Rumänische Zuwanderer - in Riemke wächst der Frust

Jürgen Stahl
Anwohner der Zillertalstraße klagen über unerträgliche Zustände in einem baufälligen Haus an der Brünselstraße.
Anwohner der Zillertalstraße klagen über unerträgliche Zustände in einem baufälligen Haus an der Brünselstraße.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
In Riemke hausen seit Jahresbeginn rumänische Großfamilien in einer Schrott-Immobilie. Die Anwohner verlieren zunehmend die Geduld. Dass die Stadt ihre Kritik nicht ernst nimmt, erzürnt die Nachbarn an der Zillertalstraße.

Bochum. „Eine Unverschämtheit!“ Anwohner der Zillertalstraße sind wütend auf die Stadtverwaltung. Die hatte die Situation an und in einem von Rumänen bewohnten Haus an der Einmündung Brünselstraße auf WAZ-Anfrage als „nicht dramatisch“ dargestellt. Das sehen die Anlieger in Riemke ganz anders.

Vermüllung, Verkotung, Belästigung, Ruhestörung: Seit Jahresbeginn sei „das Wohnen zum Albtraum geworden“, klagen Nachbarn des heruntergekommenen Eckhauses. Rumänische Großfamilien mit bis zu 30 Personen („am Wochenende auch deutlich mehr“) sorgten für „unerträgliche Zustände“. „Wir haben auf gut Deutsch die Schnauze voll!“, heißt es in einem mit 117 Unterschriften versehenen Schreiben an OB Ottilie Scholz.

Fotos sollen Missstände belegen

Die drastischen Schilderungen der Nachbarn wollte die Verwaltung bisher nicht bestätigen. Der Ordnungsdienst habe bei seinen Kontrollen lediglich Sperrmüll zu bemängeln gehabt. Betteleien und Drohungen seien nicht festgestellt worden, ebenso wenig wie der Missbrauch der Vorgärten als Klo.

„Glauben die im Rathaus, wir denken uns das aus?“, fragt eine der Anwohnerinnen, die aus Angst ihre Namen nicht in der Zeitung lesen wollen. Die gesamte Siedlung habe sich über die Stellungnahme der Stadt „fürchterlich aufgeregt“. Nicht nur, dass die Oberbürgermeisterin bislang nicht auf ihren Brandbrief reagiert habe. „Jetzt werden wir auch noch als Lügner hingestellt!“, grollen die Riemker, die die Hinterlassenschaften in ihren Gärten fortan zur Beweissicherung fotografieren wollen: „So ekelig das auch sein mag.“

Keine dauerhafte Besserung erwartet

Protest regt sich derweil auch in der 2012 eröffneten städtischen Kindertagesstätte Brünselstraße, die nur gut 100 Meter von der Ruine entfernt liegt. Eltern und Großeltern berichten der WAZ von bettelnden Kindern, beschädigten Autos und Sorgen ob des erbärmlichen Umfeldes. „Wir bringen unser Urenkelkind häufig in die Kita und können die Kritik der Anwohner nachvollziehen“, schreibt ein Ehepaar, das gleichfalls bittet, seinen Namen nicht zu veröffentlichen.

„Seit dem WAZ-Bericht ist es etwas ruhiger geworden. Das Ordnungsamt ist häufiger vor Ort. Am vergangenen Wochenende war es in dem Haus nicht ganz so voll und laut wie sonst“, schilderte am Mittwoch eine Anwohnerin. Gleichwohl müsse die Stadt unverzüglich einschreiten. „Hier glaubt keiner, dass die Besserung von Dauer ist.“

Wie es heißt, wächst auch im nahen Neubaugebiet Dorneburger Mühlenbach Kritik. Die Bewohner, die bereits erhebliche Probleme überwinden mussten, bangten um den Wert ihrer Häuser und die weitere Entwicklung der Siedlung.