Schülerfirma ist Blei auf der Spur

Soviel Schutz muss sein. Auch wenn das Ganze gar nicht gefährlich scheint. Bei der Arbeit im Labor gibt es Vorschriften. Daher trägt Hava Cam (20) einen Schutzkittel und eine Schutzbrille. Vorsichtig nimmt sie ein kleines Behältnis auf, füllt es mit Wasser, setzt es in einen Spektrometer. Sie schaltet das Gerät ein, wartet auf das Ergebnis. „Das ist schon spannend“, sagt die 20-Jährige, „wenn man dann die Werte sieht.“ Auch diesmal fällt die Probe negativ aus. Was gut ist. Schließlich überprüft sie das Wasser danach, ob oder wie viel Blei enthalten ist.

„Bochum bleifrei“ ist ein von den Stadtwerken unterstütztes Projekt, das die Möglichkeit bietet, kostenfrei durch die Schülerfirma RuhrChemAlytic (RCA) der Technischen Beruflichen Schule 1 (TBS1) Leitungswasser auf das giftige Schwermetall testen zu lassen. „Neun von zehn Proben waren nicht zu beanstanden“, sagt Dr. Ingo Tausendfreund, der Leiter der Ausbildung der Chemisch-technische Assistenten. „Die allermeisten waren bleifrei.“ Die eine aber gab den eindeutigen Hinweis auf Bleirohre, die seit 1973 nicht verbaut werden dürfen, oder zumindest Verbindungsstücke aus Blei. „Die gibt es halt immer noch“, sagt Tausendfreund. „Auch sie können sich im Wasser bemerkbar machen.“

Auf die Idee, das Wasser der Bochumer auf Blei zu untersuchen, kam er, als er das Kaffeewasser im alten Lehrerzimmer der Schule untersuchte. „Da war der Grenzwert überschritten. Und Blei ist ein Nervengift. Ein zu hoher Bleigehalt im Blut kann zu Verhaltensstörungen, Hyperaktivität und Beeinträchtigungen der Intelligenz, der Aufmerksamkeit, der Feinmotorik führen. Vor allem für Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere geht von diesem Schwermetall eine Gefahr aus.“

Wer also wissen möchte, ob in seinem Haus noch unbemerkt Bleiquellen das Leitungswasser belasten, kann der Schülerfirma Wasserproben zukommen lassen. „Diese werden dann in unserem Ausbildungslabor getestet“, sagt Laura Neuwirth, Vorstandsvorsitzende der Schülerfirma. Da die Schülerfirma die letzte Online-Abstimmung der Sponsoring-Aktion ‚Wofür schlägt dein Herz?’ der Stadtwerke Bochum gewonnen hat, ist die Messung kostenlos.

Die TBS 1 bildet seit vielen Jahrzehnten Chemisch-technische Assistenten aus. Diese arbeiten nach ihrer Ausbildung in chemischen Laboratorien oder beginnen ein Studium. Die Zugangsvoraussetzung für die CTA-Ausbildung ist der mittlere Schulabschluss (Fachoberschulreife, Realschulabschluss) und dauert drei Jahre.

Teil der Ausbildung ist die Teilnahme am Schülerlabor. Dort geht es nicht nur um Blei. Tausendfreund: „Die Schüler überwachen auch eine Brunnenanlage, das Wasser des Tierheims in Bochum oder prüfen durch Kaugummis, ob die Zähne Quecksilber abgeben.“ Das wäre gefährlich.

 

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