Ruhrpott-Abend funkelt nur matt

Szene mit Nermina Kukic Jost Grix und Thomas Kemper.
Szene mit Nermina Kukic Jost Grix und Thomas Kemper.
Foto: Sandra Schuck
Im Prinzregenttheater setzt Regisseurin Romy Schmidt auf eine betont launige Fassung von Frank Goosens Heimatroman „Sommerfest“.

Bochum. Mit Frank Goosens „Sommerfest“, Regie Romy Schmidt, lieferte das Prinzregenttheater am Freitag die siebte (!) Premiere der ersten Spielzeit der neuen Intendantin ab. Das Publikum feierte die unterhaltsame Aufführung einigermaßen frenetisch, gleichwohl dürfte treuen PRT-Besuchern nicht entgangen sein: da wäre mehr drin gewesen.

„Sommerfest“ ist ein schönes, stimmiges Buch; nicht umsonst wird Frank Goosens warmherzige Reminiszenz an das Ruhrgebiet gerade von Sönke Wortmann verfilmt. In süffiger Prosa gelang Bochums Top-Kabarettist 2012 ein moderner Heimatroman aussem Revier, das in einem offenbar endlosen Strukturwandel gefangen ist.

Drehbare Gartenlaube

An diesen Heimataspekt knüpft Romy Schmidts Inszenierung an, gleich bei der Auftaktszene wird deutlich, welches Potenzial ihr Abend hätte haben können: Zu Käuzchenruf, Heinzelmännchen und Gewittergrollen wird Nietzsches „Wohl dem, der jetzt noch – Heimat hat!“ als lastender Traum des Protagonisten Stefan (Jost Grix) ironisiert – da freut man sich schon auf die gewiss gleich anlaufende Romy-Schmidt-Regie-Ideenmaschine, die wir in „Peer Gynt“, „Tschick“ und „Die Verwandlung“ schätzen gelernt haben.

Nur drei Schauspieler

Aber mit einem Donnerschlag ist alles schon wieder vorbei. Im variablen Bühnenbild von Sandra Schuck – eine drehbare Gartenlaube, die auch als Ommas Wohnung und als Vereinsheim herhält – entfaltet sich die Geschichte um den aus München ins Ruhrgebiet heimgekehrten Stefan fast bilderbuchartig. Dramaturg Frank Weiss hat Story und Typenkabinett des Romans geschickt gerafft, wodurch die Aufführung mit nur drei Schauspielern auskommt.

Tatsächlich schlüpfen, außer Grix, Thomas Kemper und Nermina Kukic in immer wieder neue Rollen: sie mal als Ruhrpotttusse, mal als mitfühlende Freundin Charlie; er mal als großmäuliger Proll im Unterhemd, mal als betuliche Omma. Das ist wirklich witzig; die Wandlungskunst von Kukic & Kemper ist ein absoluter Pluspunkt des Abends.

Das war’s aber auch schon, denn über lange 90 Minuten wird zwar der Roman launig illustriert, aber die Wunderkerzen sprühen nicht. Schade, es scheint, als habe die Regisseurin keinen echten Zugang gefunden zu Goosens wehmütig-komischer Heimatsuche. So tritt der Abend bald auf der Stelle, und das Publikum sieht ihm dabei zu.

Nostalgische Bochum-Bilder

Erst das Schlussbild, bei dem Theaterraum, Schauspieler und Zuschauer in einem nostalgischen Bochumer Stadtvideo zu kreiseln beginnen, erzeugt jenen betörenden Ringelspiel-Effekt, der diesem Sommerfest insgesamt gut getan hätte.

 
 

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