Putzfrauen in Bochum gehen auf die Straße

Sie protestieren für Anschluss an den Mindest- und Tarifflächenlohn: Die Putzfrauen in Bochum.
Sie protestieren für Anschluss an den Mindest- und Tarifflächenlohn: Die Putzfrauen in Bochum.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Ein Stundenlohn von 8,55 Euro brutto - die Putzfrauen sind in Bochum auf die Straße gegangen um für mehr Geld zu protestieren. Außerdem fordern sie Anschluss an den bald auslaufenden Mindest- und Tarifflächenlohn.

Bochum. Energisch schiebt die 63-Jährige den Putzwagen Richtung Husemannplatz. „Mein Leben lang habe ich geputzt, drei Kinder mit dem Job ernährt“, sagt Margret Buchholz und schnaubt. Ein Rentner ruft: „Die sind doch bekloppt, die sollen arbeiten gehen.“ Das tun sie alle, die 30 Frauen, die am Mittwoch durch die City ziehen. Sie malochen für 8,55 Euro brutto. Und alle sind sich einig: Weniger darf es nicht werden. Im Gegenteil.

Die Frauen demonstrieren für mehr Geld. Rund 60 Cent pro Stunde sollen es für Innenreinigung sein, für Glas- und Fassadenreinigung bis zu 80 Cent mehr. Vor allem aber marschieren die Damen mit Putzwagen, gelben Luftballons und Trillerpfeifen durch die Innenstadt, um den Anschluss an den Mindest- und Tarifflächenlohn zu fordern – dieser läuft am 31. Dezember 2011 aus.

Flugblätter und bunte Lutscher

Dafür blockieren sie auch gerne für kurze Zeit die Ampel am Kurt-Schumacher-Platz, gegenüber dem Hauptbahnhof. Ein Autofahrer im blauen Pkw nimmt leicht genervt ein Flugblatt entgegen, faltet es und legt es auf den Beifahrerersitz. „Natürlich habe ich aber Verständnis für die Situation der Gebäudereiniger“, sagt der junge Mann und wartet brav an der Ampel, die schon längst wieder Grün anzeigt. Die Kinder hingegen freut die Aktion riesig, bekommen sie doch von den Frauen bunte Lutscher und Schoko-Taler geschenkt.

„Wir wollen halt auf uns aufmerksam machen, egal wie“, sagt Susanne Neumann, die „Erste Putze Deutschlands“, wie sie sich selbst nennt, hat sie doch das Amt als Bundesfachgruppenvorsitzende für Gebäudereinigung bei der IG Bau inne. Susanne Neumann, selbst Reinigungskraft und ein echtes Temperamentbündel, kennt die Nöte der meist weiblichen Mitarbeiter, vor allem derer, die völlig unterbezahlt für große Firmen arbeiten müssen. „Die meisten Frauen, die unter Tarif für 400 Euro im Monat putzen gehen, trauen sich ja gar nicht, den Mund aufzumachen. Schließlich finanziert ihr Job ihnen die Miete. Meistens sind sie auch noch alleinerziehend“, sagt sie und schwingt dabei energisch ihren gold angemalten Besen.

Sauberes Geld für saubere Arbeit

„Doch Sauberkeit muss ihren Preis haben“: Dafür geht auch Petra Vogel, Vorstandsmitglied der Bundesfachgruppe Bochum/Dortmund, auf die Straße. Sie fegt und wischt täglich die Räume des Bergmannsheils, für einen tariflichen Lohn – und das soll auch so bleiben. „Die Sicherheit des Mindestlohns muss gewährleistet sein“, sagt sie und nippt dabei an ihrem Kaffee aus dem Pappbecher. „Unter diese Marke darf niemand gehen.“

Schließlich habe sich in den vergangenen Jahren die Lage auf dem Arbeitsmarkt schon genug zum Negativen entwickelt. „Vor 20 Jahren habe ich im Schnitt 180 m2 geputzt, mittlerweile sind es zwischen 240 bis 260 m2. „Schwarze Schafe“ – damit meint sie Firmen, die ihre Arbeitskräfte nur mit unbefristeten Verträgen zu Dumpinglöhnen buckeln lassen – werben damit, täglich bis zu 400 m2 säubern zu lassen. „Alles in dem Wissen, dass die Frauen diese Leistung in ihrer herkömmlichen Arbeitszeit niemals bewältigen können“, so Petra Vogel in ihrem weißen Schutzanzug, wie ihn sonst Maler und Lackierer tragen. Warum sie ihn trägt? „Den kann man so schön bekleben.“

Das tun die Damen heute, mit Aufklebern, auf denen steht: „Ich putze Deutschland“, „Mit 67 arbeiten? – Das schaffen wir nicht“ oder der Par ole: „Frauen verdienen mehr!“ Sauberes Geld, für saubere Arbeit. So sollte es sein, und dafür werden alle Damen auch in den nächsten Wochen weiter kämpfen.

 
 

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