Bochum

„Schämen? Wofür?“ - so reagiert eine Bochumer Flüchtlingshilfe auf Hetze nach der Festnahme des mutmaßlichen Vergewaltigers

Die Flüchtlingsunterkunft an der Wohlfahrtstraße. „Sollen wir die Leute wartend rumhängenlassen?“
Die Flüchtlingsunterkunft an der Wohlfahrtstraße. „Sollen wir die Leute wartend rumhängenlassen?“
Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services
  • Facebook-Nutzer wetterte im Netz gegen die Bochumer Flüchtlingshilfe Wohlfahrtstraße
  • Anlass: die Festnahme des mutmaßlichen Vergewaltigers aus dem Irak
  • Die Flüchtlingshilfe hatte eine passende Antwort parat

Bochum.  Dass in sozialen Netzwerken oft alle Regeln des freundlichen, mindestens aber höflichen Miteinanders außer Kraft gesetzt sind, ist nicht neu.

Das heißt aber noch lange nicht, dass, wer dort beleidigt wird, das auch einfach hinnehmen muss.

Hetze nach Festnahme des mutmaßlichen Vergewaltigers

Die Flüchtlingshilfe Netzwerk Wohlfahrtstraße aus Bochum hat jetzt auf einen Post reagiert, in dem ein Facebook-Nutzer gegen sie wetterte.

Anlass: die Festnahme des Irakers, der mutmaßlich an der Uni Bochum zwei Studentinnen vergewaltigt hat.

Marcus W. schrieb an die Flüchtlingshilfe: „Und wieder einer eurer Kunden. Schämt euch!“

Schämt euch? Wie bitte?!

Das wollten die Leute von der Wohlfahrtstraße nicht hinnehmen:

„Schämen? Wofür? Dass wir versuchen, Menschen, die bei uns Schutz suchend angekommen sind, möglichst schnell in unsere Gesellschaft einzubinden, damit sie ein weitgehend normales Leben führen können?“, antworte sie in einem öffentlichen Post auf ihrer Facebook-Seite.

„Gute Gemeinschaft ist die beste Kriminalitätsprävention"

Und sie wenden sich auch direkt an Marcus W.: „Gute Gemeinschaft und damit verbundene Kontrolle ist die beste Kriminalitätsprävention. Ist aber mit ein bisschen Aufwand verbunden – Welchen Beitrag haben Sie (...) bisher dazu geleistet?“

Ob sie die Flüchtlinge bis zur Abschiebung einsperren sollten, fragen die Flüchtlingshelfer. Oder gar nicht erst ins Land lassen? „Gehören Sie zu jenen, die sich mit einem Gewehr an unsere Landesgrenzen stellen? Und drücken Sie ab, wenn ein Flüchtling - vielleicht noch ein Kind - einen Schritt zu weit nach vorn geht?“

Der Post endet mit einem klaren Statement:

„Mein und unser Mitgefühl – sicherlich auch das der allermeisten Flüchtlinge – gilt den beiden jungen Frauen, verbunden mit der Hoffnung, dass sie trotz der schrecklichen Erinnerungen bald wieder ein normales und glückliches Leben führen können. Der festgenommene Täter gehört bestraft, wie unsere Gesetze das vorsehen.“

Mehr:

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Vergewaltigers: Wie ist die Situation in seiner ehemaligen Unterkunft?

So erdrückend sind die Beweise gegen den mutmaßlichen Vergewaltiger von der Uni Bochum

 
 

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