Ruf doch mal an!

„Damit Vergangenheit Zukunft hat.“ Das ist das Motto der ehemaligen Techniker und Postbeamten, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement das Telefonmuseum aufgebaut haben. Sie setzen sich dafür ein, dass die Anfänge der Telekommunikationstechnik nicht in Vergessenheit geraten. Damit auch zukünftig Besucher die Geschichte vom ersten Fernsprecher bis zum Mobiltelefon verfolgen und die Technik ausprobieren können, ist das Museum umgezogen. In dem alten Gebäude auf dem Telekom-Gelände fehlte ein zweiter Fluchtweg, es gab Sicherheitsbedenken.

Jetzt ist der Verein in leerstehende EDV-Räume auf dem Gelände eingezogen. „Seit Anfang des Jahres haben wir geputzt, gestrichen und alle unsere Exponate hier her gebracht“, berichtet Dieter Nowoczyn. Er ist einer der neun aktiven Mitglieder des Vereins, die im letzten dreiviertel Jahr die alten Fernsprechapparate, Vermittlungstechniken und unterschiedlichsten Telefone samt Vitrinen in den neuen Räume eingerichtet haben.

Unter den Exponaten ist auch ein Nachbau des ersten Fernsprecher, wie ihn Philipp Reis 1861 erfand. Sein erster merkwürdiger Satz soll „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ gewesen sein, erzählt Nowoczyn. „Er wusste, wenn dieser Satz ankommt, dann funktioniert es.“

Bevor aber das Zeitalter des Telefons begann diente das Morsen der Übermittlung von Nachrichten. „Zum ersten Mal war es nicht vom Wetter, Reiter und seinem Pferd abhängig, ob eine Mitteilung empfangen wurde. Auch die Entfernung spielte keine größere Rolle mehr“, erzählt der pensionierte Fernmeldetechniker. Heute ist vor allem die Morse-Abfolge für SOS bekannt, im Telefonmuseum gibt es aber das gesamte Alphabet und die funktionierende Technik. „Besucher können das Morsen selbst ausprobieren und sich kurze Nachrichten schicken“, sagt Nowoczyn und führt die alten Apparate vor. Deshalb wären besonders Schulklassen von dem Museum „zum Anfassen“ begeistert.

Zu den Ausstellungsstücken gehören auch originale, hölzerne Fernsprechapparate, wie sie Ende des 18. Jahrhunderts von Doktoren, Apothekern und Bürgermeistern genutzt wurden. „Zum ersten Mal konnte Sprache direkt übermittelt werden“, weiß Nowoczyn. Damals sorgte das sogenannte Fräulein vom Amt dafür, dass die Anrufe verbunden wurden. Sie saß mit ihren Kolleginnen in riesigen Sälen und steckte die Verbindungen, maß die Zeit und rechnete mit den Kunden ab. „Dort war es über 30 Grad warm und höllisch laut“, erklärt der Fachmann.

In den vielen Vitrinen stehen die unterschiedlichsten Telefone: mit Wählscheibe nur in schwarz oder Elfenbein, die späteren bunten Tastentelefone mit Gebührenanzeiger und fünf Kilo schwere Mobiltelefone. Unter anderem gehören eine alte Telefonzelle, Grubentelefone, Telefonbücher, Faxgeräte und Fernschreiber zu der Sammlung der Telekom-Historik. „Die Telekom ist die einzige Telekommunikationsgesellschaft mit Vergangenheit“, so Nowoczyn. „150 Jahre Erfahrung mit Nachrichtenübertragung können wir erzählen“. So kann die facettenreiche Entwicklung der Nachrichtentechnik im Telefonmuseum chronologisch und detailliert gezeigt werden, um nicht in Vergessenheit zugeraten.

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