Seil-Performance zieht Bochumer Schüler mit

Schauspieler und Schüler standen gemeinsam auf der Bühne beim Patenprojekt „Jugend hilft Jugend. Sturm und Drang, und sie bewegt sich doch“.
Schauspieler und Schüler standen gemeinsam auf der Bühne beim Patenprojekt „Jugend hilft Jugend. Sturm und Drang, und sie bewegt sich doch“.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Das Theater Total arbeitet mit 25 Kindern der Willy-Brandt-Gesamtschule zusammen. Sie zeigen vor allem große Disziplin und machen begeistert mit.

Bochum.. Streng genommen ist das am Wochenende präsentierte „Sturm und Strang – Und sie bewegt sich doch“ eine Variation der diesjährigen Tanztheater-Performance von Theater Total. Und doch ist es viel mehr. Denn in das Grundgerüst wurden neben den 30 Darstellern der Talentschmiede 25 Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule einbezogen. Sie konnten so hautnah das Theaterleben kennenlernen.

Das von den Stadtwerken als Zukunftsprojekt geförderte Projekt funktioniert nach einem simplen Prinzip: Den Theater-Total-Jugendlichen wurde jeweils ein Schulkind als „Pate“ anvertraut. In einer Eins-zu-eins-Betreuung konnten die Zehn- bis Elf-Jährigen nach und nach die Bewegungsabläufe der hochkomplexen Performance erlernen. Auch bei den Aufführungen ließ sich für den Zuschauer oft erkennen, wer wessen Pate war. Meistens traten Pate und Patenkind zusammen auf und agierten gemeinsam. Mit Schürze und Kappe bekleidet, doppelten und ergänzten die Schülerinnen und Schüler die Choreographie.

Berührungsängste sind oft noch groß

Drei separate Tage und zwei intensive Probenwochen hatten die Sprösslinge Zeit, von den Großen zu lernen - mit Erfolg. In das Spiel mit den Seilen, die in immer neuen Bildern den Weg des Lebens symbolisieren, integrierten sich die Schüler wunderbar. Und das, obwohl die Performance äußerst starke Bewegungen und genaues Timing erforderte. „Dafür brauchte es richtig viel Disziplin“, erklärte Lehrerin Petra Winkler. Pausen gab es im Probenprozess nur wenige, der Anspruch war groß. „Man könnte meinen, dass es vielen hier zu viel wird. Aber bei den Pausen stehen die schon vor der Türe und wollen weitermachen“, berichtet Barbara Wollrath-Kramer, Leiterin von Theater Total.

Ein Grund dafür ist wohl die Idee mit den Patenschaften. „Mein Pate war voll nett. Wenn ich mal was falsch gemacht habe, ist er nie sauer geworden“, erzählt Burak (11) begeistert. Der Zugang zu der teils recht abstrakten Performance wurde den Kindern mit Geschichten übermittelt, die hinter den Bildern stecken. „Das geht in dem Alter noch wunderbar, ein paar Jahre später wäre das schwieriger geworden“, weiß Petra Winkler.

Dass das Theater der ideale Lernort ist, davon ist sie überzeugt. Denn gerade in der neu zusammengewürfelten fünften Klasse seien die Berührungsängste oft noch groß. Doch mit einer solchen Performance werde die Hemmschwelle schnell abgebaut. Begeistert vom Projekt waren aber nicht nur die Kinder, sondern auch das Publikum. Bei drei Aufführungen konnten die Nachwuchskünstler ihr Begabung in allen Zügen zeigen. „Der Applaus war enorm und die Begeisterung der Eltern sehr groß“, so TT-Leiterin Wollrath-Kramer. „Ich bin unglaublich zufrieden mit dem Projekt. Wenn die Kinder dir in die Augen schauen und du siehst, dass sie wissen: ,Das habe ich geschafft’, dann ist das alles wert.“

 

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