Schroffes Schreiben an den Opel-Chef

Rolf Hartmann
Rainer Einenkel, Betriebsratsvorsitzender der Bochumer Opelwerke.
Rainer Einenkel, Betriebsratsvorsitzender der Bochumer Opelwerke.
Foto: WAZ FotoPool
In einem offenen Brief haben die Europa-Betriebsräte ihrem Opel-Chef Stracke mitgeteilt, dass sie zukünftig keine Verhandlungen auf lokaler Ebene mehr führen wollen. Sie wollen damit verhindern, dass die Werke gegeneinander ausgespielt werden, erklärte der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel dazu.

Bochum. Wenn alle Pläne bei Opel umgesetzt würden, müsste das Bochumer Opelwerk ab 2015 die hiesige Zafira-Produktion an das Stammwerk Rüsselsheim abgeben. Das sei den Kollegen in Hessen quasi schon auf die Hand zugesichert worden.

So gehe es zur Zeit bei dem defizitären Autobauer intern zu, nennt Rainer Einenkel, Betriebsratsvorsitzender von Opel Bochum, ein besonders drastisches Beispiel, wie die Werke untereinander ausgespielt werden sollen, um Kosten zu senken. Die Fertigung des Siebensitzers Zafira, bisher exklusiv in Bochum, sei den Kollegen in Rüsselsheim nämlich für den Fall in Aussicht gestellt worden, falls sie der Firma bei Kosteneinsparungen deutlich entgegen kommen.

Unseriös und skrupellos

„Die waren Anfang Januar auch bei mir“, schildert Einenkel. Und im polnischen Gliwice-Werk (Gleiwitz) hätte Opel damit geworben, einen Teil der Astra-Produktion, die bisher in England hergestellt wird, zu übernehmen.

Von derlei Einzelverhandlungen zu Lasten der Schwesterwerke habe man gründlich die Nase voll, macht Einenkel deutlich: „Das ist absolut unseriös und skrupellos.“ Deshalb der schroffe Montagsbrief der europäischen Opel-/Vauxhall-Betriebsräte an Stracke.

Aufsichtsratsitzung am Mittwoch

Das schroffe Schreiben enthielt zwar nur den einen Satz, dafür aber gleich siebensprachig, darunter die Namen aller Betriebsratsvorsitzenden der Werke in Deutschland, England, Polen, Spanien, Ungarn, Österreich, Italien und Holland. Auch Rainer Einenkels Name steht darunter, zusammen mit dem Namen von Dr. Wolfgang Schäfer-Klug, den neuen Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden.

Was Einenkel nicht hinderte, noch am selben Tag mit Stracke und dem restlichen Opel-Vorstand zusammen zu treffen. Doch sei dies in seiner Eigenschaft als Aufsichtsrat gewesen, wegen der Aufsichtsratssitzung am Mittwoch. „Da haben wir uns über verschieden Positionen ausgetauscht.“ doch von einer möglichen Schließung des Bochumer Werks ab 2015 habe Stracke kein einziges Wort fallen lassen, auch nicht darüber, was er der Bundesregierung in Berlin dazu wissen ließ.

Ausweitung flexibler Arbeitszeiten

„Während die Fertigung in Bochum spätestens 2015 geschlossen werden soll, wird im polnischen Gliwice die Produktionskapazität um 25 Prozent erhöht“, schreibt der „Spiegel“ in dieser Woche. Er beruft sich dabei auf ein GM-Strategiepapier, „Global Assembly Footprint“ genannt. Ob der Opel-Aufsichtsrat das Papier Mittwoch zu Gesicht bekomme, sei offen. Einenkel: „Falls es überhaupt existiert.“

Was Opel will, um endlich wieder in die Gewinnzone zu kommen, weiß man in den Werken auch so: Etwa bis zu rund tausend Leiharbeiter im Werk Bochum, Abstriche beim Einkommen samt Weihnachtsgratifikation, Auslagerung weiterer Bereiche, Ausweitung flexibler Arbeitszeiten (6-Tage-Woche), keine Zuschläge für Wochenendarbeit.