Ruhr-Universität Bochum soll für US-Militär geforscht haben

Auch die Bochumer Ruhr-Universität soll sich ihre Forschung vom US-Verteidigungsministerium mitfinanzieren haben lassen.
Auch die Bochumer Ruhr-Universität soll sich ihre Forschung vom US-Verteidigungsministerium mitfinanzieren haben lassen.
Zahlreiche deutsche Universitäten haben Medienberichten zufolge im Auftrag des US-Militärs geforscht. Demnach zahlte das amerikanische Verteidigungsministerium deutschlandweit für 28 Forschungsprojekte Geld an Hochschulen in Deutschland. Zu ihnen soll auch die Ruhruniversität in Bochum gehören.

Bochum.. 22 deutsche Hochschulen und Forschungsinstitute haben in den vergangenen Jahren nach Medienberichten Förderung in Höhe von mehr als 10 Millionen Dollar aus dem Haushalt des US-Verteidigungsministeriums erhalten. Die Einrichtungen bestätigten entsprechende Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und der "Süddeutschen Zeitung", wie das Blatt schreibt. Bei den Projekten handele es sich sowohl um Grundlagen- als auch um Rüstungsforschung, zum Beispiel an Sprengstoffen.

Auf der Projektliste, die die beiden Medien recherchiert haben, findet sich auch die Ruhr-Universität in Bochum (RUB). Sie soll im Jahr 2010 die Summe von 108 500 Dollar bekommen haben, umgerechnet etwa 80 000 Euro. Titel des Projektes ist demnach "Entwicklung eines Hochdurchsatz-Verfahrens zur optischen Kontrolle von Phasentransformationen bei amorphen Materialien".

Ruhr-Universität bekam offenbar 80 000 von der Air Force

Unter "Phasentransformation" verstehen Materialforscher die Tatsache, dass sich Eigenschaften und Verhalten von Materialien unter verschiedenen Bedingungen verändern - etwa bei Kunststoffen, die bei niedrigen Temperaturen spröde sind wie Plastik und bei höheren dehnbar wie Gummi.

Als amorph bezeichnen Wissenschaftler nicht-kristalline Materialien, zum Beispiel Glas, deren Atome unregelmäßig angeordnet sind. Materialwissenschaften gehören zu den starken Bereichen der Ruhr-Universität. Auftraggeber war den Unterlagen zufolge die US Air Force.

Die Ruhr-Universität wollte sich zunächst nicht zu dem Thema äußern, reichte dann aber ein Dementi nach. Bei dem Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Alfred Ludwig von der RUB-Fakultät für Maschinenbau (Lehrstuhl Werkstoffe der Mikrotechnik) habe es keinen Kooperationspartner gegeben.

"Forschung zu militärischen Zwecken findet an der RUB nicht statt"

Die Drittmittel seien vom "European Office of Aerospace Research & Development" (EOARD) gekommen. Das allerdings ist laut offizieller Seite der US Air Force eine Abteilung des Air Force Research Laboratory, das die Forschung der US-Luftwaffe organisiert. Ludwig räumte zudem ein, es habe "wissenschaftliche Gespräche" mit einem Air-Force-Experten namens Daniel B. Miracle gegeben. Trotz dieser Verbindungen erklärte der Professor aber: "Eine Forschung zu militärischen Zwecken findet an der RUB nicht statt."

"Einen militärischen Nutzen dieser Forschungsarbeiten gibt es meines Erachtens sicher nicht, sonst hätten wir das auch nicht gemacht", betonte Ludwig weiter. Grundlagenforschung werde in den USA oft über Militäreinrichtungen gefördert; EOARD fördere seinerseits Grundlagenforschung in Europa.

Uni Aachen wollte sich nicht äußern

Ob eine weitere NRW-Hochschule für das amerikanische Militär forschte, ist noch unklar: Zur Universität Aachen ist auf der Liste lediglich vermerkt, sie verweigere jegliche Auskunft. Der Landtag wird sich am Freitag in einer Aktuellen Stunde mit dem Thema beschäftigen.

Gelder des US-Militärs seien dabei auch an Universitäten geflossen, die sich durch eine Zivilklausel zur friedlichen Forschung verpflichtet haben. So habe die Ludwig-Maximilians-Universität in München vom US-Verteidigungsministerium 2012 mehr als 470 000 Dollar erhalten, um militärische Sprengstoffe zu verbessern.

Panzerglas, Sprengköpfe und Drohnen-Steuerung

Die Fraunhofer-Gesellschaft forschte dem Bericht zufolge für die US-Armee an Panzerglas und an Sprengköpfen, die Universität Marburg an Orientierungssystemen für Drohnen und "präzisionsgelenkte Munition".

Seit dem Jahr 2000 waren laut "Süddeutsche Zeitung" mindestens 18 deutsche Hochschulen an Forschungsprojekten beteiligt, die das Pentagon bezuschusst hat. Die Verträge fänden sich in einer öffentlichen US-Datenbank und hätten ein Gesamtvolumen von mehr als 9,4 Millionen Dollar. Ein Max-Planck-Institut, die Fraunhofer-Gesellschaft, das Alfred-Wegener-Institut und ein Leibniz-Institut erhielten Mittel des US-Verteidigungsministeriums in Höhe von zusammen 1,1 Millionen Dollar. (dpa/kas)

 
 

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