RUB-Student übersetzt japanische Zeichentrickserien

,Der Laptop darf nicht fehlen: Übersetzer Andre Podzierski gibt seine Texte für Untertitel von japanischen Serien direkt in ein Computerprogramm ein.
,Der Laptop darf nicht fehlen: Übersetzer Andre Podzierski gibt seine Texte für Untertitel von japanischen Serien direkt in ein Computerprogramm ein.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Japanologie-Student Andre Podzierski arbeitet als Übersetzer für japanische Serien und Videospiele. Wörtliche Übersetzungen sind meist keine Option.

Bochum.. Übersetzer haben es oft nicht leicht. Es gibt viel Konkurrenz und geringe Honorare. Andre Podzierski hat den Vorteil, dass er sich spezialisiert hat. Der Student der Japanologie, der in Kürze seinen Master an der Ruhr Universität machen möchte, übersetzt japanische Zeichentrickserien, Videospiele und technische Handbücher für den deutschen Markt.

Über einen Freund ist der 29-Jährige an den ersten Job gekommen. „Ich habe damals auch viele Serien privat geschaut“, sagt Podzierski, „und mir das Übersetzen damit Stück für Stück selbst beigebracht.“ Das bereitete ihm so viel Spaß, dass er weitermachte. Inzwischen hat er über 100 Folgen der so genannten Animes zur Ausstrahlung in Deutschland verholfen.

Zu Japan pflegt Andre Podzierski eine ganz besondere Beziehung. Es fing damit, dass er das elfte Schuljahr in Fernost verbrachte. Die Faszination dieses Landes und seiner Sprache ließ ihn danach nie wieder los. „Für Sprachen habe ich mich schon immer interessiert, Japanisch ist besonders spannend.“ Während des Bachelor-Studiums erhielt er ein Stipendium der japanischen Regierung, woraufhin ein weiteres Jahr in Japan folgte.

Kulturelle Besonderheiten

Drei bis sechs Stunden sitzt er an einer knapp 20-minütigen Episode. Und mit der reinen Übersetzung ist es noch lange nicht getan. Podzierski fertigt mit einem von seinem Auftraggeber zur Verfügung gestellten Computerprogramm die deutschen Untertitel an. „Hier muss man manchmal kreativ werden, weil es bestimmte Einblendezeiten gibt“, verrät Podzierski. So sollten maximal zwei Zeilen gleichzeitig und höchstens 16 bis 18 Buchstaben pro Sekunde eingeblendet werden. „Die Übersetzung muss einfach flutschen“, fasst der Gelsenkirchener zusammen. „Die Leute sollen der Handlung entspannt folgen können.“

Deswegen muss jeder Satz wohlbedacht sein, wobei die großen kulturellen Unterschiede zwischen Japan und Deutschland den Übersetzer häufig vor Herausforderungen stellen. „Deswegen übersetzen wir meistens nicht wörtlich, sondern funktional.“ Andre Podzierski und seine Kollegen fragen sich dann, was der Autor aussagen wollte und versuchen, eine deutsche Metapher oder Redensart zu finden, die passt. Letztlich sei das auch immer eine ethische Entscheidung. „Wir müssen uns jedes Mal fragen, wie viel der japanischen Kultur wir durch eine Anpassung ins Deutsche verstecken“, offenbart Podzierski die Nöte der Übersetzer. „Hier gibt es viele Feinheiten zu beachten.“ Zumal viele Anime-Fans sich gut mit der japanischen Kultur auskennen würden.

Drehbücher kommen Wochen im Voraus

Die Nachfrage nach immer neuem Stoff aus dem Land der aufgehenden Sonne nimmt keinen Abriss. Der Hype, der zu Beginn der 2000er um Manga, Anime & Co. herrschte, ist mit dem Aufkommen von Streaming-Portalen wie Netflix wieder angefacht worden. Für einen gewissen monatlichen Beitrag können die Kunden hier so viele Animes schauen wie sie möchten. Dementsprechend ist die Erwartungshaltung: „Eine Stunde nach der Ausstrahlung in Japan muss eine Folge auf deutsch verfügbar sein“, berichtet Podzierski, der die Drehbücher deswegen oft schon Wochen im Voraus erhält. Nur verraten darf er natürlich nichts.

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