Rund 60 Kastanien fallen der Motorsäge zum Opfer

Wie hier an der Wielandstraße müssen an vielen Stellen in der Stadt Kastanien gefällt werden.
Wie hier an der Wielandstraße müssen an vielen Stellen in der Stadt Kastanien gefällt werden.
Foto: WAZ FotoPool
Wegen einer gefährlichen Rindenkrankheit und Pilzbefall fällt die Stadt derzeit rund 60 rotblühende Kastanienbäume. Aus Sicherheitsgründen müsse dies wegen einer Gefährdung des Verkehrs sofort geschehen. Anwohner etwa im Stadtparkviertel protestierten.

Bochum.. Da Bäume keine eigene Stimme haben, gaben Anwohner der Wieland- und der Freiligrathstraße ihnen eine: „Wir wollen im Stadtparkviertel leben. Tötet uns nicht!“, steht auf Zetteln, die Unbekannte an die bedrohten Kastanien hefteten. 20 Bäume sind in den letzten Tagen allein im Stadtparkviertel gefällt worden. Insgesamt müssen rund 60 Kastanien weichen. Nach Informationen der WAZ sind die Fällarbeiten an der Freiligrathstraße nach Protesten gestoppt worden. Dem widerspricht die Stadt.

Das Fällen der Bäume entspreche der Baumschutzsatzung. Es handele sich ausschließlich um eine „Gefahrenbaumfällung“. Der Hintergrund der Fällarbeiten sei, dass die Pseudomonas-Rindenkrankheit etliche Bäume befallen habe, was die Anfälligkeit für bestimmte Pilzerkrankungen erhöhe. In Bochum wurde dieses neue Schadensbild erstmals 2012 beobachtet.

Proteste und Ersatzbäume

Damals waren 30 rot blühende Kastanien befallen. Im Januar 2013 wurden alle 520 Bäume dieser Art in der Stadt überprüft. Bei 125 wurde der Befall mit Pilzen wie dem Austernseitling und dem Samtfußrübling festgestellt. „Eine Überprüfung im April 2014 nach dem Frühjahrsaustrieb ergab, dass die Fällung etwa der Hälfte der Kastanien aus Sicherheitsgründen zeitnah durchgeführt werden musste oder noch durchgeführt werden muss.“

Die Forstwirtin Kirstin Nieland ist Baumsachverständige und Mitglied des Landschaftsbeirates. Sie weiß um die Gefährdung der Kastanien, gibt aber zu bedenken: „Es ist möglich, je nach Stärke des Befalls, auch solche Bäume zu retten. Dies macht jedoch eine häufigere Kontrolle notwendig.“ Es sei eben eine Kostenfrage. Häufig würden ganze Reihen von Bäumen gefällt (wie aktuell in der Freiligrathstraße, d. Red.), um etwa Windeinbrüche zu verhindern.

Winterhalbjahr 2014/15 sollen Ersatzbäume gepflanzt werden

Die Stadt kündigte jetzt an, dass die aktuellen Fällarbeiten noch in diesem Monat beendet würden. Im Winterhalbjahr 2014/15 sollen Ersatzbäume gepflanzt werden.

CDU-Ratsmitglied Roland Mitschke kam zufällig beim Spaziergang mit Hund „Bono“ am Ort des Geschehens vorbei. Er wetterte: „Dies ist ein Beispiel für eine wenig transparente Informationspolitik der Stadt.“ Auch die Bochumer Linken nahmen den Ball auf und erinnerten daran, dass die Fällzeiten zwischen 1. Oktober und 30. März liegen: „Außerhalb dieses Zeitraumes sind Baumfällungen und radikale Gehölzschnitte schlicht und ergreifend verboten“, so Horst Hohmeier.

 
 

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