Roman Reiser - ein Gestalter des Bochumer Wiederaufbaus

Roman Reiser
Roman Reiser
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Vor 60 Jahren gründete Roman Reiser sein Architekturbüro. Seine Gebäude - wie das Europa-Hochhaus oder das Kloster Stiepel - prägen Bochum bis heute

Bochum. Manche – zumal Jüngere – in Bochum kennen seinen Namen nicht mehr. Dennoch ist Roman Reiser, der im doppelten Sinne große Architekt, nach wie vor in unserer Stadt präsent, und wird das auch bleiben. Schließlich gehen so unterschiedliche Gebäude wie das Kloster Stiepel, die elegant wirkende Eigentumswohnanlage an der Königsallee/Gilsingstraße, das Studentenwohnheim Hegge Kolleg und das Sudhaus der Fiege-Brauerei auf sein architektonisches Konto.

94 Jahre alt ist Reiser inzwischen; er blickt auf ein Oeuvre zurück, das über 300 Positionen im Werksverzeichnis auflistet. „Auch wenn davon nicht alle gebaut wurden“, räumt der Pensionär mit einem Schmunzeln ein.

Bereits 1990 hat sich der Mann mit dem Gardemaß zur Ruhe gesetzt, nachdem die Nachfolge seines in diesen Tagen vor 60 Jahren gegründeten Büros geregelt war. Kaum einer hat die Stadtgestaltung Bochums in den Nachkriegsjahren so geprägt wie Roman Reiser. Er kam nach Krieg und Studium 1949 aus München nach Bochum, wurde heimisch, gründete hier eine Familie.

Aus München ins Ruhrgebiet

Die beruflichen Aufgaben lagen sozusagen vor der Tür. Das zerstörte Bochum suchte den Neuanfang, nicht nur politisch, auch stadtplanerisch. Privatleute, die öffentliche Hand und – damals noch stark und mächtig – der Bergbau waren seine Auftraggeber. Bereits 1954 machte sich Reiser mit seinem Büro selbstständig; „der Wiederaufbau war meine Herausforderung“, sagt er. Vor allem ging es um die Schaffung von Wohnraum, Einfamilienhäuser in Werne waren Reisers erste Objekte als freier Architekt.

Höchstes Gebäude in Bochu

Einmal etabliert, konnte sich der langjährige BDA-Vorsitzende über Arbeit auch später nicht beklagen. In den 1960er Jahren ging es – wieder nicht nur im Wortsinn – „groß“ weiter: mit dem Europa-Hochhaus, das heute noch die dem Bahnhof vis-à-vis liegende Seite beherrscht. „Hier wollte ich ein schon von weitem sichtbares Zeichen für die Innenstadt schaffen“, sagt Reiser. Der „Blickpunkt“ Europa-Haus blieb über Jahrzehnte das höchste Gebäude der Stadt.

Hochhäuser als Blickpunkte

Hochhäuser blieben eine Spezialität von Roman Reiser, an seinem Meisterstück hat er inzwischen aber, leider, wie er sagt, nicht mehr wirklich Freude. Die Rede ist vom Bomin-Hochhaus an der Königsallee, das seit 1975 mit seiner voll verspiegelten Fassade alle Blick auf sich zog. Heute ist hier die Knappschaft heimisch, die die ursprüngliche Fassade in den letzten Monaten sanieren ließ; dabei ging die ursprüngliche Anmutung fast vollständig verloren.

„Das ist nicht in meinem Sinne“, sagt der Architekt, der Veränderungen seiner Bauten in all den Jahren allerdings auch schon anderswo zur Kenntnis nehmen musste. „Verändern darf ja jeder, außer der Denkmalschutz ist davor“, sagt er. Das war damals, vor 60 Jahren, zu seinen Anfängen schon so. Aber es waren doch andere Zeiten.

 
 

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