Bochum

Ruhrgebiet: Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte – Zahlen zeigen schockierende Entwicklung

Die Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte haben weiter zugenommen. (Symbolbild)
Die Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte haben weiter zugenommen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Bochum. Die Krawall-Nächte von Stuttgart und Frankfurt zeigten brutale Angriffe auf Polizisten, in Düsseldorf wurde Anfang Juli ein Polizist mit einem Faustschlag niedergestreckt. Auch im Ruhrgebiet kämpfen Polizisten und Rettungskräfte mit dem traurigen Trend. Die Staatsanwaltschaften haben reagiert.

Exklusive Zahlen von den Staatsanwaltschaften Bochum und Dortmund zeigen, dass Angriffe auf Polizisten, Rettungskräfte oder Feuerwehrleute im Ruhrgebiet weiter Sorgen bereiten.

So sieht eine Zelle der JVA Bochum von innen aus
So sieht eine Zelle der JVA Bochum von innen aus

Ruhrgebiet: Mehr Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte in Bochum

Im vergangenen Juli hatte die Staatsanwaltschaft in Bochum eine eigene Abteilung gegründet, die sich auf körperliche und verbale Gewalt gegen Polizisten, Rettungskräfte und Amtsträger spezialisiert hat.

Ein Dezernat beschäftigt sich seither mit dieser Art von Delikten, die vorher im ganzen Haus verteilt waren. Im ersten halben Jahr wurden 500 Verfahren wegen Gewalt gegen Ordnungs- und Rettungskräfte eingeleitet.

600 Verfahren im ersten Halbjahr

Diese Zahl hat im ersten Halbjahr 2020 noch einmal zugenommen. 600 Verfahren zählte das Dezernat bis Ende Juni, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Christian Kuhnert auf DER WESTEN-Anfrage.

Nicht nur Angriffe auf Polizisten und Rettungskräfte fallen in das Gebiet der Sonderabteilung. „Auch Beleidigungen oder Bedrohungen gegenüber Jobcenter-Mitarbeitern gehören beispielsweise dazu“, erklärt Kuhnert.

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Zwischen 70 und 80 Prozent der Verfahren landeten letztlich auch vor Gericht. Der Rest wurde eingestellt. „Das Konzept, diese Fälle zu bündeln, hat sich bewährt“, erklärte Kuhnert.

Auch Dortmund hat Sonderabteilung

Auch sein Kollege Hener Kruse von der Dortmunder Staatsanwaltschaft pflichtet ihm dazu bei. In Dortmund haben sie bereits im Juli 2018 eine Sonderabteilung gegründet, die sich vorwiegend um besonders heftige Widerstandshandlungen gegenüber Polizisten, Feuerwehrleuten und Rettungskräften kümmert.

Im zweiten Halbjahr 2018 zählten die Dortmunder 98 Verfahren, im gesamten Jahr 2019 waren es 143 Verfahren. 2020 sind die Zahlen wohl auch coronabedingt bis Jahresmitte etwas rückläufig bei 36 Verfahren.

Zwei Verfahren führten sogar bereits zu Haftstrafen für zwei Männer. In einem Fall war ein Polizist mit einer Flasche geschlagen worden, in einem anderen hatte der Angreifer unter anderem zugebissen.

Mann beleidigt Rettungsassistentin als „Hure“ und „blöde Kuh“

Besonders krass war auch ein Fall, der von der Bochumer Sonderabteilung behandelt worden war und Anfang des Jahres zu einem Urteil führte.

Hier war ein 59-jähriger Autofahrer aus Wattenscheid zu einer Geldstrafe von 5.400 Euro auf Bewährung verurteilt worden. Weil ein Rettungswagen seine Einfahrt blockiert hatte, beleidigte er eine Rettungsassistentin als „Hure“ und „blöde Kuh“. Die Einsatzkräfte mussten ihre Behandlung einer älteren Dame deshalb mehrmals unterbrechen. Die Patientin starb später im Krankenhaus. >>> hier liest du bei der WAZ mehr zu dem Fall. (ms)

 
 

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