Bochum

„Erfolg macht einen Mann attraktiv“: „Sugar Baby“ (22) aus Bochum erzählt, warum sie deutlich ältere Männer trifft

Ältere, wohlhabende Männer finden auf einer Internetseite junge Frauen, mit denen sie reden, Zeit verbringen oder auch schlafen. Die Frauen bekommen im Gegenzug häufig teuren Schmuck, Urlaube oder auch Shopping-Ausflüge. (Symbolbild)
Ältere, wohlhabende Männer finden auf einer Internetseite junge Frauen, mit denen sie reden, Zeit verbringen oder auch schlafen. Die Frauen bekommen im Gegenzug häufig teuren Schmuck, Urlaube oder auch Shopping-Ausflüge. (Symbolbild)
Foto: imago/Westend61
  • Eine Internetseite bietet älteren Männern („Sugar Daddys“) und jüngeren Frauen („Sugar Babys“) eine Plattform, auf der sie sich finden können
  • Die oft wohlhabenden Männer suchen Gespräche, gemeinsame Zeit, Sex - die Frauen im Gegenzug Restaurantbesuche, Urlaube und Schmuck
  • Was sagen Eltern und Freunde von Sugar Babys dazu?
  • Wir haben mit einer jungen Frau (22) aus Bochum gesprochen

Bochum. Jessica (Name geändert) ist BWL-Studentin und ein „Sugar Baby“. Das bedeutet, dass sie sich regelmäßig mit „Sugar Daddys“ trifft, mit denen sie Zeit verbringt, essen geht oder auch mit ihnen schläft. Im Gegenzug gehen die älteren Herren mit ihr shoppen, laden sie ins Restaurant ein oder verbringen teure Urlaube mit ihr, die die 22-Jährige sich andernfalls nicht leisten könnte.

Ein Sugar Daddy ist meist älter als die junge Frau, die er trifft, erfolgreich im Beruf und wohlhabend. Sugar Daddys und - Babys können sich kostenpflichtig im Internet miteinander verbinden. Eine Seite, die das anbietet, ist www.mysugardaddy.eu. Nutzerin Jessica hat uns im Interview erzählt, warum sie das nicht als Prostitution wahrnimmt. Und wie ihre Mitbewohner reagiert haben, als sie es ihnen erzählt hat.

DER WESTEN: Wissen deine Eltern, dass du das machst?

Jessica: Nein, meine Eltern wissen das nicht. Ich weiß auch nicht, was passieren würde, wenn sie es wüssten. Sie sind relativ tolerant und wir reden auch eigentlich über fast alles. Am Anfang wäre es wahrscheinlich befremdlich für sie. Aber mit der Zeit wäre das kein Thema mehr. Ob es jetzt einer ist, der zehn Jahre älter ist oder 20. Hauptsache, ich bin glücklich.

DER WESTEN: Und deine Freunde? Wie haben die reagiert?

Jessica: Also, ich wohne in einer WG, da bleibt es nicht aus, dass meine beiden Mitbewohner irgendwann erfahren, dass ich abgeholt werde. Da war mir schon wichtig, dass ich kein Geheimnis darum mache. Und dass da auch nichts Schlimmes dran ist. Die haben es am Anfang ein bisschen befremdlich aufgenommen. Sie hatten nichts damit am Hut und kannten das Thema auch nicht. Es hat aber nichts am Leben in der WG geändert. Wir haben uns alle zusammengesetzt und darüber gequatscht. Überhaupt kein Thema mehr.

DER WESTEN: Beschreib uns doch mal kurz, wie die Kommunikation bei mysugardaddy.eu funktioniert.

Jessica: Also, ich melde mich an, dann habe ich dort Profilbilder und kann angeben, wie ich aussehe. Haarlänge und Statur zum Beispiel. Ich kann auch angeben, wie viel mein Sugar Daddy verdienen soll. Was ich gerne mag und wie ein Date aussehen soll. Ich warte natürlich, bis ich angesprochen werde. Man kann seinem Gegenüber aber zuzwinkern oder Küsse versenden. Er kann mir dann vorgegebene Fragen stellen, die ich beantworten kann und dann kann man miteinander kommunizieren. Fragen sind zum Beispiel, was ich erwarte und wie ich mir ein Date vorstelle. Er kann mich freischalten und ich kann ihn freischalten. Und das Freischalten kostet auf beiden Seiten Geld, „Credits“.

DER WESTEN: Wann schaltest du denn jemanden frei?

Jessica: Bei mir ist das von Sympathie abhängig. Gefällt er mir von den Fragen her? Stimmen seine Vorstellungen mit meinen überein? So was.

DER WESTEN: Was war deine Motivation, damit anzufangen?

Jessica: Tja, was war meine Motivation? Neugier am Anfang. Man hat halt mal davon gehört. Ich glaube, ich habe eine Reportage darüber gesehen. Da haben sie gesagt, dass es in den Staaten gar kein Tabuthema mehr ist. Dann dachte ich, ich probiere das einfach mal aus und habe recherchiert.

DER WESTEN: Was erwarten die Männer denn von dir, die du triffst?

Jessica: Es ist immer individuell, wer was verlangt. Es gibt Männer, die haben kaum Freizeit und sind ständig unterwegs. Die brauchen dann jemanden, der ihnen zuhört. Manchmal fehlt so jemand einfach. Dann geht man zusammen was essen, trinkt was oder geht shoppen. Dann ist aber auch klar, dass er die Rechnung übernimmt. Ich könnte ihn auch bei Geschäftsessen begleiten. Ich hatte das noch nicht, aber es ist möglich. Natürlich ist es jetzt nicht so, dass man nur mit jemandem redet. Vorher werden schon die Vorstellungen abgeklärt. Man sitzt dann zusammen und redet darüber. Und wenn das klappt, dann trifft man sich. Beim ersten Date beschnuppert man sich noch. Nur, dass es da vielleicht schon intimer wird. Aber es werden eben Rahmenbedingungen abgesteckt. Und das ist bei so einer Art von Beziehung extrem wichtig, damit es nicht zu Unstimmigkeiten kommt.

DER WESTEN: Hast du schon Unstimmigkeiten erlebt?

Jessica: Also, es gab schon unangenehme Situationen. Da dachte man, das passt irgendwie gar nicht und man wusste auch nicht, worüber man reden sollte. Man trifft sich in einer Bar und dann kommt das Gespräch nicht in Gang. Dann ist es echt unangenehm, auf einen Nenner zu kommen. Es gab auch Fälle, da wurde direkt sehr deutlich klargemacht, was er will und was er sich vorstellt. Das ist dann ein bisschen befremdlich, wenn man so mit der Tür ins Haus fällt. Das hat irgendwie was von einem Kaufvertrag. Wie eine Ware, die zu gewissen Konditionen über den Tisch geht. Mit mehr Zeit lernt man den Menschen einfach besser kennen und weiß, worauf man sich einlässt.

DER WESTEN: Also, als Kaufvertrag empfindest du es nicht, aber würdest du es als Job bezeichnen?

Jessica: Ein Job ist es auf gar keinen Fall. Das Wort Job hat was von Prostitution und damit will ich auf gar keinen Fall in Verbindung gebracht werden.

DER WESTEN: Aber wo ist dann der Unterschied zur Prostitution?

Jessica: Ich finde, wenn ich das beruflich machen würde, dann hätte ich einen festgelegten Lohn. 200 Euro, dann ist die Sache durch. Und das ist es eben nicht. Natürlich geht man essen oder bekommt auch Geschenke. Es ist aber nicht immer so, dass man direkt bezahlt wird. Und das ist vom eigenen Selbstwertgefühl her auch was total anderes.

DER WESTEN: Aber es ist ja offensichtlich ein Tabu-Thema. Warum ist das so?

Jessica: Ich weiß nicht, warum es ein Tabu-Thema ist. Dass man da angemeldet ist, impliziert ja nicht, dass man direkt mit den Männern Sex haben muss. Man hört doch auch immer wieder, dass Prominente zum Beispiel wesentlich jüngere Partner haben und auch da ist es immer ein Tabu-Thema. Es passt vielleicht einfach nicht ins Weltbild bestimmter Menschen.

DER WESTEN: Wie alt sind die Männer die du triffst?

Jessica: Natürlich sind die deutlich älter als ich. Im Durchschnitt zwischen 40 und 50. Es gibt dort auch welche, die wesentlich älter sind, aber das ist nicht unbedingt was für mich. Wenn es in die 60er geht, ist es nicht mehr so mein Ding. Aber da hat jeder seine eigenen Präferenzen.

DER WESTEN: Und wie viele triffst du und wie oft?

Jessica: Also, ich mache das jetzt etwas länger als ein Jahr, vielleicht anderthalb. Wie viele Männer hab' ich in anderthalb Jahren gedated? Gar nicht so viele. Fünf oder sechs. Das ist vermutlich noch unter dem Durchschnitt. Manche davon treffe ich noch. Mit den Angeboten auf der Plattform ist es allerdings so, dass da viel kommt. Normalerweise treffe ich sie regelmäßig. Einmal die Woche schon. Manchmal aber auch gar nicht. Manchmal auch zweimal pro Woche.

DER WESTEN: Inwiefern hast du das Gefühl, dass das Dasein als Sugar Baby dein Datingverhalten beeinflusst?

Jessica: Also, es ist schon was anderes. Man hat natürlich dann andere Ansprüche. Studenten in meinem Alter müssen halt gucken, wie sie über den Monat kommen. Und der Sugar Daddy eben im Gegenteil. Das ist der Reiz daran. Erfolg macht einen Mann einfach attraktiv. Oder dass man in schicke Restaurants geht und toll gekleidet ist. Das hat sicher beeinflusst, wie ich auf Männer zugehe. Das kann man, glaube ich, auch nicht verhindern. Gerade, wenn man das länger macht. Ich glaube, als Frau erwartet man dann schon, dass man zum Essen eingeladen wird. Und ich finde es gehört sich auch so. Das zeigt doch, dass man Interesse an einer Frau hat. Und wenn es nur ein Kaffee ist. Es ist die Geste.

DER WESTEN: Was würde passieren, wenn du dich in jemanden verlieben würdest, der kein Sugar Daddy ist?

Jessica: Dann wäre klar, dass das ein Ende hat. Das hat für mich auch mit Respekt gegenüber meinem zukünftigen Partner zu tun. Aber ich hab mir damit zum Beispiel auch kein Zeitlimit gesetzt. Es ist jetzt gerade mal schön. Und im Studium ist man immer knapp bei Kasse. Spätestens, wenn ich mein eigenes Geld verdiene, höre ich damit auf. Maximal fünf Jahre. Aber erst mal aufs nächste Jahr schauen.

DER WESTEN: Empfindest du Liebe für einen oder mehrere deiner Sugar Daddys?

Jessica: Nein, das ist mir noch nicht passiert. Aber auch, weil ich noch nicht so lange Beziehungen hatte.

DER WESTEN: Was fehlt denn daran für eine richtige Beziehung?

Jessica: Kann ich echt nicht sagen. Sowas kann sich aber entwickeln. Und ob ich ihn dann bei Sugardaddy oder Facebook und Tinder kennengelernt habe, spielt ja eigentlich keine Rolle. Das gibt sich nicht viel.

 
 

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