Schauspieler in der Revolte

Szenenfoto aus „Kinder der Revolution“
Szenenfoto aus „Kinder der Revolution“
Foto: Küster

Bochum.  In den Kammerspielen wurde Nuran David Calis’ Regiearbeit „Kinder der Revolution“ mit Folkwang-Schauspielschülern nach knapp zwei Stunden vom Publikum im Stehen gefeiert.

„Grândola, Vila Morena“, das berühmte portugiesische Kampflied wurde zum Ohrwurm dieses Theater-Abends. Keiner der Darsteller - allesamt Folkwang-Theater-Studierende - war auf der Welt, als es 1974 des Nachts aus dem Radio erklang und zum Weckruf der Revolution wurde, die in nur 18 Stunden das faschistische Salazar-Regime wegspülte. .

Die neun Schauspieler hatten sich über Monate um direkten Kontakt zu Aktivisten der gegenwärtigen Protestbewegungen rund um den Erdball bemüht. Die Ergebnisse dieser sehr persönlichen und individuellen Recherchen brachten sie am Freitagabend auf die Kammerspiel-Bühne.

Die 22- bis 28-jährigen Eleven versuchten dem Publikum die Lebenswelten ihrer „Quellen“ nahe zu bringen, mal als Anverwandlung, mal erzählend und referierend. Ergänzt wurden die miteinander verschnittenen Berichte mittels szenischer Untermalungen durch die gesamte Gruppe und auch durch bei der Premiere teilweise zickender Videotechnik.

Viel wurde im Foyer darüber diskutiert, ob diese eigenwillige Form des dokumentarischen Theaters geeignet sei, die Fähigkeiten der in der Endphase ihrer Ausbildung befindlichen Schauspielschüler zu präsentieren. Fakt ist, das jeder Student Raum zur Entfaltung bekam und individuelle Talente vorführen konnte. Unabhängig vom durchaus durchwachsenen Rechercheerfolg bei den jeweiligen Kontakt aus Tunesien, Spanien, dem Iran, den USA, Libyen, England, Russland, dem Gazastreifen und sogar der Internetwelt von Anonymous.

Am Ende stand ein chorisch gesprochenes Manifest, eine flammende Absage an Religionen, Ideologien und Institutionen. Das riss das von Freunden und Verwandten durchsetzte Publikum aus den Sitzen. Ovationen für eine diskussionswürdige Inszenierung.

 
 

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