Prozessauftakt im Fall des Drogentoten in Essener „Frohnatur“: Das sagt der beschuldigte Dealer

Der ehemalige Club Frohnatur in Essen.
Der ehemalige Club Frohnatur in Essen.
Foto: FUNKE Foto Services/ Socrates Tassos
  • Der Prozess gegen den mutmaßlichen Dealer hat begonnen
  • Alexander B. (26) aus Bochum ist angeklagt wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln
  • Bester Freund des Toten sagte aus

Essen/Bochum. Ein 27-Jähriger nimmt an Halloween 2016 eine Pille, vermutlich Ecstasy, sein Kumpel auch, um ihn herum tanzen alle und haben Spaß in dem ehemaligen Club „Frohnatur“ in Essen.

Doch dann ändert sich schlagartig alles. Dem Essener geht es schlecht, auch seinem Kumpel geht es nicht gut. Beide landen im Krankenhaus. Am Ende ist der 27-Jährige tot, sein Kumpel lebt. Und schuld soll eine Drogen-Pille gewesen sein, die der Tote von einem Dealer in der „Frohnatur“ bekommen haben soll.

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Und eben dieser Dealer muss sich seit Mittwoch vor dem Essener Landgericht verantworten. Allerdings nicht direkt wegen des Toten. Sondern wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln.

Denn: Ob die Todespille des 27-Jährigen von dem Dealer stammt, der nun auf der Anklagebank sitzt, steht in dieser Verhandlung nicht zur Debatte. Und: „Der Tod des jungen Mannes im Zusammenhang mit einer Tablette des Angeklagten ist nicht beweisbar“, sagt die Vorsitzende Richterin Jutta Wendrich-Rosch direkt zu Beginn der Verhandlung.

Und trotzdem dreht sich beim Prozessauftakt alles um den Toten und ob es eine winzige Möglichkeit gegeben haben könnte, dass er die Todespille von dem Angeklagten bekommen haben könnte.

Das Opfer will der Angeklagte nicht gekannt haben

Der Angeklagte, Alexander B. (26) aus Bochum, trägt bei der Verhandlung einen rosa Pullover, der rosa Hemdkragen schaut heraus. Er macht seine Aussage: „Ja, ich habe in der Frohnatur Ecstasy und andere Pillen sowie Pulver verkauft. Aber nur an meine Freunde. Und wenn die jemanden mitbrachten, der hat dann auch 'was gekriegt.“

Das Opfer will er nicht gekannt haben, er selbst habe von seinen Pillen eine oder zwei genommen. Er habe keine Probleme gehabt. Nach seiner Aussage liest die Vorsitzende Richterin den Obduktionsbericht des Toten vor. Währenddessen spielt Alexander B. unter dem Tisch mit seinem Handy, man hat den Eindruck er hört gar nicht richtig zu.

Zwischendurch schaut er hoch, irgendwann bemerkt er den Blick aus dem Publikum und steckt das Telefon in die Hosentasche. Sein Gesicht stützt er nun gequält in seine Hände.

Der Tote hat zum ersten Mal harte Drogen genommen

Die Aussage des besten Freundes des Toten scheint ihn ebenso wenig zu kümmern. Daniel C. (28) aus Essen wollte mit dem 27-Jährigen eigentlich in die Disko nebenan, das „Delta“, dort sei der Tote aber nicht mehr reingekommen - zu betrunken lautete das Urteil der Türsteher. Daniel C. geht alleine hinein, der 27-Jährige nebenan in die Frohnatur. Dort treffen sich die beiden bald wieder, der 27-Jährige hat zu dem Zeitpunkt schon zwei Tabletten in der Tasche.

„Er hatte sie von zwei Mädchen bekommen, die waren Teil einer großen Gruppe. Aber von wem genau die Mädels die Drogen bekommen hatten, keine Ahnung“, sagt Daniel C. aus. Er nimmt zusammen mit seinem Kumpel die Partydroge - nach seiner Aussage hätten beide zum ersten Mal harte Drogen konsumiert. Das bestätigte auch der Gerichtsmediziner.

Bester Freund des Opfers sagt vor Gericht aus

Daniel C. zittert vor Gericht, seine Stimme bricht mehrfach weg. Sichtlich berührt erzählt er die Geschichte, wie er das letzte Mal seinen besten Freund sah. Er sagt nie „war“. Er spricht immer nur von „Er ist mein bester Freund“.

Dass jemand gestorben sei, habe der Angeklagte erst gehört, als er schon im Streifenwagen gesessen habe. Er selbst konsumiert seit dem Vorfall keine Drogen mehr.

Der nächste Prozesstag findet am 27. Oktober um 10 Uhr statt.

 
 

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