Rassismus im Alltag besser erkennen

Hanno Jentzsch
Ein Bündnis aus Bürgern und Vereinen demonstrierte am Samstag in Bochum gegen rechten Terror und Rassismus im Alltag. Foto: Ute Gabriel
Ein Bündnis aus Bürgern und Vereinen demonstrierte am Samstag in Bochum gegen rechten Terror und Rassismus im Alltag. Foto: Ute Gabriel
Foto: WAZ FotoPool
Rund 500 Menschen demonstrierten am Samstag vor dem Rathaus gegen Rechstextremismus. Motto: „Flagge zeigen gegen rechten Mordterror.“

Bochum. Unter dem Motto „Flagge zeigen gegen rechten Mordterror“ hatte das Bochumer Forum für Antirassismus und Kultur (BoFo e.V.) zu einer Solidaritätskundgebung auf dem Rathausvorplatz aufgerufen. Etwa 500 Menschen versammelten sich trotz Kälte zu einer friedlichen Kundgebung.

Wut über die Ausmaße

Unterstützt wurde der Aufruf von einem breiten Bündnis verschiedener Organisationen. Neben den Flaggen von Jusos, Grünen und DGB flatterten zum Beispiel auch die Banner der Migrantenorganisation DIDF (Föderation Demokratischer Arbeitervereine) im Wind.

Zahlreiche Rednerinnen und Redner brachten nicht nur ihre Wut über die Ausmaße der jüngst bekannt gewordenen rassistischen Mordserie und die Ermittlungspannen zum Ausdruck, sondern sprachen ausdrücklich von Scham und Schuld.

„Abschaltung der V-Leute“

Besonders deutlich wurde Carina Gödecke in ihrer Rede. Die stellvertretende Vorsitzende der Bochumer SPD und Vizepräsidentin des Landtags NRW entschuldigte sich bei den Opfern der Mordserie und ihren Familien: „Wir schämen uns für die schweren Fehler, die bei den Ermittlungen gemacht wurden. Wir schämen uns für unsere eigene Leichtgläubigkeit, dass wir den hastigen Ausschluss rechtsextremer Motive nicht hinterfragt haben.“

Andere Rednerinnen und Redner – unter ihnen zum Beispiel die Bochumer Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen (Linke) – forderten die „Abschaltung der V-Leute“ in der rechten Szene.

"Gesamtgesellschaftliche Haltung und Verpflichtung“

Getragen wurde die Demonstration zu einem bedeutenden Teil von türkischstämmigen Bochumerinnen und Bochumern – sowohl im Publikum als auch am Rednerpult. So warb unter anderem Cigdem Deniz Sert vom Bochumer Forum für Antirassismus und Kultur für mehr Aufmerksamkeit gegenüber rechten Verbrechen und dem alltäglichen Rassismus.

Die „Förderung von antirassistischer Arbeit als eine gesamtgesellschaftliche Haltung und Verpflichtung“ sei unerlässlich, so Sert. Dafür gab es viel Applaus auf dem Rathausplatz. Denn generell schienen sich die Demonstrationsteilnehmer einig darin, dass weder die Aushebung der „Zwickauer Zelle“ noch ein Verbot der NPD allein die Lösung für das Problem mit der rechten Gewalt sein kann.

Verharmlosung rassistisch motivierter Verbrechen müsse aufhören

Aufhören müsse vor allem die Verharmlosung rassistisch motivierter Verbrechen, forderte u. a. Christoph Nitsch von der Sozialen Liste. Das gelte auch in Langendreer, wo eine Serie rechter Übergriffe noch immer als „Nachbarschaftsstreitigkeiten“ abgetan werde, so Nitsch weiter.

Die Veranstalter zogen ein positives Fazit: „Wer jetzt noch glaubt, dass die Mordserie aus dem Nazi-Umfeld in der Hauptsache ein migrantisches Problem sei, sollte sich an den vielen Menschen ein Beispiel nehmen, die heute in Bochum solidarisch „Flagge gezeigt“ haben“, so Deniz Sert.