter noch Leistungsempfänger erinnern. Die Tücken der Auszahlung von Arbeitslosengeld II – Leistungen zum Lebensunterhalt (A2LL), auch Hartz IV genannt, sorgte für Unmut in beiden Lagern. Die mittlerweile „gezähmte“ Auszahlungssoftware A2LL, „ein schreckliches Programm“, wie Holger Böhle vom Jobcenter Bochum sagt, wird bald ausgemustert. Das begrüßen gerade die Mitarbeiter der Leistungsabteilung ausdrücklich, so der stellvertretende Personalratsvorsitzende. Denn: „Schlechter kann es nicht werden.“

Aber mit der Umstellung auf das Nachfolgeprogramm sieht die Arbeitnehmervertretung neue Probleme aufziehen. Für fast 21.000 Bochumer Bedarfsgemeinschaften müssen die Daten von A2LL händisch in das künftige Auszahlungssystem Allegro (ALG II – Leistungs-verfahren Grundsicherung Online) übertragen werden. Und das vor dem Hintergrund einer ohnehin angespannten Situation. Böhle: „Es gibt grundsätzlich zu wenig Personal in den Jobcentern. Der Krankenstand ist hoch und die Leute arbeiten am Anschlag.“ Zusätzliche Arbeit lasse sich nur mit mehr Personal erledigen. Einen Bedarf von 30 zusätzlichen Kräften allein für die Umstellung hat der Personalrat ausgemacht. Damit stößt er beim Jobcenter auf taube Ohren.

13 Mitarbeiter werden zu Trainees geschult

„Mehr Personal wird es nicht geben“, beantwortete Sozialdezernentin Britta Anger im Haupt- und Finanzausschuss eine Anfrage der Linken-Fraktion. Die Umstellung müsste zu schaffen sein, zumal sie nicht zu einem bestimmten Stichtag erfolge, sondern sukzessive. Beginn: 18. August 2014, Ende: 30. Juni 2015. Dafür werden zunächst 13 Mitarbeiter des Hauses zu Trainees geschult, die dann ihrerseits das restliche Personal einweisen.

Auch das kritisieren die Personalräte der Jobcenter. Das Konzept der „Schulung mittels Multiplikatoren“ möge der BA „Zeit und Geld sparen“, habe sich aber schon in der Vergangenheit als unzureichend erwiesen. Und: Die BA habe einst vorgegeben, ein Mitarbeiter müsse 115 Fälle bearbeiten, so Holger Böhle, selbst früher in der Leistungsabteilung tätig. „Tatsächlich sind es im Bochumer Jobcenter zwischen 160 und 230.“ Und statt 20 bis 30 Minuten, wie die Geschäftsführung vorgebe, dürfte die händische Datenübertragung 60 Minuten pro Akte dauern. Zeit, die die ohnehin überbelasteten Mitarbeiter nicht hätten.

Mehrarbeit finanziell abgelten

Nun will Bochums Sozialdezernentin in der nächsten Trägerversammlung des Jobcenters, in der je drei Vertreter der Stadt und der Bundesagentur für Arbeit sitzen, einen Vorschlag zur Güte machen. Die Mehrarbeit könnte finanziell abgegolten werden.

 
 

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