Ruhrpott-Saga-Autor zu Besuch im Revier

Eine Szene aus Rote Erde II: Rechts im Pullunder der Bochumer Ingo Naujoks.
Eine Szene aus Rote Erde II: Rechts im Pullunder der Bochumer Ingo Naujoks.

Bochum.. Peter Stripp schrieb die Drehbücher zur legendären Ruhrgebiets-Saga „Rote Erde“. Jetzt besuchte der Ur-Berliner das Bergbau-Museum.

Er wollte unbedingt das Bergbaumuseum sehen: Jetzt hat es endlich geklappt. Peter Stripp, ein Ur-Berliner, besitzt einen ganz besonderen Grund, um sich anhand der Ausstellungsstücke unterm mächtigen Förderturm an die Pütt-Vergangenheit des Ruhrgebiets zu erinnern. Peter Stripp hat die Drehbücher der Ruhrpott-Saga „Rote Erde“ geschrieben, die in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als großes Fernsehereignis die kohlrabenschwarze Vergangenheit an der Ruhr mit großer Intensität und Vitalität vermittelte. Für viele sind die insgesamt 13 Folgen bis heute unvergessen .

Tief in der Seele schürfen

„Zunächst habe ich Angst gehabt“, erinnert sich Peter Stripp. Immerhin kannte er vom historischen Bergbau im Ruhrrevier zu jener Zeit nur sehr wenig . Er habe sich im ersten Moment „gewundert“, dann allerdings aber auch „gefreut“. Immerhin konnte er das WDR-Angebot auch als Vertrauensbeweis dafür werten, dass die Fernsehoberen es ihm zutrauten, tief in den Seelen der Ruhrgebietsmenschen schürfen zu können. Peter Stripp hatte seinerzeit schon mit sozialkritischen Themen - so mit dem Film „Berlin-Mitte“ - auf sich aufmerksam gemacht. Außerdem hatte er den Deutschen-Gewerkschaftspreis „für einen Arbeiterfilm“ bekommen. Peter Stripp vermutet, dass nicht zuletzt deshalb die Wahl des WDR auf ihn gefallen war.

Also machte er sich an die Arbeit: „Ich habe sechs Jahre lang täglich mit den Figuren von „Rote Erde“ gelebt“, erinnert sich der freundliche Mann. Fachlich beraten wurde er von einem Historiker aus Bottrop.

Kaiser dankt ab

Die erste Staffel von „Rote Erde“ umfasste neun Folgen: Sie beginnen mit dem Bergarbeiterstreik von 1889 und enden mit der Abdankung des Kaisers 1919. Als die Schauspieler ihn auf einer Promotion-Tour als den Drehbuchautor erkannten, habe es von ihnen spontanen Beifall für ihn gegeben: „Das hat mir natürlich sehr gut getan“, freut sich Peter Stripp noch heute. Nach der ersten Staffel 1983 folgte 1990 mit vier Folgen „Rote Erde II“

So sehr der Erfolg der Serie durch die sensible und treffende Charakterzeichnung der Personen bestimmt war (Stripps Verdienst), ebenso wichtig war die Besetzung der Rollen. Niemand, der damals bei dieser Sternstunde des Qualitätsfernsehen vor dem Bildschirm gesessen hat, wird den jungen Claude-Oliver Rudolph aus Bochum als Bruno Kruska vergessen. Oder den vorlauten Otto Schablowski. Ralf Richter - ebenfalls Bochum - zeichnete damit eines seiner ersten Kabinettstückchen. Für beide bedeutete die „Rote Erde“ den Einstieg in eine bundesweit bedeutsame Karriere: Auch wenn Rudolph später als Bond-Bösewicht Schlagzeilen produzierte, es gibt nicht wenige, die meinen, dass ihm mit dem Bruno die reifste Leistung gelungen ist. In der zweiten Staffel, die vom Wirtschaftsaufschwung handelt, wirkte aus Bochum Ingo Naujoks mit. Klar, Jungs aus dem Pott können natürlich am besten Jungs aus dem Pott spielen.

 
 

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