Sanierungskritiker erhalten Einblick

Mit Schutzkleidung sind die Beschäftigten von Entsorgungsunternehmen auf dem Werksgelände unterwegs.
Mit Schutzkleidung sind die Beschäftigten von Entsorgungsunternehmen auf dem Werksgelände unterwegs.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive bietet der Umweltgewerkschaft an, den bereits offengelegten Sanierungsplan noch einmal einzusehen.

Bochum.. Das Opel-Werk I fällt. Derzeit noch langsam, weil zuerst die Schadstoffe aus den Gebäuden beseitigt werden müssen, bevor die großen Bagger anrollen. Aber bis Ende des Jahres wird ein großer Teil der Hallen, insgesamt 3,7 Millionen Kubikmeter umbauter Raum, dem Erdboden gleich gemacht sein. Eine Aufgabe, die Josef Becker von der Wessling GmbH, einem der beiden Unternehmen, die die Sanierung steuern, inhaltlich als „Standard für ein Sanierungsunternehmen“ bezeichnet. Außergewöhnlich sei nur die Dimension.

Zumindest in diesem Punkt, dem gigantischen Ausmaß der Aufgabe, sind sich Sanierer und Sanierungskritiker einig. „Aber sonst wir sind misstrauisch“, sagt Anatol Braungart von der Umweltgewerkschaft Bochum-Hattingen-Witten. Zu viele Fragen, die sie an die Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive 2022 als Eigentümer der Opel-Fläche, heute Mark 51-7 genannt, seien bislang unbeantwortet geblieben.

Tatsächlich waren bei einer Info-Veranstaltung im früheren Werk nur die Anwohner des ersten Bauabschnitts geladen – andere Interessenten nicht. Und der Sanierungsplan, der Auskunft über Schadstoffe und den Umgang mit ihnen geben könnte, ist nach der Offenlegung unter Verschluss. Von dieser Offenlage indes haben nur die wenigsten gewusst.

Umweltgewerkschaft eingeladen

„Wir wollen vor allem das Schadstoffkataster einsehen“, sagt Anatol Braungart. Er und seine Mitstreiter fordern Informationen – vor allem eben jene Übersicht, die genau benennt, welche Altlasten und Schadstoffe auf dem Gelände des früheren Autowerks und Bergbauareals zu finden sind und wie mit ihnen umgegangen werden soll. Sie argumentieren: Der Abriss müsse in „eingehausten Bereichen unter Unterdruck“ geschehen, „um eine Belastung der Wohngebiet möglichst gering zu halten“.

Vorgesehen ist eine solche Sanierung indes nicht. Muss es auch nicht, so die Untere Bodenschutzbehörde, die mittlerweile für die Umweltaufsicht zuständig ist und damit auf die Bezirksregierung folgt. Ein Jahr nach dem Ende der Betriebsgenehmigung für das Opel-Werk war deren Aufsichtsfunktion erloschen.

„Es gibt ein Sanierungskonzept, das nach Vorgaben des Bundesbodenschutzgesetzes erstellt wurde“, sagt Heinrich Westermann von der Unteren Bodenschutzbehörde. Und das gelte. Dazu gehöre etwa, das in Absprache mit dem Amt für Arbeitsschutz einen kleiner Teil des Betonbodens der Hallen, der mit Asbest belastet ist, abgefräst und zugleich von einem Gebläse aufgefangen werde, so dass es nicht in die Umwelt gelange könne. Westermann: „Das ist ein zugelassenes Verfahren.“

Wie überhaupt nichts Geheimnisvolles im früheren Opel-Werk geschehe, so Sven Frohwein, Sprecher der Entwicklungsgesellschaft Bochum Perspektive, der das Gelände gehört. Er lädt die Umweltgewerkschaft ein, sich den Sanierungsplan bei der Bochum Perspektive an der Viktoriastraße anzuschauen. „Da stehen keine Geheimnisse drin.“

 
 

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