Schwertkämpfer überwand fatalen Trainingsunfall in Bochum

Tobias Dahlmann am Unfallort, ein Lokal in Bochum-Hamme. Sein rechtes Auge ist noch geschädigt.
Tobias Dahlmann am Unfallort, ein Lokal in Bochum-Hamme. Sein rechtes Auge ist noch geschädigt.
Foto: WAZ
Nach einem furchtbaren Unfall beim Training des mittelalterlichen Schwertkampfs hat sich der Bochumer Tobias Dahlmann zu großen Teilen wieder erholt. Die Schwertspitze seinen Gegners hatte sich durch den Sehschlitz seines Rittelhelmes ins Auge gebohrt. Trotzdem will er jetzt weiterkämpfen.

Bochum. Es war wohl einer der schrecklichen Unfälle seit langem in Bochum. Am 20. März hatte sich die Klinge eines Schwertkämpfers (23) bei einem mittelalterlichen Trainingskampf ins Auge seines 37-jährigen Gegners gebohrt. Tobias Dahlmann trug zwar einen Ritterhelm (Foto) aus Stahl, aber die Klinge stieß versehentlich durch den Sehschlitz und zertrümmerte die ganze Augenhöhle. Die WAZ traf den Bochumer jetzt am Unglücksort, ein Raum der Gaststätte „Zu den 4 Winden“ in Bochum-Hamme.

„Ich werde vorsichtiger kämpfen“

Dort hatte Dahlmann mit anderen Schwertkämpfern regelmäßig trainiert. Und dort will der Mittelalter-Anhänger bald erneut zur Trainingswaffe greifen, denn den anfangs schlimmsten Befürchtungen zum Trotz hat er die schaurigen Verletzungen zu großen Teilen, wenn auch nicht ganz, überstanden. „Ich werde ein bisschen vorsichtiger kämpfen. Man muss nicht gleich in die Vollen gehen.“

Dahlmann trainiert seit zehn Jahren den Schwertkampf. Diesmal wagte er eine besondere, für ihn neue Form, das „historische Fechten“: „Die Fechtbücher dazu stammen aus dem 14. bis 16. Jahrhundert. Dieser Kampf ist darauf ausgerichtet, den Gegner möglichst schnell ins Jenseits zu befördern deshalb kann das nicht 1:1 nachgestellt werden. Die Gruppen, die das machen, nehmen statt Metall- dann Hartgummi-Waffen und Fechtausrüstung wie beim olympischen Fechten.“ Eine Fechtmaske trug er an diesem Abend nicht, nur Metallpanzer an Ellbogen und Knien, eine Schutzjacke und einen Ritterhelm. Er dachte, das reicht.

Unklar, ob Auge geschädigt bleibt

Danach begann ein Schlagen und Stechen mit stumpfen Hartgummi-Schwertern. Weil sie leichter sind als Metall, wurde der Kampf immer schneller - und immer unkontrollierter. Dann passierte es.

„Ich weiß noch, wie es angefangen hat, aber nicht mehr, wie es aufgehört hat.“ An den furchtbaren Stoß kann sich Dahlmann nicht erinnern. Heute weiß er, dass zwei Ärzte dabei waren, die ihn noch vor dem Notarzt erstversorgten. Viele Wochen lag der 37-Jährige im Krankenhaus im künstlichen Koma. Als er aufwachte, hatte er bizarre Wachträume, wie er erzählt. Es folgte eine Reha. Erst nach Monaten konnte er nach Hause. Dort lebt er jetzt wieder eigenständig. Allerdings funktioniert sein rechtes Auge „noch nicht so richtig“; es ist unklar, ob das so bleibt. Und die Körpermuskeln müssen auch noch viel kräftiger werden.

Seinem damaligen Gegner macht er übrigens keine Vorwürfe. Es war ein Unfall.

Schon seit langem ist Dahlmann vom Mittelalter fasziniert. „Das kommt, wenn man einem Kind Lego-Ritter schenkt.“ Ihn interessieren zum Beispiel „der Idealtypus des Ritters“ und das Schachspielen, das ebenfalls zu den mittelalterlichen Idealen zähle. Er hat einen einen Uni-Abschlussin Skandinavistik (er spricht unter anderem fließend Schwedisch) und strebt den Doktortitel an. Bei „BosKop“, das Kulturbüro des Bochumer Akafö, gibt er bald einen Kurs in Wappenlehre und Schwertkampf.

 
 

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